Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Polizeihunde sind nicht nur wegen ihren feinen Nasen gefragt

Lässt sich nur von Frauchen knuddeln: Ares und seine Hundeführerin Julia Teufel.
Lässt sich nur von Frauchen knuddeln: Ares und seine Hundeführerin Julia Teufel.

„Der will nur spielen“, sagt Julia Teufel und zeigt auf ein stattliches Exemplar von einem Hund. Ares, ein belgischer Schäferhund, ist ihr neuer Partner und gerade mitten in der Ausbildung. Sein Vorgänger Cid darf dagegen Ende des Jahres in den Ruhestand. Er hat seine Nase schon in etliche Angelegenheiten gesteckt ...

Julia Teufel ist Polizeihauptkommissarin und seit mehr als zehn Jahren Diensthundeführerin, vor zwei Jahren ist sie aus Mainz in die Westpfalz gewechselt. Zusammen mit Cid und Ares ist die Beamtin Teil der Hundestaffel des Polizeipräsidiums Westpfalz, die auf dem Gelände der Bereitschaftspolizei in Enkenbach-Alsenborn ihren Sitz hat. Ares ist seit Februar bei seinem Frauchen, die bis Jahresende übergangsweise zwei Hunde im Dienst hat.

Teufel: „Die Hunde sind immer bei uns. 24/7, 365 Tage im Jahr.“ Maximal im Urlaub trenne sich ein Diensthundeführer von seinem Partner mit der kalten Schnauze. Denn die seien eigentlich „Familienmitglieder“ – nur, dass hier Hundesteuer und Tierarztkosten vom Land übernommen werden – dessen Eigentum die Hunde sind. Immerhin: Die Namen dürfen die Hundeführer selbst vergeben, da braucht’s keinen Sachbearbeiter in Mainz.

Der Kriegsgott aus der griechischen Mythologie

Ares, übrigens der Kriegsgott aus der griechischen Mythologie, steckt noch mitten in seiner Ausbildung. Wie Cid soll er einmal die verschiedensten explosiven Chemikalien zuverlässig erschnüffeln können. Neben Sprengstoffen gibt’s weitere Spezialisierungen für die Tiere: „Rauschgift- und Geldscheine, Leichen, Brandmittel und Datenträger können aufgespürt werden.“ Der Bedarf an Datenträgerspürhunden, die unter anderem SIM-Karten riechen können, steige gerade immens. Ein Hund könne – abgesehen von Drogen und Geld – immer nur eine Spezialisierung abdecken. Schließlich muss das Ergebnis verlässlich sein. Teufel: „Der Hund muss den Geruch immer sicher zeigen – ob im Sommer bei 30 Grad oder im Winter bei Minusgraden.“

Für Ares sind die Trainingseinheiten gleichzeitig Spielzeit mit Frauchen.
Für Ares sind die Trainingseinheiten gleichzeitig Spielzeit mit Frauchen.

Damit Ares das aus dem Effeff kann, ist der noch bis Februar in der Ausbildung. Dann wird der Sprengstofflehrgang abgeschlossen und anschließend, üblicherweise läuft es andersrum, folgt die „Grundausbildung“ zum Schutz- und Fährtenhund. Ungefähr neun Monate dauert das dann noch einmal.

Einsatzfahrzeug als „rollendes Körbchen“

Was braucht ein Vierbeiner, um eine Karriere im Polizeidienst zu beginnen? „Es darf kein nettes Hundchen sein, dem es an Mut fehlt“, sagt Teufel und lacht. Vorgeschrieben ist, dass es eine Gebrauchshunderasse ist. Sie ergänzt: „Da wir viel im Auto unterwegs sind, darf er auch kein Problem mit dem Autofahren haben. Er muss ja möglichst ausgeruht am Einsatzort ankommen.“ Für Cid und Ares sei das kein Problem, die beiden sähen das Einsatzfahrzeug als „rollendes Körbchen“ an. „Wenn ich meine Uniform anziehe, dann wissen die ,Jetzt geht’s los!’ und, dass etwas für sie Schönes passiert“, erläutert die Polizeihauptkommissarin. „Das dürften die hochmotiviertesten Beamten sein, die wir im Polizeipräsidium Westpfalz haben.“

Zum Einsatz kommen die Spezialkräfte mit dem besonderen Geruchssinn beispielsweise vor Staatsbesuchen, wenn es bestimmte Gebäude oder Gelände zu durchsuchen gilt, bei Bombendrohungen oder Sprengstofffunden. Beispielhaft nennt Teufel die vor Jahren präparierten Holzscheite, die auch Explosionen ausgelöst hatten.

Cid hat in seinen Dienstjahren schon viel erlebt

Die tierischen Kollegen sind aber nicht nur wegen ihrer feinen Nasen gefragt; manchmal geht’s schlicht um die überraschend schnellen 50 Kilogramm mit scharfen Zähnen – etwa bei Demonstrationen oder Großeinsätzen wie Hochrisikospielen auf dem Betzenberg. Das Gegenüber sei in solchen Fällen immer gut beraten, den Hund besser nicht zu tätscheln. „Der lässt sich schon knuddeln, aber nur von uns, nur von der Familie. Im Einsatz wird er mich und sich verteidigen.“

Und der Bald-Ruheständler? Der hätte einiges zu erzählen: von Einsätzen bei G7-Gipfeln oder einem Papstbesuch, von FCK-Spielen und vom Pulver-Kurt, der vor Jahren in Becherbach eine Scheune mit Munition und Sprengstoffen vollgestopft hatte. „Cid bleibt mein Partner“, sagt Teufel, die den Senior weiter bei sich behält – „bis zum bitteren Ende“.

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