Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel RHEINPFALZ-Umfrage: Haben Seniorenheime in Stadt und Kreis noch frei Plätze?

In etlichen Pflege- und Seniorenheimen in Stadt und Landkreis Kaiserslautern gibt es Wartelisten für einen Pflegeplatz.
In etlichen Pflege- und Seniorenheimen in Stadt und Landkreis Kaiserslautern gibt es Wartelisten für einen Pflegeplatz.

Die RHEINPFALZ hat bei Pflege- und Seniorenheimen in Stadt und Kreis nachgefragt, ob es ausreichend freie Plätze gibt. Während einige Häuser problemlos weitere Patienten aufnehmen können, müssen sich Pflegebedürftige in anderen Einrichtungen auf Wartezeiten von mehreren Monaten einstellen.

Die Anzahl der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland ist in den vergangenen Jahren gestiegen, und zwar deutlich. Das geht aus einer Mitteilung des Statistischen Bundesamtes hervor. Galten im Dezember 2021 rund fünf Millionen Menschen als pflegebedürftig, sind es nun 5,73 Millionen. Das sei zum einen auf die Alterung der Gesellschaft zurückzuführen – allerdings nicht ausschließlich. Auch, dass der Begriff der Pflegebedürftigkeit 2017 weiter gefasst wurde, spielt eine Rolle, so das Bundesamt. Die überwiegende Mehrheit dieser pflegebedürftigen Menschen, nämlich 86 Prozent, werden laut Statistischem Bundesamt übrigens zuhause betreut.

Hohe Auslastung bei Langzeitpflegeplätzen

Bei den übrigen 14 Prozent ist das aus unterschiedlichen Gründen nicht möglich oder nicht gewollt. Sie kommen in Pflege- und Seniorenheimen unter. 24 Einrichtungen gibt es in Stadt und Landkreis Kaiserslautern, die eine vollstationäre Langzeitpflege anbieten. Dort können pflegebedürftige Menschen also rund um die Uhr und auf Dauer betreut werden, wenn ein Leben daheim nicht mehr möglich ist.

Im Zeitraum vom 9. bis 20. Dezember hat die RHEINPFALZ diese Einrichtungen angeschrieben, wollte unter anderem wissen, wie viele Plätze für Lang- und Kurzzeitpflege zur Verfügung stehen und wie viele davon aktuell belegt sind. Aus den Rückmeldungen geht hervor, dass es in Stadt und Kreis derzeit rund 1900 Plätze für eine vollstationäre Langzeitpflege gibt. Drei Einrichtungen – eine aus dem Kreis und zwei aus der Stadt – ließen die Anfrage unbeantwortet, deren Kapazitäten sind daher nicht in die Zahlen der RHEINPFALZ eingeflossen. Nichtsdestotrotz verdeutlichen die Rückmeldungen, dass die Einrichtungen stark ausgelastet sind, in vielen gibt es nur wenige oder keine freien Plätze mehr. Gleichwohl sind in Stadt und Landkreis keinesfalls alle Plätze vergeben. So waren im Zeitraum der Umfrage in der Stadt rund 97,6 Prozent der angebotenen Plätze für vollstationäre Langzeitpflege belegt, im Kreis waren es 93 Prozent. Wobei hier zu beachten ist, dass diese Zahlen lediglich Momentaufnahmen sind, die sich binnen kurzer Zeit verändern können, wie aus den Rückmeldungen der Einrichtungen hervorgeht. Wer einen Platz sucht, der dürfte in der Regel fündig werden, gegebenenfalls aber nicht zu jedem Zeitpunkt im gewünschten Pflege- oder Seniorenheim.

