Ramstein-Miesenbach
Publikum feiert das Heeresmusikkorps Koblenz im CCR
Das Blasorchester unter der Leitung von Alexandra Schütz-Knospe und Wolfgang Dietrich zeigt an diesem Donnerstagabend Biss und Experimentierfreude: Korrektheit und Klarheit exerziert es bei der Interpretation traditioneller Märsche, klassischer Ouvertüren und symphonischer Blasmusik und sprüht gleichzeitig vor Temperament und Spielwitz. Schon den Marsch „Kaiser-Friedrich-Fanfare“ von Friedrich Wilhelm Vogt realisieren die Musiker und Musikerinnen mit Spannkraft und leuchtenden Farben.
Nie oberflächlich klingt auch die „Symphonic Overture“ von James Barnes. An allen Pulten wird lebendig gespielt, von den virtuosen Holzbläsern bis zu den pointierten Blechbläsern. Dietrich weiß seine Musiker mit einem wunderbaren Piano zu zügeln, bevor sie im schnellen Teil zu explodieren drohen. Die wechselnden Piano- und Forte-Passagen, quasi pralles Sonnenlicht und verschattetes Idyll, halten den Zuhörer in Hochspannung. Ein Urwald aus Klängen, Plätschern von Becken, ein Keckern von Holzbläsern, von strahlenden Trompeten, ein geschäftiges Austauschen von Tönen – und dennoch ist jedes einzelne Instrument hörbar.
Höhepunkt: Harry Potter Suite
Die Transparenz ist auch bei „The Year Of The Dragon“ von Philip Sparke herausragend. Ein äußerst anspruchsvolles Werk, welches die technischen und klanglichen Möglichkeiten dieses sinfonischen Blasorchesters voll ausschöpft. Der Dirigent spannt einen weiten Bogen der Emotionen. Der Hörer hört wie gebannt zu. Ganz großes Kino.
Einer der Höhepunkte ist die „Harry Potter Suite“ von John Williams, bearbeitet von Robert W. Smith, ein wunderbares Medley der liebenswerten Themen aus dem Kassenschlager „Harry Potter“. Geheimnisvoll, zauberhaft, manchmal auch ein wenig schräg klingt das. Ein Flirren und Schwirren der Holzbläser, bevor das Blech in einen breiten Ton übergeht. Aus jeder Ecke kommt überraschend Neues. Feinsinnig arbeitet Schütz-Knospe die rhythmischen Verwerfungen heraus und verleiht dem Werk funkelnden Schliff.
Furioser Applaus
Mit ausgetüfteltem Klangfarbsinn und kunstvoller Phrasierungspräzision zelebriert das Orchester „Irish Tune from County Derry“ von Percy Aldrige Grainger und zeigt dabei dynamisch breite Amplituden. Das Rheinland-Medley „Am Rhein“ wird durchsetzt mit hinreißendem Swing und lateinamerikanischen Rhythmen, erscheint polyrhythmisch und polymelodisch und reißt die Hörer ebenso mit wie das „Elton John-Medley“. Dieses beginnt aus dem Piano heraus mit einem großartigen Crescendo und stellt immer wieder fantastische Solisten an Englischhorn, Trompete, Akkordeon und Saxofon heraus. Das Publikum wird mit ständig neuen Klangfarben überwältigt und reagiert mit furiosem Applaus.
Aber auch in den Märschen wie dem „Marsch Herzog von Braunschweig“ , „Aufwärts!“ von Ernst Lüthold und dem „Fridericus-Rex-Grenadiermarsch“ präsentiert sich das Orchester mit flotten, schmissigen und akzentuierten Klängen sowie einem umwerfend satten Sound: begeisterter Beifall, zwei Zugaben.