Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Ramstein: Dickens’ „Weihnachtsgeschichte“ vor 350 Zuschauern

Journalist, Erzähler und Romancier: Charles Dickens (1812 bis 1870) schrieb neben seiner „Weihnachtsgeschichte“ große Romane wie
Journalist, Erzähler und Romancier: Charles Dickens (1812 bis 1870) schrieb neben seiner »Weihnachtsgeschichte« große Romane wie »Oliver Twist« und »David Copperfield«. Archivfoto: AP

Mit seiner „Weihnachtsgeschichte“ von 1843 wollte Charles Dickens auf die Not der Armen aufmerksam machen. Das „Why-not-Events“-Team brachte die Geschichte am Mittwoch in der Musical-Bearbeitung von Christian Berg und Michael Schanze auf die Bühne des Ramsteiner Congress Centers. 350 kleine und große Besucher waren begeistert.

Er sieht zum Fürchten aus, der Geschäftemacher Ebenezer Scrooge (großartig gespielt von Roland Martini) in seinem schwarzen Mantel, dem hohen Zylinder, mit Vollbart und einem Zwicker auf dem Zinken. „Weihnachten muss weg“, dröhnt er. „Weihnachten ist Unfug.“ Damit waren die vielen Kinder im Publikum aber überhaupt nicht einverstanden und protestierten.

Fürchterlicher Geizkragen voller Groll

Gegenüber seinem Schreiber Bob (Sebastian Schaffer) benimmt er sich kleinlich und boshaft. Geschenke seiner Mitarbeiter wirft er achtlos weg. Die gut gemeinte Einladung seines Neffen Alfred (Philipp Schwerhoff) zum Weihnachtsessen lehnt er ab. Bittsteller, die für Wohltätigkeitszwecke sammeln, jagt er davon. Rundum ein fürchterlicher Geizkragen voller Groll gegen jeden.

Da erscheint ihm spätabends der Geist seines verstorbenen Geschäftspartners Marley (Michael Thinnes). „Geh’ in dich“, reibt der ihm unter die Nase. „Du hast dich schon lange selbst in Ketten gelegt.“ Schließlich wird er von den Geistern der vergangenen, der gegenwärtigen und der zukünftigen Weihnacht heimgesucht (Carmen Blum, Philipp Schwerhoff und Charlotte Böhm).

Furchterregend aussehende Geister

„Wenn man den ganzen Tag immer nur böse Worte sagt, lebt man im Wortgefängnis“, warnt der erste Geist und fliegt mit ihm zurück in die Kindheit des Alten, wo er seine frühere Geliebte Bella trifft, die sich von ihm getrennt hatte, „weil du nur dem Geld hinterher gelaufen bist“.

Diese zum Teil furchterregend aussehenden Geister zeigen ihm das Glück, das er durch seine Habgier und Selbstsucht versäumt hat, aber auch die Einsamkeit, in der er einst sterben wird, falls er nicht vorher sein Leben ändert. Dabei erscheint vor Scrooges Augen sein eigener Grabstein. „Er ist erstickt an seinem eigenen Geld“, hört er die Leute sagen.

Ein Muster an Nächstenliebe

Zutiefst betroffen wandelt sich Scrooge von Grund auf: Aus dem herzlosen Egoisten wird ein Muster an Nächstenliebe und Hochherzigkeit, aus dem boshaften alten Mann der Lieblingsopa aller Kinder. „Ich will die Ketten wegwerfen. Will nur noch Gutes tun“, singt er. „Geld und Macht war mein Sein, doch dieser schöne Schein ist nichts und wieder nichts. Wie haben Menschen unter mir gelitten. Ich bitte um eine letzte Frist.“

Obwohl die Aufführung mehr als zwei Stunden dauert, bleiben die Kinder aufmerksam bei der Sache, zumal es den Schauspielern gelingt, sie mit einzubeziehen. Sie rufen gemeinsam den Glockenschlag des Big Ben; sie protestieren, wenn Scrooge so böse zu seinem Neffen ist; sie kichern, wenn er wie ein Säbelzahntiger schnarcht; und sie klatschen heftig den Rhythmus mit bei den Songs.

Mitreißende Lieder ohne Sentimentalität

Die mitreißenden Lieder nehmen der Geschichte die Sentimentalität der Erzählung, so dass sie niemals penetrant wirkt. Das ist aber auch der Warmherzigkeit und dem großen künstlerischen Ausdruck aller Schauspieler zu verdanken. Nicht zuletzt ist es dem Regisseur Nils Hollendieck, dem musikalischen Leiter Sebastian Schaffer, der Choreografin Carmen Blum und der Bühnenbildnerin Stefanie Bichler gelungen, das Stück in die moderne Zeit zu übertragen und darauf aufmerksam zu machen, dass es auch im 21. Jahrhundert noch viel zu viele Arme gibt.

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