Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Ramstein hat Lust auf die Bezirksliga

Nach dem Sieg über Wolfstein/Roßbach feiern die Spieler des FV Ramstein die Meisterschaft.
Nach dem Sieg über Wolfstein/Roßbach feiern die Spieler des FV Ramstein die Meisterschaft.

Das Städtchen Ramstein ist ein Schmelztiegel verschiedenster Nationen. Die gemeinsame Heimat ist der örtliche Fußballverein. Der bewies vor einem Jahr Mut, als er mit einem jungen Spielertrainer die Mission Aufstieg anging. Und tatsächlich war der FV Olympia Ramstein in der A-Klasse das Maß aller Dinge. Drei Titel in einer Saison gehen ganz sicher in die Annalen ein.

Wer auf die eigene Jugend baut, muss sich in Geduld üben. Das ist oft mühselig und zuweilen auch frustrierend, wenn die im eigenen Verein ausgebildeten Spieler erst einmal woanders ihr Glück suchen. Seit Jahren investierst der FV Olympia Ramstein jede Menge Herzblut in die Nachwuchsförderung. Und wurde jetzt mit dem Aufstieg in die Bezirksliga belohnt. Bemerkenswert: Bis auf eine Ausnahme wurden alle Spieler der Meistermannschaft entweder in Ramstein geboren oder leben heute dort.

Auch Jonas Jung wohnt seit zwei Jahren in Ramstein. Ein Umstand, den sich FVR-Manager Daniel Philipp zunutze machen wollte und erste Kontakte knüpfte. Immerhin handelte es sich bei dem Ramsteiner Neubürger um einen gestandenen Regionalligaspieler, ausgebildet in der Jugend des 1. FC Kaiserslautern und als zentraler Mittelfeldspieler eine tragende Säule beim FK Pirmasens. Und weil der Verwaltungsangestellte der Stadt Kaiserslautern ohnehin nicht dauerhaft den Trainingsaufwand eines Viertligisten anstrebte, war eine Einigung schnell erzielt. Jung war sofort begeistert davon, wie gut der Verein aufgestellt ist und schlug andere, durchaus lukrative Angebote aus.

Respekt vor der Aufgabe

Und doch hatte der heute 27-Jährige anfangs großen Respekt vor der neuen Aufgabe. Es ging um Autorität, die richtige Ansprache, die Akzeptanz im Team. Jonas Jung wusste, dass er die Mannschaft nur dann hinter sich vereinen kann, wenn er selbst vorne wegmaschiert. Und spielerisch überzeugt. Schnell erkannten seine Spieler, dass Jung einen Plan hat. Trotzdem musste sich auch Jung erst einmal zurechtfinden: „In den ersten Spielen habe ich mich zu sehr auf den Trainerjob konzentriert und mein eigenes Spiel vernachlässigt“, gibt er rückblickend zu.

Doch diese Anlaufschwierigkeiten waren schnell vergessen. Wenige Wochen im Amt, hielt Jung gemeinsam mit seinem Co-Trainer Eric Schaumlöffel, den er aus gemeinsamen Zeiten beim VfB Reichenbach kennt, den Kreispokal in Händen. Halbfinale und Endspiel wurden wegen Corona in die neue Saison geschoben – und sorgten bei den Ramsteinern durch die Erfolge für den entsprechenden Rückenwind. Im April dieses Jahres wiederholte der FVR diesen Triumph durch einen 2:0-Finalsieg gegen den FV Kindsbach. Drei Titel in einer Saison sind dann doch schon historisch zu nennen. Sollte Corona nicht noch einmal Kapriolen schlagen.

Auch in der Meisterschaftsrunde lief es wie am Schnürchen: In den ersten 18 Spielen ging Ramstein trotz krankheits- und verletzungsbedingter Ausfälle 17 mal als Sieger vom Platz, lediglich ein Unentschieden „trübte“ die Bilanz. Dass der 16-Punkte-Vorsprung aus der Hauptrunde im Winter durch die Zusammenlegung der beiden Gruppen dahinschmolz, ist der besonderen Arithmetik der Aufstiegsrunde zu verdanken. Die Mannschaft blieb konzentriert, musste sich lediglich dem FV Kusel und am vorletzten Spieltag der TSG Wolfstein-Roßbach geschlagen geben.

Auf die eigene Stärke setzen

Der Spielertrainer höchstselbst marschierte auch als Torschütze vorneweg und steuerte 21 Treffer bei. Dass die Mannschaft in der Breite sehr gut aufgestellt ist, bewiesen neben Josef Hindi und Roman Cherdron auch die oberligaerfahrenen Anthony Weston und Stefan Bosle. Rund 30 Spieler setzte Jung in der letzten Saison ein, ein Pfund, mit dem er auch in der Bezirksliga punkten möchte. Das Team bleibt zusammen und hat sich in der Breite weiter verstärkt: Aus Reichenbach kamen Marvin Nauerz und Emre Yücel, vom SV Kottweiler wechselte Daniel Weilert nach Ramstein. Neu im Kader sind außerdem Alen Horoz (FC Queidersbach) und Brandon George (SV Vogelbach).

Der Aufsteiger möchte in der Bezirksliga nicht einfach nur mitspielen. „Wir wissen, was wir können“, gibt Jung selbstbewusst zu Protokoll. Heißt übersetzt: Die Favoriten ärgern und nach Möglichkeit den Sprung in die Aufstiegsrunde schaffen. Die Vorfreude auf die neue Runde, die mit einem Auswärtsspiel am 7. August beim FV Weilerbach startet, ist ihm anzumerken: „Gefühlt haben wir fast jede Woche ein Derby.“ In solchen Spielen kann ein bisschen Heimatliebe nicht schaden.

Ramsteins Spielertrainer Jonas Jung (links) führte sein Team als Regisseur und Torjäger zum Titel.
Ramsteins Spielertrainer Jonas Jung (links) führte sein Team als Regisseur und Torjäger zum Titel.
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