Wartezeiten von bis zu sechs Monaten möglich

Nicht selten führen Häuser Wartelisten, wenn sie voll belegt sind. So auch das Diakonissenhaus am Stadtpark in Kaiserslautern, das 128 Belegplätze für Langzeitpflege anbietet. Dort standen zum Zeitpunkt der Umfrage 35 Menschen für einen Langzeitpflegeplatz auf der Warteliste. Die Wartezeit taxiert das Haus auf einen bis sechs Monate. „Das lässt sich nur schwer voraussagen“, erklärt Klaus Zimmermann, Geschäftsführer der Protestantischen Altenhilfe Westpfalz, die in Stadt und Kreis unter anderem das Haus am Stadtpark sowie das Haus an den Schwarzweihern und das Mennoheim in Enkenbach-Alsenborn betreibt. Anders als in der Kurzzeitpflege, in der es auch geplante, zeitlich begrenzte Aufenthalte gibt, werden Plätze in der Langzeitpflege in der Regel frei, wenn ein Bewohner auszieht, meist aber wenn er verstirbt. 10 bis 15 Menschen stehen beispielsweise auf der Warteliste für einen der 79 Plätze in der Zoar-Einrichtung „Wohnen am Betzenberg“. Einrichtungsleiterin Nadine Burkei gibt die Wartezeit mit zwei bis sechs Monaten an. „In der Regel bis zu vier Wochen“ warten Interessierte beispielsweise auf einen der 102 vollstationären Plätze im DRK-Seniorenzentrum in Kaiserslautern, im Demenzhaus mit 24 Plätzen kann die Wartezeit vier Wochen auch übersteigen, wie DRK-Sprecherin Allegra Thomsen-Weiße mitteilt.

Wer einen Platz erhält, hängt von verschiedenen Faktoren ab

Andere Einrichtungen führen dagegen keine Wartelisten. „Die Belegung in einem Seniorenheim ist oft sehr dynamisch und mittlerweile von vielerlei Faktoren abhängig, die nicht immer im planbaren Bereich liegen“, erklärt Thomas Matz, Leiter des Caritas-Altenzentrum St. Nikolaus in Landstuhl. Eine Warteliste bringe im Belegungsalltag nichts, ergänzt er. „In der Regel werden freiwerdende Plätze innerhalb einer Woche neu belegt. In den seltensten Fällen haben wir eine Anfrage, die nicht dringend ist“, teilt Alwin Emmenecker mit, Leiter des AWO-Seniorenhaus Alex Müller in Kaiserslautern, wo man ebenfalls keine Warteliste führt.

Wer einen frei werdenden Platz erhält, hängt bei vielen Häusern nicht allein vom Zeitpunkt der Anmeldung, sondern von unterschiedlichen Kriterien ab. Das betont beispielsweise das Caritas-Altenzentrum St. Hedwig aus Kaiserslautern: Es spielten zum Beispiel die Diagnosen der Pflegebedürftigen oder auch der Pflegegrad eine Rolle. Dazu komme: Werde eine pflegebedürftige Person aus dem Krankenhaus entlassen und könne nicht zurück in die eigenen vier Wände, müsse schnell reagiert werden, nennt Klaus Zimmermann Notfälle, für die man versuche, kurzfristig eine Lösung zu finden.

Dabei geht es in der Regel zunächst um einen Kurzzeitpflegeplatz, die in den Einrichtungen ebenfalls vorgehalten werden. Oftmals haben die Seniorenheime aber nur wenige oder gar keine festen Belegplätze für Kurzzeitpflege ausgewiesen, sie arbeiten stattdessen mit „eingestreuter“ Kurzzeitpflege, was es schwer macht, die Anzahl und Auslastung dieser Plätze in Stadt und Kreis exakt zu beziffern. Bei der „eingestreuten“ Kurzzeitpflege kann eine festgelegte Anzahl von Langzeitplätzen bei Bedarf auch für die Kurzzeitpflege genutzt werden. Den Einrichtungen gibt das mehr Flexibilität.

