Kaiserslautern
Regisseur aus dem Lautertal würdigt Beethoven mit Bühnen-Bildschirm-Projekt
Gockel hat jüngst mit dem Bühnenstück „Ramstein Air Base – Game of Drones“ für Furore gesorgt, das Anfang März im Rahmen der Theatertage auch in Kaiserslautern zu sehen war. Ende Februar hatte in Frankfurt seine Inszenierung der „Orestie“ des Aischylos Premiere, demnächst soll ein Film über den Freiheitskampf im westafrikanischen Burkina Faso starten. Die multimediale Verknüpfung der Sparten und Genres hat für den vielfach ausgezeichneten Theatermann besonderen Reiz.
„Beethoven“ ist eine biografische Collage mit Filmeinspielungen und natürlich der Musik des Komponisten. Auch solide recherchierte dokumentarische Elemente bettet der Regisseur und Stückeschreiber immer wieder in seine Bühnenproduktionen ein. In der Rheinmetropole ging im Vorjahr sein fünf Stunden umfassender Science-Fiction-Marathon „Ljod, das Eis“ über die Bühne.
Auch der Lauterer Michael Pietsch wirkt wieder mit
Häufig arbeitet er mit dem aus Kaiserslautern stammenden Schau- und Puppenspieler Michael Pietsch. Beide haben auf der Freilichtbühne Katzweiler erste Theatererfahrung gesammelt, sind sich später am Pfalztheater wiederbegegnet und entwickelten gemeinsame Projekte an den staatlichen Bühnen von Oldenburg und Mainz. In der nächsten Spielzeit wechselt Gockel voraussichtlich an die Münchner Kammerspiele.
Seit der Saison 2014/15 ist er Hausregisseur in Mainz. Die Zeitschrift „Theater der Zeit“ bezeichnete seine Arbeiten als „kraftvolle, intelligente und amüsante Collagen“ aus Text, Musik, Ton und Film: „Seine Inszenierungen sind wuchtige Performances des Hier und Jetzt. Hinter aller Neuerung sind es das Zusammenbringen von Menschen und das Erzählen von Geschichten, die archaische Grundfaszination des Theaters, die ihn antreiben.“
Premiere Anfang Mai notgedrungen abgeblasen
Dass „Beethoven“ ein Diptychon aus Theater- und Fernseh-Elementen wird, geht auf die erzwungene Schließung aller Bühnen zurück. Die eigentliche Premiere war für den 3. Mai geplant und musste wegen der Coronakrise abgeblasen werden. Jetzt wird ein Bühnen-Bildschirm-Doppel daraus, an dem auch wieder Puppenmacher Pietsch beteiligt ist.
Allerdings sei er mit „der Verbindung von Kunstformen bei meinem Lieblingsthema“, sagt Jan-Christoph Gockel. „Die Unmittelbarkeit und das Gemeinschaftliche, die Zuschauer, das fehlt ja sehr“, räumt der in Gießen geborene Lautertaler ein. „Aber ich bin froh, dass ich etwas machen kann. Wir sind privilegiert. Viele meiner Kollegen können derzeit gar nichts tun.“