Kaiserslautern Potz Blitz aber auch!

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Mit Petrus müssen es sich die Macher der Burgspiele Landstuhl wohl verdorben haben. Bei der Premiere des Lustspiels „Pfälzer im Schlaraffenland“ von Paul Münch öffnete der Himmel sämtliche Schleusen, so dass die Vorstellung kurz vor der Pause nach rund zwei Stunden abgebrochen werden musste. Und das im stolzen 51. Jubiläumsjahr. Nichtsdestotrotz: Die 450 Zuschauer zeigten sich bis dahin begeistert und spendeten fleißig Szenenapplaus.

Blitz und Donner schickte aber nicht nur der Himmel, auch auf der Bühne grollte, blitzte und rauchte es gehörig – immer dann, wenn der Teufel in Gestalt des seriös gekleideten, aalglatten Kavaliers Urian auf den Plan trat. Dieser raffinierte Leibhaftige war darauf aus, die Seelen der drei lustigen Nichtsnutze Schorsch, Peter und Professor Knoll zu ergattern und zauberte sie – „runkel, stunkel und Karpunkel!“ – ins Schlaraffenland, wo sie ihre Faulheit und Gier nach Lastern würden ausleben können. In diesem Sündenpfuhl, so des Teufels Absicht, sollten sie ihm mit Haut und Haar verfallen, bis sie im Höllentopf landeten. Frank Zimmer war diese Rolle wie auf den Leib geschrieben. Nahezu perfekt in Artikulation und Auftreten füllte er seine Rolle aus. Professionell spielten aber auch die drei Gesellen: Benjamin Stenger als arbeitsscheuer, trotteliger Gastwirt Schorsch, der unter dem Pantoffel seiner resoluten Ehefrau Schosefine steht und nur hinter ihrem Rücken den starken, strammen Soldaten vom „Germerschemer Adrollerie-Regiment“ mimt. Den lustigen, „immerfrehlichen“ Peter, der einem guten Tropfen nicht abhold ist und im Schlaraffenland mir-nichts-dir-nichts einen Harem gründet, gibt Ulli Bosle mit Schwung und Elan. Großartig in Diktion, Mimik, Gestik und Betonung schließlich Andreas Altherr als schrulliger Professor. Deutlich erkennbar ist aber auch die erfahrene Hand der beiden Regisseure Andreas Franz und Rajko Schäfer, die sich bei enger Personenführung immer wieder verblüffende Gags einfallen ließen, so dass die mit Pointen gespickte Handlung Paul Münchs auch prononciert serviert wird. Die straff geführte Handlung kennt keinen Leerlauf. Selbst Umbauphasen werden von spielenden, tobenden Kindern überbrückt. Diese achtköpfige Rasselbande verstehen die beiden Macher immer wieder geschickt einzuplanen. Im Paradies sind sie verkleidet als „Kimmelbretcher“, „Blutwerscht“ und „Schinkespeck“, gebratene Tauben fliegen, an einem Seil geführt, durch die Luft. Im „Vorspiel auf Erden“ bereiten die acht kecken Galgenstricke – nach einer von Theo Schohl eingefügten, selbst geschriebenen Szene – die Besucher auf das Schlaraffenland vor, was tosenden Beifall hervorruft. Zwischen zickigem Weib und liebender Ehefrau, die ihren Schorsch nicht verlieren möchte, pendelt Selina Sutter als Schosefine hin und her und macht ihre Rolle mit jedem Wort, jeder Geste absolut glaubwürdig. Ein belebendes Element sind auch Jule Zimmer, Emily Zimmer und Zoe Nicolai als verführerische Schmusekatzen, die sogar den tugendhaften Professor so lange bearbeiten, bis er „merb“ wird und in Erwähnung zieht, sich ebenfalls „ein Harem beizulegen“. Allein Schosefine bleibt in diesem erotischen Treiben standhaft und wehrt sich burschikos ihrer Haut gegen die aufdringlichen Avancen des Bosko (Niklas Schäfer). Um ihren Schorsch von dessen polygamen Abwegen zu heilen, lässt sie sich einen raffinierten Plan einfallen: Sie engagiert drei furchtbar hässliche Frauenzimmer mit aufgebauschtem Busen und Hinterteil, die die drei Luftikusse aufdringlich umarmen, ihnen in den Schoß hüpfen und sie stürmisch bearbeiten. Tanja Franz, Eva Muschelknautz und Marie Hüthig als die drei Kolumbinen spielen dermaßen temperamentvoll, dass die Humorglocken klingeln. Köstlich auch die Szene mit den beiden Schülern Meyer, die ihren vom Unterricht schwänzenden Professor beim Frühschoppen ertappen. Eric Henzmann und Philip Nicolai verkörpern herrlich die stotternden Schüler, die ihr Gedicht nicht richtig auswendig gelernt haben. Die Rollen von Rajko Schäfer als Ex-Minister, Markus Perisello als Manko, Manuel Stucki als Schlaraffenfürst sowie Walter Brandl als Polizist fielen dem Gewitter zum Opfer. Auf jeden Fall hätte Paul Münch im Pfälzer Himmel seine Freude an der Aufführung gehabt. Vielleicht war er sogar so begeistert, dass er die schwarzen Wolken platzen und die Regentropfen Applaus prasseln hieß.

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