Kaiserslautern
Reallabor Pfaff: Beispiel für andere Quartiere
Pfaff ist Emotion und Tradition, Stadtgeschichte und die Zukunft der Stadtentwicklung zugleich, sagte Oberbürgermeister Klaus Weichel am Donnerstag in der Fruchthalle. Es gebe kaum einen Lauterer, der nichts mit dem 20 Hektar großen Areal inmitten der Stadt verbinde. Trotz der schwierigen Altlasten im Boden des Geländes haben man sich daher entschieden, das Areal zu erwerben, wohlwissend, dass „auf dem Pfaffgelände nichts einfach ist“. Doch dank einer entsprechenden Förderkulisse könne das Gelände mit wissenschaftlicher Begleitung – das Projekt EnStadt:Pfaff hat ein Volumen von 27 Millionen Euro – zu einem klimaneutralen Quartier entwickelt werden, skizzierte der Oberbürgermeister den Rahmen für das Symposium, an dem rund 200 Zuhörer teilnahmen.
Die kamen unter anderem aus anderen Kommunen, denn was auf dem Pfaffgelände entwickelt wird, soll beispielgebend sein. Und damit soll aufgezeigt werden, wo es bei solchen Projekte Hindernisse gibt. Heute lebten 80 Prozent der Menschen in Städten, machten Baudezernent Peter Kiefer und Ministerialdirigentin Oda Keppler vom Bundesministerium für Forschung und Bildung deutlich. Für die nachhaltige Energieversorgung von Quartieren braucht es neue Ideen und die Akzeptanz der Bewohner, so Keppler. Wie das gelingen kann, soll unter anderem auf dem Pfaffgelände getestet werden, sagte der rheinland-pfälzischen Innenminister Roger Lewentz (SPD) in seinem Grußwort. Das Reallabor Pfaff sei „beispielgebend für die Frage, wie man ein solches Gelände mitten in einer Stadt entwickeln kann“, so der Innenminister.
An Pfaffachse zeigen, was möglich ist
Der wissenschaftliche Leiter des Projektes EnStadt:Pfaff, Gerhard Stryi-Hipp vom Fraunhofer ISE aus Freiburg, erläuterte, das Projekt habe zum Ziel, in einem Bereich entlang der Pfaffachse zu zeigen, wie neue Technologien auch in Bestandsgebäuden und unter Einbeziehung der Nutzer so kombiniert werden können, dass ein klimaneutrales Quartier entstehe. Die Solarpflicht, Gründächer, ein Nahwärmenetz sind ebenso Elemente wie eine Stellplatzsatzung, die dazu beitragen soll, eine neue Form der Mobilität zu stärken, die auf Fuß- und Radverkehr, ÖPNV, Car-Sharing und E-Mobilität setzt. Man müsse sich bewusst machen, dass jedes Quartier, das nun entwickelt werden, klimaneutral sein müsse, wenn man das Ziel der Bundesregierung erreichen möchte, Deutschland bis 2045 klimaneutral zu machen.
Neben fünfminütigen Kurzvorträgen von Experten berichteten Projektbeteiligte am Donnerstag von ihren Erfahrungen. Peter Heck vom Umwelt-Campus Birkenfeld der Hochschule Trier monierte, dass viele Kommunen zwar Klimaschutzkonzepte hätten, über die Planung aber kaum hinauskämen. Das liege nicht am fehlenden Geld, sondern an Engpässen bei Handwerkern, Materiallieferanten und Personal in Verwaltungen. Es brauche neue Strukturen, damit jeder investierte Euro auch zu mehr CO2-Einsparung beitrage.
Ein Hindernis in der Entwicklung sei unter anderem die Ausgestaltung der Förderkulisse gewesen, sagte Jürgen Neichel von den Stadtwerken, die das Wärmenetz im Quartier betreiben werden. Als SWK hätte man sich gerne stärker eingebracht, beispielsweise bei der Umsetzung der Wärmeversorgung. Das Wissen und die Fähigkeiten habe man, wirtschaftlich darstellen ließ sich das aber nicht.
Kümmerer in der Verwaltung gebraucht
Bettina Dech-Pschorn, Gesamtprojektleiterin der Stadt, thematisierte die Strukturen in den Verwaltungen. Wolle man ein solches Quartier künftig ohne die besondere Förderkulisse und wissenschaftliche Begleitung entwickeln, brauche es die Expertise und ausreichend Personal in der Verwaltung. Dafür müssten neue Strukturen geschaffen werden, etwa ein Kümmerer, der das Projekt referatsübergreifend vorantreibe. Einen solchen Ansprechpartner wünschte sich auch Investor Hardy Müller, einer der Eigentümer des Neuen Verwaltungsgebäudes. Das denkmalgeschützte Gebäude, in das ein medizinisches Versorgungszentrum einzieht, werde mit einem Energieeffizienz-Standard umgesetzt, der sonst bei denkmalgeschützten Gebäuden nicht erreicht wird. Leichtere Absprachen mit Behörden und insgesamt mehr Tempo bei der Entwicklung des Geländes standen auf seiner Wunschliste. Rainer Mürköster, kaufmännischer Geschäftsführer der Pfaffentwicklungsgesellschaft, die sich um die Vermarktung des Geländes kümmert, konnte Bedenken ausräumen, dass Solarpflicht oder Anschlusszwang an die Wärmeversorgung Investoren abschreckten. Sie reagierten grundsätzlich positiv. Aber es bestehe viel Erklärungsbedarf.