Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Ralf Storck stellt sein Debüt-Album in der Friedenskapelle vor

Ral Storck in der Friedenskapelle.
Ral Storck in der Friedenskapelle.

Klassische CD-Release-Konzerte scheinen im Zeitalter von Download-Portalen und Streaming-Diensten etwas aus der Mode gekommen zu sein.

Der Kaiserslauterer Musiker Ralf Storck hat diese Art der öffentlichen Präsentation seines ersten Solo-Albums „Irgendwann bleib ich dann hier“ dennoch gewählt. Und das war gut so. Die schnell ausverkaufte Show in der Friedenskapelle wurde am Samstagabend in gleich mehrerer Hinsicht ein ganz besonderes Ereignis.

Zum einen war da eben schon einmal der nicht mehr ganz alltägliche Rahmen der Vorstellung als solcher, zum anderen der dafür gewählte ebenso intime wie atmosphärisch wirkende Ort der Friedenskapelle. Das war das Fundament für ein gelungenes Konzert.

Damit zusammenhängend erschienen quasi als Überbau die beteiligten Musikerinnen und Musiker in Storcks Begleit-Band. Die Gitarristen Sven Ruppert und Harald Pfeil nämlich, Bassist Alexander Huhn und Perkussionist Christoph Jung, Cellistin Fiona Tetzlaff, Akkordeonistin (und Mundharmonika-Spielerin) Alexandra Maas und Sängerin Sabine Massing sind allesamt erfahrene Musikschaffende, welche die mitunter ziemlich komplexen Titel auf der CD auch live vor Publikum perfekt realisieren können .

Eine Überraschung

Zuvor indes gab es – Nummer vier auf der Liste der Besonderheiten an diesem Abend – noch eine personale Überraschung, als Sänger/Gitarrist Pouya Nemati zuerst solo, dann zusammen mit dem versierten Instrumentalisten Himan Navidi an der persischen Geige Kamanche mit iranischen Liedern den expressiven Part des eisbrechenden Supporters übernahm. Nötig wäre das „Eisbrechen“ gar nicht gewesen, denn die Stimmung im Saal war zuvor schon durch den Ort und die erwartete Musik freudig gelöst.

Und damit wäre man bei den nicht alltäglichen Titeln der Produktion. Es sind durchweg musikalisch reife Stücke in deutscher Sprache, nachdenklich machend, Emotionen auslösend. Vom Opener „Das Beste am Leben“ über „Dein Schiff“, „Ans Meer“ und „Fliegende Fische“ (dem Song mit einem straighten Reggae-Rhythmus) ging es in bester Singer/Songwriter-Manier irgendwo zwischen Rio Reiser und Reinhard Mey bis hin zum als Zugabe gegebenen einzigen Cover „Die weißen Tauben sind müde“ – und jedes Mal gab es verdienten frenetischen Beifall.

So viel Berührendes

So viel Markantes, so viel Berührendes und zutiefst spürbar Menschliches ist in diesen Stücken, die oft das Meer und das Wasser zum Thema haben: vielerlei Sehnsüchte etwa, die Suche nach Antworten und nach befreiender Weite, Reisen in neue (Gedanken-)Welten. Hinzu kommen Gefühle wie Freude und Trauer, kleine, aber wichtige und richtige Lebensweisheiten („Du musst nur einmal öfter aufstehen als du fällst“), existenzielle Grundfragen nach der – insbesondere eigenen – Endlichkeit. Das Stück „20 letzte Sommer“ war hier einer der eindringlichsten Titel.

Und damit wäre man letztlich nach dem Repertoire bei Punkt Nummer sechs der Besonderheiten, beim Protagonisten des Abends: Ralf Storck drückte dem Release-Konzert als Sänger, Instrumentalist, Komponist, Texter und Moderator (hier mit kritischen Anmerkungen zur aktuellen Zeit und erhellenden Anmerkungen zur Entstehung der Lieder für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgend) seinen ureigenen künstlerischen und menschlichen Stempel unmittelbar auf.

Näher kann man dem Publikum nicht sein

Näher kann man seinem Publikum kaum sein, eindrücklicher kann man ein Werk an einem Abend kaum präsentieren. „Irgendwann bleib ich dann hier“? An diesem Abend war er ja in gewisser Weise schon angekommen – allemal beim Publikum und auf einem hohen Punkt der Kunst.

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