Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel RHEINPFALZ-Sprechstunde zum Thema Lungenkrebs

Länger dauernde Beschwerden, also beispielsweise Husten, der länger als drei Wochen andauert, sollten durch ein Röntgenbild oder
Länger dauernde Beschwerden, also beispielsweise Husten, der länger als drei Wochen andauert, sollten durch ein Röntgenbild oder generell ärztlich abgeklärt werden, rät Mediziner Hermann Braun Lambur.

Lungenkrebs muss kein Todesurteil sein. Je nach Stadium, in dem er diagnostiziert wird, ist eine Heilung möglich. Doch wie erkenne ich überhaupt, dass ich erkrankt bin? Was sind Risikofaktoren? Und wie sieht eine Therapie aus? Vier Mediziner des Westpfalz-Klinikums beantworten Fragen von RHEINPFALZ-Leserinnen und -Lesern.

Was sind die ersten Anzeichen dafür, dass ich vielleicht an Lungenkrebs erkrankt bin?
„Leider unterscheiden sich die Anzeichen manchmal nicht von harmlosen Erkrankungen wie Husten oder Luftnot“, erklärt Hermann Braun Lambur, Leitender Arzt der Pneumologie am Westpfalz-Klinikum. Alle länger dauernden Beschwerden, also beispielsweise der Husten, der länger als drei Wochen andauert, sollten daher durch ein Röntgenbild oder generell ärztlich abgeklärt werden. Wichtig sei dann, jedem auffälligen Befund frühzeitig nachzugehen.

Gibt’s Früherkennungs- und/oder Vorsorgeangebote?
Noch gibt es laut Braun Lambur keine solchen Angebote wie beispielsweise beim Darmkrebs. Allerdings seien Früherkennungsangebote wie ein sogenanntes Niedrigdosis-CT der Lunge in Planung, sie werden aber wohl frühestens 2025 kommen. Ab Januar werden im Westpfalz-Klinikum neue High-Tech-Geräte – „das kann man sich vorstellen wie ein Navigationsgerät für die Lunge und Ultraschallgeräte im Millimeterbereich in den Bronchien“, so Braun Lambur – auffällige Stellen diagnostizieren, bevor sie überhaupt problematisch werden.

Was sind typische Symptome einer Lungenkrebs-Erkrankung?
Neben Husten, Luftnot oder Auswurf, der sogar blutig sein kann, auch der Gewichtsverlust oder Nachtschweiß. Aber solche Anzeichen sind laut Braun Lambur vieldeutig und nicht immer von anderen Lungenerkrankungen abzugrenzen. Man sollte diese Symptome umgehend abklären.

Was löst Lungenkrebs aus?
„In unserer Gesellschaft werden die meisten Lungenkrebserkankungen durch das Rauchen ausgelöst“, erklärt der Mediziner. Es ist laut Braun Lambur der mit Abstand wichtigste Einzelfaktor. Die Dauer des Rauchens spiele dabei eine Rolle. Das Risiko steige zudem proportional mit der Anzahl gerauchter Zigaretten. Auch das Passivrauchen sei entscheidend.

Gibt’s Berufe, die besonders gefährdet sind?
Insbesondere, wenn man Asbest ausgesetzt war, könne es zu einem bösartigen Lungenkrebs kommen, so der Mediziner. Tendenziell müssten Berufsgruppen, die Stäuben, Gasen oder Dämpfen ausgesetzt sind, ihren Symptomen besondere Aufmerksamkeit schenken. Technischer Arbeitsschutz und der persönliche Schutz sogar im privaten Bereich seien sehr wichtig. Man sollte seinen Arzt gezielt darauf ansprechen, wenn man eine berufbezogene belastende Arbeit ausübt, rät Braun Lambur.

Kann ich (nach einer OP) auch mit nur noch einer Lunge leben?
Selbstverständlich. Dass eine ganze Lunge entfernt wird, ist mit den heutigen OP-Methoden aber kaum noch der Fall, so Braun Lambur. In den allermeisten Fällen müssten nur Teile einer Lunge, beispielsweise ein Lungenlappen, entfernt werden.

Wie hoch ist die Lebenserwartung mit Lungenkrebs? Und wie hoch sind die Heilungschancen?
Das kommt sehr auf das Stadium an. In einem frühen Stadium ist eine Heilung möglich durch Operation, Strahlentherapie oder medikamentöse Therapie, sehr oft auch im Kombination, erklärt Braun Lambur: „Bei nur vereinzelten Metastasen versuchen wir, den Patient vom Krebs zu heilen und nicht nur palliativ zu behandeln.“ Leider seien beim Lungenkarzinom bei der Diagnosestellung meistens schon viele Metastasen vorhanden. Aber auch hier ist die Lebenserwartung in den vergangenen Jahren deutlich besser geworden, so der Mediziner.

Wird an neuen und bewährten Behandlungsmethoden weiter geforscht?
Auf jeden Fall: durch die sogenannten personalisierten Behandlungsstrategien, die auf den individuellen Merkmalen eines Patienten und seines Tumors basieren, oft durch genetische Analysen. Dies ermögliche maßgeschneiderte Therapiepläne für eine effektivere und besser verträgliche Behandlung. „Auch in der Strahlentherapie können wir durch die stereotaktische Bestrahlung patientenschonend therapieren“, so Braun Lambur. Dabei handelt es sich um eine präzise Technik, bei der hoch konzentrierte Strahlendosen auf einen genau definierten Zielbereich gerichtet werden, während das umliegende gesunde Gewebe geschont wird.

Was kann ich meiner Lunge – als nicht kranker Mensch – Gutes tun?
Dass Rauchen schädlich ist, weiß mittlerweile jedes Kind. „Schützen Sie aber auch Ihre Mitmenschen und rauchen Sie nicht in Innenräumen. Beachten Sie auch im privaten Bereich den entsprechenden Arbeitsschutz, insbesondere bei häufigen Hobbyarbeiten wie Schleifen, Schweißen oder Lackieren“, rät der leitende Arzt der Pneumologie.

Sprechstunde

Haben Sie, liebe Leserinnen und Leser, Fragen rund um das Thema Lungenkrebs? Dann rufen Sie am Donnerstag, 4. Januar, zwischen 14 und 15 Uhr bei der RHEINPFALZ-Sprechstunde an. Mit Hermann Braun Lambur, Leitender Arzt der Pneumologie, Manfred Dahm, Chefarzt Herz-, Lungen- und Gefäßchirurgie, Gerhard Held, Chefarzt Onkologie, und Jochen Fleckenstein, Chefarzt Strahlentherapie, stehen vier Mediziner des Westpfalz-Klinikums bereit, um Ihre Fragen zu beantworten. Telefon: 0631 3737243 oder 0631 3737237.

Hermann Braun Lambur, Leitender Arzt Pneumologie
Hermann Braun Lambur, Leitender Arzt Pneumologie
Gerhard Held, Chefarzt Onkologie
Gerhard Held, Chefarzt Onkologie
Manfred Dahm, Chefarzt Herz-, Lungen- und Gefäßchirurgie
Manfred Dahm, Chefarzt Herz-, Lungen- und Gefäßchirurgie
Jochen Fleckenstein, Chefarzt Strahlentherapie
Jochen Fleckenstein, Chefarzt Strahlentherapie
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