Kaiserslautern Programm voller Höhepunkte

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Während die bisherigen Orgelkonzerte in der Apostelkirche bei der Repertoiregestaltung programmatisch die „Handschrift“ des dort reüssierenden Konzertorganisten Tobias Naumann verrieten, stellte er am Samstag in seiner Konzertreihe eine Sammlung vor: „Caecilia“ nannte der Herausgeber Carl Schweich an der Schwelle zum 20. Jahrhundert seine Sammlung, die aus Originalwerken sowie Adaptionen und Transkriptionen von Instrumentalmusik und sakraler Vokalmusik (etwa Arien aus Oratorien) bestehen. Naumann präsentierte daraus eine repräsentative Auswahl.

Seit Jahren ist es ohnehin spannender, was Naumann spielt, das Wie hat sich auf einem durchweg sehr hohen spieltechnischen und gestalterischen Niveau unter Ausnutzung aller Finessen der bedeutenden Steinmeyer-Orgel von 1957 „eingespielt“ und etabliert. Hatte Naumann bislang seine Konzertprogramme entweder nach Zyklen mit kompletter Aufführung eines Lebenswerks eines Komponisten (etwa Bach-Schüler Johann Ludwig Krebs) konzipiert oder stilistische Vergleiche bei einer Gattung (etwa Choralbearbeitung) angestellt oder auch eine Gattungsvielfalt in der Orgelliteratur vorgestellt, so nahm ihm der in seiner Zeit als Organist, Kirchenmusiker, Komponist sowie Herausgeber wirkende Carl Schweich diese konzeptionelle Arbeit ab. Dieser gab vielmehr dem Organisten für Liturgie, Konzert und Umrahmung Orgelwerke als Anregung für Konzert und Liturgie an die Hand. Komponisten zur Zeit des Stilwandels um 1900 wie der Münchner Johann Georg Herzog komponierten speziell Miniaturen wie Charakterstücke (hier Moderato in e-moll) für diese Sammlung, die sich als überleitendes Zwischenspiel eignen. Weitere wie Vogt haben meditative Klänge zur Verinnerlichung und Entrückung als wesentlichen musikästhetischen Aspekt von liturgischer Versenkung in die Sammlung eingebracht. Dazu passen wiederum Klavierwerke wie Robert Schumanns „Abendlied“ aus der Sammlung „12 Stücke für kleine und große Kinder“, die eigens für die Kirchenorgel von Sigfrid Karg-Elert bearbeitet wurden. Die Sammlung erhebt somit nicht den Anspruch von Authentizität, Werktreue (Originalität) nach textkritischen Kriterien, um den Werdegang von Manuskripten bis zum Erstdruck und den möglicherweise folgenden Überarbeitungen herauszuarbeiten. Auch erheben die Klangbeispiele nicht den Anspruch der Vollständigkeit, wie die Ausschnitte von Orgelsonaten ebenso beweisen wie die Bearbeitungen aus Oratorien von Georg Friedrich Händel und Joseph Haydn. Diese überkonfessionelle Sammlung mit dem Titel „Caecilia“ mit 100 Kompositionen verschiedenen Charakters, so der Titel, bringt also letztlich sogenannte Gebrauchsmusik, wie sie als Präludium, Interludium und Postludium (Vor-, Zwischen- und Nachspiel) bei Liturgie und Konzert gebraucht werden. Bevorzugt bringt diese Sammlung die orgeltypischen barocken Gattungen wie Fuge oder Fughetta. Dabei sind einige Komponisten vertreten (etwa Peter Piel), die nach Naumanns Ausführungen sonst nirgendwo mehr zu finden sind. Naumanns Pionierleistung erschöpfte sich aber nicht in der fundierten Einführung in diese Sammlung, sondern stellte den wechselnden stilistischen und klanglichen Charakter der Klangbeispiele deutlich heraus: Mit entsprechender Registrierung und einer sehr subtilen, filigranen Ziselierung der melodischen Feinheiten erschloss Naumann die ganze Vielfalt von Gattungen, Satztechniken weltlicher und sakraler Musik an immerhin 13 Beispielen. Komponisten wie der Belgier Jacques-Nicolas Lemmens haben mit ihren Charakterstücken für solche Instrumente wie diese Steinmeyer-Orgel spezielle Klangwirkungen ausgereizt: Das nur als Flöten-Solo bezeichnete Beispiel dieser Sammlung setzt auf den zarten, transparenten Klangzauber der hellen Flötenregister, was der Musik eine schwebende Grazie verleiht. Die Eignung der Orgel, in einer führenden Stimme den ariosen Gesangspart zu übernehmen und diesen anstelle vom Orchester vom vollen Plenum (allen Registermöglichkeiten) begleiten zu lassen, war durch Naumanns Kunst der Gestaltung eine weitere Attraktivität des an Höhepunkten reichen Programms.

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