Kaiserslautern
Reitturnier der deutsch-amerikanischen Freundschaft
Der Reit- und Fahrverein hat traditionell eine besondere Beziehung zu den ortsansässigen Amerikanern aus dem Depot in Miesau. Bereits 1966 fand das erste deutsch-amerikanische Reitturnier statt. Seitdem hatten die Amerikaner den Reitsport in Miesau intensiv unterstützt und etliche gemeinsame Veranstaltungen mit dem Miesauer Reitverein durchgeführt. Besonders in Erinnerung geblieben ist dabei Oberst Conley, der Wegbereiter der gemeinsamen Turniere auf amerikanischer Seite. Er sorgte für einen Hauch Wilder Westen für die Miesauer und Elschbacher Einwohner, die seine häufigen Ausritte in markanter Cowboy-Kluft beobachten konnten.
Seit 54 Jahren wird in Miesau die deutsch-amerikanische Freundschaft aktiv gelebt. Heutzutage nehmen die Amerikaner aufgrund der veränderten politischen Situation zwar nicht mehr aktiv an den Turnieren und Pferderennen teil, geblieben ist jedoch die gute Beziehung des Reit- und Fahrvereins zum US-Depot in Miesau und auch zum Flugplatz in Ramstein. So war es absolut nachvollziehbar, dass Traudel Grinda, die seit langen Jahren als Vorsitzende des Vereins im Amt ist, das gemeinsam mit den Amerikanern durchgeführte 36. Pfingstturnier im Jahr 1989 als das herausragende Ereignis ihres Vereins bezeichnet. Sowohl für die Amerikaner des Depots als auch für die Miesauer Bürger war das Turnier im Jahr 1989 von großer Bedeutung. So bedeutend, dass ein extra für die Veranstaltung aus den USA angereistes Fernsehteam von AFN die Stimmung vor Ort einfing. „Dieser Turniertag ist bis heute noch bei den damals anwesenden Miesauern im Gespräch. Für unseren Ort und unseren Verein war das ein herausragendes Großereignis,“ ist Traudel Grinda noch heute beeindruckt.
Kutsche mit Schimmeln
Das Turnier bildete den Auftakt für den 40. Geburtstag des US-Depots in Miesau. Aus diesem Grund war auch der damalige Leiter des Depots, Oberst Thomas M. Tobin, Schirmherr der Veranstaltung. „Es war für alle beeindruckend, als der Oberst mit seiner Gattin in einer von zwei Schimmeln gezogenen Kutsche, begleitet von Jagdhornbläsern, auf den Turnierplatz fuhr und die Veranstaltung eröffnete,“ schildert die Vorsitzende Traudel Grinda ihre Emotionen. Die Eröffnung war der Auftakt für zahlreiche Höhepunkte. Über 2500 Zuschauer verfolgten die Veranstaltung. Springprüfungen, Dressuren und ein Pony-Wettbewerb boten ein abwechslungsreiches Programm. Für den größten Unterhaltungswert sorgten die Kleinsten. Das Pony-Paarreiten der Kinder hatte in der Publikumswirkung eindeutig den Erwachsenen die Schau gestohlen. Zumal dort mit Ilka Krück (10 Jahre) und Katrin Scheu (9 Jahre) zwei „Miesauer Mädchen“ den Wettbewerb mit der Traumnote 10 gewinnen konnten.
250 Reiter und 360 Pferde
Über 250 Reiter mit 360 Pferden waren bei der Großveranstaltung am Start. „Ohne die Amerikaner würde der Verein nicht da stehen, wo er jetzt steht, und wir würden nicht Turniere und Veranstaltungen in der heutigen Größenordnung durchführen,“ betont Traudel Grinda die Sogwirkung, die von der damaligen Veranstaltung ausging. „Das war rein vom sportlichen Wert gesehen eher ein normales Turnier, aber für unseren Verein bei Weitem die Veranstaltung mit der größten Bedeutung,“ ist Grinda überzeugt, dass dieses Turnier die Grundlage dafür gelegt hat, dass sowohl das aktuelle Pfingstturnier als auch die Rennen in Miesau einen so großen Zuschauerzuspruch und die jetzige hohe sportliche Bedeutung haben. Aus diesem Grund schmerzte es die Vereinsmitglieder auch sehr, dass in diesem Jahr wegen Corona weder auf dem Turnierplatz noch auf der Rennbahn Veranstaltungen stattfinden konnten. Der Verein hofft, dass im Jubiläumsjahr 2021 der Turnierplatz an Pfingsten nicht erneut leer stehen wird und dem Publikum das 100. Vereinsjubiläum ebenso lange positiv in Erinnerung bleiben wird wie den damaligen Besuchern das 36. Reit- und Springturnier an Pfingsten im Jahr 1989.
Die Serie Orte, Menschen und Emotionen
Tagtäglich fahren wir mehr oder weniger achtlos an Sportstätten in unserer Region vorbei und ahnen oft nicht, welche Jubelstürme sie erlebt haben oder was für Tränen in ihnen vergossen wurden. Fast jeder Verein hat solche emotionalen Momente erlebt, die bei den Betroffenen beim Anblick der Sportstätte in Erinnerung gerufen werden. Über genau diese Ereignisse und die Orte wollen wir in unserer Serie berichten. Welches Ereignis löst bei Ihrem Verein heute noch Gänsehaut aus? Bei welchem Ereignis wurden Tränen vergossen aus Freude, Rührung oder Trauer? Was hat Emotionen freigesetzt? Teilen Sie die großen Momente mit uns und unseren Lesern. Mail an: redkai@rheinpfalz.de.