Kaiserslautern
Ramstein: Weihnachtskonzert der US-Army-Band begeistert die Zuhörer im ausverkauften CCR
Die Weihnachtskonzerte der US-Army-Bands sind vor allem eins: Hits. Ein volles Haus gab es am Sonntag in Ramstein, wo die Formation seit 47 Jahren spielt. Ihr nächster Auftritt ist am Freitag in der Lauterer Fruchthalle.
720 Besucher erlebten im ausverkauften Ramsteiner Congress Center ein Weihnachtskonzert der Extraklasse. Mit dabei waren die USAFE-Band, der Männerchor der Chorgemeinschaft Ramstein, Miesenbach und Mackenbach, der Kinderchor der Stadt sowie der Schulchor der örtlichen Wendelinusschule. Unter Leitung von Christina Moore Urrutia untermauerten die Musiker nicht nur ihren Ruf als beste Botschafter der USA, sie spielten auch mit dem Biss einer Virtuosenschlange und dem Pfeffer eines Drei-Sterne-Kochs. Schon die „Christmas Intrada“ hatte keine Spur von militärischer Steifheit. Mit empathischer Verve und zugleich exakter Treue zur Dynamik trieb die Dirigentin das Orchester an. Feierliche Glockenschläge leiteten das Stück ein. Extrem satt war der Orchestersound. Ein herrlich gebundenes Legato-Spiel zelebrierten die Holzbläser, das in das mitreißende Spiel der Blechbläser überging. Elegische Kantilenen und bombastisches Blech wechselten sich ab, und der Zuhörer saß von Beginn an auf der Stuhlkante.
Verblüffende Präzision, irrsinniges Tempo
Ein Musterbeispiel für ausgelebte Dynamik war der „Dreidel Dance“. Lustig purzelten die Noten durcheinander. Moore Urrutia legte ein irrsinniges Tempo vor. Die Töne der quirligen Holzbläser gingen in ein mitreißendes Fortissimo der Blechbläser über. Es schien, als wollte ein Instrument dem anderen die Töne wegschnappen. Melodien wurden angedeutet, verfremdet, schon ging es unaufhaltsam weiter, und andere Melodiefetzen deuteten sich an. Dennoch spielte die Formation mit einer verblüffenden Präzision und leidenschaftlichen Perfektion.
Mit der Power einer Big Band
Bezaubernd instrumentalisiert präsentierte das Orchester Auszüge aus Tschaikowskys „Nussknacker-Suite“. Mit verblüffender Leichtigkeit und duftiger Unbeschwertheit kredenzten die keckernden Holzbläser den „Kleinen Marsch“. Voll entfaltete sich die Band im feurig-derben „Trepak“, der sich schließlich in wilden Wirbeln löste. In „You’re A Mean One, Mr. Grinch“ legten die Musiker mit der unglaublichen Power einer Big Band los. Moore-Urrutia benutzte dabei ein ganzes Arsenal an Klangeffekten und erschloss sämtliche Möglichkeiten des Orchesters. Hervor stach hierbei vor allem die extrem satte Bassposaune, deren Brillanz geradezu explosive Wirkung hatte, zumal sie diese mit der Flüssigkeit eines Saxofonisten präsentierte.
Wunderbare Vokalisten
Noch mehr begeistern konnten die beiden Vokal-Virtuosen Sierra Bailey und Clint Whitney. Verblüffend war, wie die Sängerin mit ausdrucksvoller Stimme den „Little Drummer Boy“ intonierte und Whitney gleichzeitig „Peace on Earth“ sang. Dabei fragmentisierten sie diesen gesanglichen Mix auf subtilste und originellste Weise, und ihre Interpretationen waren gespickt mit atmosphärischen Wechselbädern. Expressives Jazzfeeling bewies Sierra in „Jingle Bells“, während Tenor- und Baritonsaxophon sich in einem stürmischen Dialog den Fehdehandschuh vorwarfen. Einen ganzen Farbkasten an Tonfarben schüttete die Band in „What Child it is?“ über den beiden wunderbaren Vokalisten aus, und in „O Holy Night“ überzeugten die beiden mit dermaßen großartiger Stimmgewalt, dass es die Zuhörer von den Sitzen riss. Stehender Applaus war der verdiente Dank.
Auch die Chöre überzeugen
Überzeugen konnte auch der Gemeinschaftschor, bestehend aus dem Männerchor Ramstein, der Chorgemeinschaft Miesenbach und dem MGV Mackenbach. Mit einer gelungenen Mischung aus dezenter Zurückhaltung und auftrumpfender Fülle gingen die Sänger (Leitung: Vladimir Gerasimov) an die Sache ran, während Hans Brehmer am Klavier begleitete. Beeindruckend war der Chorklang in Liedern wie „Sterne der heiligen Nacht“, „Träume unterm Christbaum“ oder „Friede auf Erden“. Tadellos war der gebundene Legato-Gesang. Alle Stimmlagen waren gut besetzt. Besonders feierlich wirkte, wie sie aus dem Pianissimo heraus sich zu bewegender Sangesfülle steigerten. Hoch motiviert und diszipliniert traten die rund 70 Kinder des Schul- und Kinderchors auf. Bei „Fröhliche Weihnacht“, „Feliz Navidad“ oder „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ beeindruckten sie unter ihren Chorleiterinnen Christina Staab und Carmen Backes, die auch am Klavier begleitete, mit erfrischendem Temperament und großer Sangesfreude. Der stürmische Applaus war mehr als verdient.
Mit dem festlichen „Stille Nacht“ endete ein bei den Besuchern wohl lange nachwirkendes Weihnachtskonzert.