Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Quichotte zeigt sich im Kaiserslauterer Cotton Club als Meister der geistvollen Wortspiele

Liefert Nonsens mit Gehalt: Comedian Quichotte im Cotton Club.
Liefert Nonsens mit Gehalt: Comedian Quichotte im Cotton Club. Foto: VIEW

Der spanische Ritter Don Quijote de la Mancha zog einst aus, um todesmutige Abenteuer zu bestehen und kämpfte dabei gegen Windmühlen. Der Kölner Slam-Poet, Rapper und grandiose Stand-up-Künstler kämpft gegen die Windmühlen der seichten Unterhaltung. In seinem Programm „Die unerträgliche Leichtigkeit des Neins“ beschäftigt er sich mit der immer komplexer werdenden Welt. Die Zuhörer am Dienstagabend Cotton Club waren begeistert.

Quichotte, Kurzarmhemd über der Jeans, Schirmmütze auf dem Haupt, ist schon fast ein Stammgast im Cotton Club und einer der Comedy-Lieblinge in der Kammgarn. Seine Fans lieben ihn wegen seiner Natürlichkeit und Selbstironie. „Wie lebt man in dieser hochpolitischen Zeit?“, fragt er sich. Zusammen mit seinem fabelhaften Gitarristen Florian Fehling, gewissermaßen sein Begleiter Sancho Pansa, beginnt er mit rauer Soulstimme einen mitreißenden Rap, das Publikum singt prompt mit, und schon ist das Eis gebrochen.

Selten versteht es ein Comedian auf diese lockere und gekonnte Art und Weise mit dem Publikum zu kommunizieren wie er. Als ihm beim Singen die Mütze vom Kopf fliegt und seine Halbglatze offenbart, ruft er cool: „Hui! Jetzt habt ihr entdeckt, dass ich ’ne Scheißfrisur habe. Meine Geheimratsecken sind mittlerweile schon so hoch geworden, dass man sie nicht mehr sehen kann.“ Man müsse damit leben, dafür wüchsen sie an anderen Stellen um so mehr.

Vom Lehrer zum Rapper und Comedian

Urbane Rhythmen des Hip-Hop mischt der Kölner gekonnt mit Stand-up-Elementen, skurrilen Geschichten und ernsten, gesellschaftskritischen Spoken-Word-Texten. Seine Gesellschaftskritik versteckt er äußerst hintergründig in lustigen Geschichten. Wie die über den gescheiterten Versuch, sein bestes Stück verlängern zu lassen. Das Publikum lacht nicht nur Tränen, die eine oder andere Dame legt dabei auch anerkennend ihren Arm um ihren Begleiter. Dass er damit die Verschönerungs-Medizin gehörig auf den Arm nimmt, bleibt fast verborgen.

Quichotte ist auch die Geschichte von einem, der aus einem kleinen, dörflichen Nest aus der Nähe von Köln in die Stadt zog, „um Land zu gewinnen“. Seine Welt besteht lange aus Abwesenheiten: keine Bushaltestelle, keine Mädchen, keine Abwechslung und keine Hoffnung darauf, jemals dort zu sein, wo der Bär steppt, sondern immer nur dort wo der Hund begraben liegt. Anrührend und komisch erzählt er von seinem komplizierten Beziehungsstatus mit der Heimat, von Klingelstreichen, Wildpinkeln, wie man mit aufgemotzten Mofas kunstvolle Kornkreise fährt und dass wahre Freundschaft „für ein Kind vom Land so wertvoll ist wie die Blaue Mauritius“ – so wie die zu Knolle aus dem Nachbardorf, dem Meister der genial-kruden Bauernweisheiten.

Der mehrfach preisgekrönte Comedian, dem unter anderem die Sankt Ingberter Pfanne verliehen wurde, war in seinem Leben ein paar Jahre lang Lehrer, spielte in der Blues-Rap-Band Querfälltein und hat mit dem Poetry-Slam-Kollegen Patrick Salmen schon zwei Rap-Alben veröffentlicht.

Wie viel Meinung verträgt eine immer komplexere Welt?

Mit seinem neuen Programm geht er der Frage nach, wie deutlich man sich mit einer klaren Meinung aus dem Fenster lehnen kann angesichts der immer komplexer werdenden Welt. Quichotte hat sich seine Haltung bewahrt. Die zeigt er beispielsweise in dem „Song über die Irrungen und Wirrungen der Gentrifizierung“ („die gibt es auf’m Land auch nicht“). Ein virtuoses „Trompetensolo“ legt er dazu mit Lippen und Gaumen hin und singt dabei über „das Leben als Hinterwäldler vom Dorf“. Immer aber hat er den Schalk im Nacken. Ein Meister geistvoller Wortspiele und witziger Formulierungen. Mühelos versteht er es mit der Sprache zu spielen. Und selten wird Nonsens so gekonnt und auch noch gereimt vorgetragen wie bei dem aus dem Stegreif geborenen Rap, zusammengestellt aus Begriffen, die die Besucher in der Pause auf einen Zettel schreiben durften. Das war absolute Spitze.

Nonsens mit Gehalt ist auch der Poetry-Slam über „Kommissar Spürhoden“, der nie einen Kriminalfall löst. Auf ein beliebiges Signal eines Zuschauers hin schaltet Quichotte spontan um, schlüpft in die Rolle des Literaturkritikers Reich-Ranicki und zerlegt dabei direkt seinen eigenen Text auf genialste Weise. Zurecht wird der sympathische Kölner ekstatisch gefeiert.

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