Kaiserslautern Ramstein-Miesenbach: Praxistag kommt bei Neuntklässlern gut an

Hilft überall mit: Celine muss nicht nur Betten machen, sondern darf auch verwaltende Aufgaben wie Buchungen und Bestellungen üb
Hilft überall mit: Celine muss nicht nur Betten machen, sondern darf auch verwaltende Aufgaben wie Buchungen und Bestellungen übernehmen. Sie möchte gerne auch ihre Ausbildung im Hotel machen.

Nicht nur in einen Beruf hineinschnuppern, sondern sich nahezu ein ganzes Schuljahr lang darin ausprobieren, das können Neuntklässler der Realschule plus Am Reichswald in Ramstein-Miesenbach. An einem Tag in der Woche arbeiten sie seit den Herbstferien in Unternehmen in der Region als Praktikant mit.

Der Donnerstag ist für Joshua der schönste Tag der Schulwoche. Denn donnerstags muss der 14-Jährige nicht in den Mathematik-, Chemie- oder Religionsunterricht gehen, sondern er lernt, Schaltkreise zu bauen, bohrt Löcher in Wände, verlegt Kabel oder repariert kaputte Lampen. Joshua ist einer von 36 Schülern der Realschule plus Am Reichswald in Ramstein-Miesenbach, die eine Berufsreifeklasse besuchen und daher am Praxistag teilnehmen. Für ihn bedeutet das, dass er einmal in der Woche von 7 bis 15 Uhr bei Elektro-Schröder in Ramstein mitarbeitet, und das mit viel Begeisterung. Das Projekt, das von Jobfux Thorsten Ellmer an der Schule betreut wird, verbindet drei Bereiche: die Vorbereitung auf Bewerbung und Beruf, Besichtigungen von Betrieben und Einrichtungen wie Handwerkskammer und Bundesagentur für Arbeit sowie das praktische Arbeiten in einem Betrieb. Zunächst haben die Schüler ihre Stärken und Schwächen analysiert und gelernt, worauf es beim Schreiben von Bewerbungen ankommt, anschließend besuchten sie größere Firmen in der Region sowie die Berufsmesse auf dem Betzenberg und erhielten durch einen Tag im Alterssimulator einen Einblick in Pflegeberufe. Seit die Herbstferien vorüber sind, arbeiten sie nun immer donnerstags sieben Stunden etwa bei Elektrobetrieben, Friseuren, im Hotel oder in Kindertagesstätten und Altenheimen. Die Schüler hätten so die Chance, „einen Fuß in die Tür der Betriebe“ zu bekommen, sagt Ellmer.

Bewerber und Arbeitnehmer profitieren

Dass die Idee des Praxistages, auf der einen Seite junge Menschen für einen Beruf zu begeistern und auf der anderen Seite Unternehmen die Suche nach geeigneten Lehrlingen zu erleichtern, aufgehen kann, zeigt sich bei Celine. Sie hat sich für ein Praktikum im Hotel Pirsch in Ramstein entschieden und freut sich jede Woche auf ihren Dienst in Küche, an der Rezeption und im Bereich Housekeeping, also als Zimmermädchen. „Ich bin sehr zufrieden“, sagt die 15-Jährige, „und gehe eigentlich immer mit einem Lächeln nach Hause.“ Auch Julia Zimmer, die als Assistentin der Geschäftsführung Celine die Arbeitsaufträge erteilt, lobt die Schülerin für ihren Einsatz, ihre Zuverlässigkeit und ihre Freundlichkeit. Gerade im Hotelgewerbe sei es heutzutage schwierig, geeignete Bewerber für die Ausbildung zu finden. Die Hotelkauffrau findet den Praxistag deshalb gut, weil er sich nutzen lasse, um Werbung für ihren abwechslungsreichen Beruf zu machen, zu dem allerdings auch Schicht-, Wochenend- und Feiertagsarbeit gehören.

Chance sich auszuprobieren

Bei Celine scheint das funktioniert zu haben. Nach nur wenigen Wochen können sich beide Seiten mittlerweile vorstellen, dass sich die 15-Jährige nach ihrem Schulabschluss als Auszubildende in dem Betrieb bewerben könnte, obwohl die Schülerin vor dem Berufsorientierungsprojekt, das in ganz Rheinland-Pfalz schon seit vielen Jahren angeboten, von der Agentur für Arbeit mitfinanziert und immer weiter entwickelt wird, nicht wusste, was sie werden möchte. Das sah bei Joshua ganz anders aus. Für ihn stand fest, dass er zu einem Elektriker wollte, da ihn das Fach schon immer interessiert. „Ich mag diesen Job“, sagt der 14-Jährige, der auch von seinem Chef, Andreas Schröder, gelobt wird. „Er stellt sich super an, ist sehr entgegenkommend, auch den Kunden gegenüber, und sieht, was gemacht werden muss.“ Während Joshua es gut findet, dass er im Betrieb und auf Baustellen am Praxistag sein Können ausprobieren kann und der Donnerstag damit „nicht so langweilig“ wie Schule ist, motiviert den Unternehmer Schröder die schlechte Ausbildungsmarktlage zur Teilnahme an dem Projekt. „Wie sollen junge Leute feststellen, ob der Beruf etwas für sie ist, wenn man keine Möglichkeiten zum Ausprobieren zur Verfügung stellt?“, fragt er in Hinblick auf viele andere Unternehmer, die keine Praktikanten aufnehmen. Er beschäftigt hingegen außer Joshua noch einen zweiten Praxistagschüler und hofft, dass sich der ein oder andere tatsächlich für eine Lehre im Elektrobereich entscheidet.

Packt mit an: Andreas Schröder zeigt Joshua, wie ein Stecker auf ein Kabel montiert wird. Der Realschüler interessiert sich sehr
Packt mit an: Andreas Schröder zeigt Joshua, wie ein Stecker auf ein Kabel montiert wird. Der Realschüler interessiert sich sehr für den Beruf des Elektrikers.
x