Nicht selten wird Kurz- zu Langzeitpflege

Eine Kurzzeitpflege werde beispielsweise angefragt, „wenn die Personen, die die Pflegebedürftigen zuhause betreuen, Urlaub machen wollen“, erläutert Nadine Burkei. Zum Teil müssten die Pflegenden – oft seien das die Ehepartner oder Kinder – selbst in ein Krankenhaus oder in Reha, beispielsweise, weil eine geplante Hüft- oder Knie-OP ansteht, ergänzt Daniela Mohr, die Leiterin der Seniorenresidenz Haus Maria in Rodenbach. Daneben gibt es Fälle der Kurzzeitpflege, die nicht im Vorfeld planbar sind. Häufigster Grund: Jemand soll nach einem Krankenhausaufenthalt entlassen werden, kann aber nicht mehr oder nicht sofort nach Hause, weil die Patienten aufgrund ihrer Erkrankung pflegebedürftig geworden sind. Wer alleinstehend und auf Hilfe angewiesen ist, muss dann womöglich in ein Pflegeheim, schildert Klaus Zimmermann. Denkbar ist auch, dass Angehörige die Pflege übernehmen wollen, allerdings zunächst die räumlichen Voraussetzungen schaffen müssen. Bei Reha-Maßnahmen, die nicht direkt an den Krankenhausaufenthalt anschließen, ist oftmals ebenfalls eine Kurzzeitpflege zur Überbrückung notwendig.

Die Seniorenresidenz Haus Maria in Rodenbach hat erst im Mai eröffnet. Dort gibt es noch ausreichend freie Plätze.
Die Seniorenresidenz Haus Maria in Rodenbach hat erst im Mai eröffnet. Dort gibt es noch ausreichend freie Plätze.

Dort, wo aktuell keine Kurzzeitpflegeplätze mehr frei sind, versuchen die Einrichtungen nach eigener Aussage für solche Fälle, möglichst schnell einen Platz zur Verfügung zu stellen. Oftmals gelinge das binnen einer Woche. „In 60 bis 70 Prozent der Fälle“ werde aus dem Kurzzeit-Aufenthalt doch eine Langzeitpflege, erläutert Nadine Burkei. Die Gründe dafür sind unterschiedlich: In einigen Fällen verbessert sich der Gesundheitszustand der Pflegebedürftigen nach Krankenhausaufenthalten nicht wie erhofft, eine Rückkehr in die eigene Wohnung ist dann nicht mehr möglich. Manchmal werde den Angehörigen auch bewusst, dass eine Pflege zuhause nicht zu stemmen ist. Nicht selten „gefällt es den Menschen aber auch in der Einrichtung, wenn sie erst einmal da sind“, berichtet Klaus Zimmermann aus seiner Erfahrung. Die Pflegebedürftigen werden zum Teil aus einer sozialen Isolation geholt, erfahren Aufmerksamkeit, finden Anschluss und Beschäftigung. „Wir haben in unserer Einrichtung zum Beispiel Tagesangebote. Wenn jemand offen dafür ist, ist er schnell in die Gemeinschaft integriert“, sagt Zimmermann.

Neue Einrichtungen noch nicht voll ausgelastet

Dass die Auslastung bei den Langzeitpflegeplätzen im Kreis aktuell etwas geringer ist als in der Stadt, hat unter anderem damit zu tun, dass es dort mehrere recht neue Einrichtungen gibt, die noch nicht voll ausgelastet sind. „Uns gibt es erst seit zwei Jahren, wir sind noch im Aufbau“, sagt Sabine Theisinger, die Leiterin der Senioren-Residenz Haus Josef in der Ramsteiner Marktstraße. Das Heim hat insgesamt 95 Plätze, darunter zehn Kurzzeitpflegeplätze. Zum Zeitpunkt der Umfrage waren elf Plätze frei. Die Seniorenresidenz Haus Maria in Rodenbach hat erst im Mai 2024 eröffnet. 40 der 85 Plätze sind dort belegt. „Fünf neue Bewohner im Monat sind ein gesundes Wachstum“, berichtet Leiterin Daniela Mohr, schließlich sei mit Neuaufnahmen auch ein großer bürokratischer Aufwand verbunden. Und man wolle den neuen Bewohnerinnen und Bewohnern gerecht werden. Bis Herbst 2025, so der Plan, könnte die Seniorenresidenz dann voll belegt sein. Wobei das nicht planbar sei. Inzwischen gebe es viele gute Angebote, die eine Pflege im eigenen Zuhause möglich machten. Das führe aber auch dazu, dass Pflegebedürftige erst dann in Seniorenheime kommen, wenn es ihnen schon recht schlecht gehe, eine andere Versorgung nicht mehr möglich sei, hat Mohr beobachtet. Verbrachten Bewohnerinnen und Bewohner früher teils etliche Jahren in Pflegeheimen, komme es inzwischen häufiger vor, dass Menschen auch nur noch in den letzten Monaten ihres Lebens versorgt werden. Ausreichend Personal für Neuaufnahmen sei in der Seniorenresidenz derweil vorhanden, berichtet Mohr. Derzeit habe man sieben Fachkräfte mehr beschäftigt, als für die aktuelle Belegung eigentlich notwendig seien, sodass Neuaufnahmen aus Personalsicht problemlos zu stemmen seien. Weitere Bewerbungen lägen vor.

