Kaiserslautern
Ramstein: Comedian Faisal Kawusi begeistert mehr als 500 Besucher im Congress Center
Er ist und bleibt der sympathische Afghane von nebenan: Faisal Kawusi. Mit seinem zweiten Soloprogramm „Anarchie“ unterhielt der 28-jährige Comedian am Montag im Ramsteiner Congress Center 560 Besucher aufs Prächtigste. Absurde Geschichten und große Pointen waren programmiert, als sich der Frankfurter den Tabuthemen unserer Gesellschaft widmete.
Mit tosendem Beifall wird er begrüßt: Ein Mann wie ein Baum, Vollbart, Speckbauch in der Größe einer großen Trommel, 193 Zentimeter geballte Comedy, 140 Kilogramm Lebendgewicht – so steht er auf der Bühne. Er macht das, was er am besten kann: mit dem Publikum kokettieren und sich selbst auf die Schippe nehmen. „Was Frauen angeht, habe ich einen merkwürdigen Geschmack“, verrät er. „Sie sollen nicht nur kochen, sondern auch putzen und staubsaugen können.“ Ironisch und frech witzelt er über das Single-Dasein oder über Migrantenklischees.
„Ist das dein Bauch oder ein Bombengürtel?“ – eine der Fragen, die ihm am häufigsten gestellt wird. Endlos viele Anekdoten kann Faisal erzählen und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Auf seine charmante Art setzt er sich mit den Dingen auseinander, die er täglich erlebt. Absurde Geschichten und große Pointen sind programmiert, wenn sich der Comedy-Star Tabuthemen der Gesellschaft widmet. Wie sieht der Alltag eines Afghanen in Deutschland aus? Mit welchen Klischees muss er sich auseinandersetzen? Das alles erzählt er mit schwarzem Humor, wie es nur einer kann, der alles am eigenen Leib erfahren hat. Lustig, selbstironisch, liebenswürdig oder frech.
„Wenn ich in Clubs gehe, um ein Uhr nachts werde ich müde“, erzählt Faisal. Auf einer Party neulich wollte er aber nicht zeigen, dass er müde war. Also wollte er die anderen mit seinem Gähnen anstecken. Gegen zwei Uhr habe daraufhin ein Freund gerufen: „Jungs, wir müssen gehen, Faisal hat Hunger.“ Faisal versteht sich als Bindeglied zwischen den Kulturen und Generationen und sagt ungefiltert, was er denkt.
Am liebsten befasst sich der Deutsche mit afghanischen Wurzeln, der in SAT1 eine eigene Comedy-Late-Night-Show hat, mit Vorurteilen und Missverständnissen gegenüber verschiedenen Kulturen. „Mein Vater wollte unbedingt, dass ich Arzt werde“, verrät er. „Ich hatte aber kein Bock darauf.“ Die meisten Menschen gingen doch zum Arzt nur, weil sie keine Lust hätten zur Schule oder auf die Arbeit zu gehen, nicht weil sie krank seien. „Wir hatten auch so einen. Den nannten wir nur Doktor Holiday.“ Der habe immer nur eine Frage gestellt: „Wie lange?“
„Unser Vater war zuhause der absolute Herrscher.“ Widerworte habe er nicht geduldet. Bei einem Freund jedoch habe er kürzlich erlebt, wie der seine Mutter angeschrien habe. „Wenn die mich schlägt, rufe ich das Jugendamt“, habe der Kamerad erklärt. „Dann kriegt die richtig Stress.“ Als Kawusi zuhause dasselbe mit seinem Vater machen wollte, sei er ganz schön auf die Nase gefallen.
Ein kurzweiliger Abend, ein unterhaltsames Programm aus Stand-up und Improvisations-Comedy. Tobender Applaus. Eine Zugabe.