Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Ramstein: „Tabaluga“ überzeugt vor vollem Haus im Congress Center

Heiß und kalt, sozial und brutal, schön und hässlich, gut und böse: der Drache Tabaluga und sein Gegenspieler Arktos.
Heiß und kalt, sozial und brutal, schön und hässlich, gut und böse: der Drache Tabaluga und sein Gegenspieler Arktos. Foto: VIEW

Bei Gastpielunternehmen oder Tourneetheatern kann man als Veranstalter Überraschungen erleben, man kauft sprichwörtlich die Katze im Sack: Verschiedene Besetzungen, Versionen und dazu wie am Sonntag bei „Tabaluga und Lilli“ in Ramstein ein Autoren- und Komponistenteam. Was kann dabei herauskommen?

Nun, vordergründig war es ein Musical, zeitweise sogar ein Grusical; die Bühnenfassung der Geschichte von Gregor Rottschalk und Rolf Zuckowski widerlegte in der glanzvollen Aufführung der neuen Inszenierung durch das Produktionsteam von „Whynot Events“ jede anfängliche Skepsis.

Vom Sieg des Guten über das Böse

Der dauerhafte Welterfolg des Stoffs basiert auf einer allegorischen Umsetzung einer Epoche der Erdgeschichte, Wissenschaft und Dichtung fließen hier zusammen: Die Drachen mit ihrer Fähigkeit, Feuer zu spucken, repräsentierten die Zeitspanne der Wärme, gefährdet durch die anbrechende Eiszeit mit dem Schneemann als einer der Repräsentanten. Alle Hoffnung ruht auf Tabaluga, der das wahre Feuer finden muss, um dies aufzuhalten. Auf dieser Suche durchlebt der Drache viele Episoden und Abenteuer und die Dialektik der Aufführung besteht in der Darstellung von Gegensätzen: heiß und kalt, sozial und brutal, schön und hässlich, gut und böse. Arktos, der Herrscher des ewigen Eises, symbolisiert auch eine Gegen-Welt der Gefühlskälte und das zauberhafte Wesen dieser Welt – Lilli – soll Tabaluga in seinen Bann ziehen. Zunächst scheint der Plan aufzugehen, doch Tabaluga kämpft verzweifelt und verliert auch noch seinen sterbenden Vater. Letztlich siegt das lodernde Feuer der Liebe über das ewige Eis und das Gute über das Böse.

Ideenreiches Bühnenbild, aufwändige Kostüme

Aus dieser ohnehin spannenden Geschichte macht die Inszenierung eine Aufführung, die jedem Theater zur Ehre gereicht hätte: Ideenreiche Ausstattung in Bühnenbild, Dekoration und mit vielen überraschenden technischen Effekten sowie aufwändiger Kostümierung.

Die Inszenierung schaffte eine liebevolle, mit menschlichen Zügen ausgestattete Charakterisierung der Hauptrolle des Tabaluga. Das Tanz- und Gesangsensemble tritt als Bienen oder Spinne auf, in wunderschöner, passender und sehr aufwändiger Kostümierung. Dazu Roboter oder Maschinenwesen; Fabel und Parabel sowie surrealistische Visionen fließen hier zusammen.

Musikalischer Schmelztiegel

Die Musik und die Texte von Peter Maffay, Jean Jaques Kravetz und Rolf Zuckowski (um einige stellvertretend zu nennen) setzen nicht nur auf eingängige Melodik. Der Frontgesang von Michael Thinnes wirkt teilweise auch getragen von emotionaler Spannung, begleitet die Dramatik des turbulenten Geschehens und heizt – auch wörtlich zu nehmen – die Handlung auf. Auch die Musik mit einem Schmelztiegel verschiedenster Strömungen wie Jazz, Rock und Rap verließ das übliche Einerlei eines instrumentierten Klaviersatzes. Auch hier wurde ideenreich arrangiert und das Wort-Ton-Verhältnis beeindruckte durch einen gewissen melodischen Schwung.

Schade, dass die Band- und Orchestermusik nicht live erfolgte. Ansonsten überzeugten eigentlich alle Aspekte der Bühnenfassung: Schauspielerische Glanzleistungen, choreographisch ideenreiche Pendants, Ausstattung und die Charakterisierung der Handlungsträger. Perspektivische Bühnenbilder öffneten zudem Horizonte und insgesamt kamen die in ihrem Tourneeplan wechselnde Rahmenbedingungen gewöhnten Regisseure sehr gut mit den Gegebenheiten in Ramstein zurecht.

Während die Hausmeister alle Verbindungstüren zur Saalerweiterung mit über 800 Plätzen (ausverkauft) öffneten, öffneten die Akteure und Regisseure auf der Bühne alle Geheimnisse ihrer wirkungsvollen Inszenierung.

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