Wegen Personalmangel Kapazitäten reduziert

In dieser komfortablen Lage sind längst nicht alle Einrichtungen in Stadt und Kreis. Vereinzelt können räumliche Kapazitäten gar nicht genutzt werden, weil das Personal fehlt, um die Pflegebedürftigen zu versorgen. Dieter Müller, Direktor der Alten-, Pflege- und Übergangsheime Schernau bei Martinshöhe, berichtet, dass die Einrichtung die belegbaren Plätze vorübergehend von 210 auf 160 reduziert habe. Das sei insbesondere aus zwei Gründen geschehen, so Müller: Der „Sicherstellung der anerkannt guten Pflege und Betreuung der uns anvertrauten Menschen“ und der „Verhinderung der Überbeanspruchung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“. Trotz aller Bemühungen habe man nicht ausreichend Pflegefachpersonal gewinnen können. Aufgrund des vorgegebenen Personalschlüssels hänge die Möglichkeit der Belegung „primär von der Verfügbarkeit des Pflege(fach)personals ab“, schildert Müller. So können 50 Plätze in der Einrichtung aktuell nicht genutzt werden.

Wegen Personalmangels werden aktuell 50 Plätze im Alten-, Pflege- und Übergangsheim Schernau bei Martinshöhe nicht vergeben.
Wegen Personalmangels werden aktuell 50 Plätze im Alten-, Pflege- und Übergangsheim Schernau bei Martinshöhe nicht vergeben.

Um einem solchen Personalmangel vorzubeugen, setzt die Protestantische Altenpflege Westpfalz auf die eigene Ausbildung von Personal. Rund 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftige man in den verschiedenen Einrichtungen in der Westpfalz, schildert Klaus Zimmermann. In der Regel habe man 50 bis 60 Auszubildende. Aktuell seien es sogar 80, so der Geschäftsführer.

Pflegereport

Die Anzahl der Pflegebedürftigen ist laut Statistischem Bundesamt in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. In einer immer älter werdenden Gesellschaft brauchen immer mehr Menschen Unterstützung im Alter – angefangen von kleinen Hilfen im Alltag bis zur 24-Stunden-Pflege. In unserem Pflegereport wollen wir uns daher dem Thema Unterstützung beim Älterwerden widmen. An wen kann ich mich wenden, wenn ich oder ein Angehöriger Hilfe im Alltag brauche? Welche Angebote gibt es? Finde ich in Stadt und Kreis überhaupt einen Platz im Pflegeheim, wenn ich einen benötige? In den kommenden Tagen werden diese Fragen einen Schwerpunkt unserer Berichterstattung bilden. Im Anschluss wollen wir uns diesem Thema in einer Serie widmen, die in loser Folge erscheinen soll.

Bereits erschienen

Was tun, wenn ein Angehöriger plötzlich Pflege braucht?Angst vorm Heim: Wie Alltagsbegleiter helfen
kai_langzeitpflegeplätze_stadt+kreis_ngen
x