Kaiserslautern Poesie und Gefühlstiefe
Wieder zeigte sich der lothringische Liedermacher, Chansonnier und Mundart-Komödiant Marcel Adam aus dem grenznahen Grosbliederstroff als Publikumsmagnet. Im Trio mit „La fine éqipe“ bezauberte er am Freitagabend im Ramsteiner Haus des Bürgers 450 Besucher mit seinem Programm „Ich liebe das Leben“. Als Gäste hatte er „Eloise & les Passeurs de rêves“ mit dabei.
Und wie er das Leben liebt! „Non je ne regrette rien“ sang Marcel Adam zur Eröffnung seines Programms, „ich bedauere nichts“ von Edith Piaf, und schon hatte er sein Publikum mit seiner unvergleichlich charmanten Art gewonnen. Durch Mitsingen kann man die Leute am besten fesseln. Das hat der „Schompierre“ verinnerlicht und ließ sein Publikum mitmachen, wo es nur geht. Geschichten, die das Leben schreibt, prägten seine Texte und Melodien, die er mit viel Humor und Gefühl füllte und die keinen im Bürgerhaus ungerührt ließen. „Für Weihnachte gebt’s tausend Lieder, aber kein einziges für Oschdere“, verkündete er schmunzelnd, „un desweje hann ich e Lied uff de Oschderhaas gemacht“. „Awwer mein Oschderhaas is e armi Wutz.“ Aber leider quietschen die Scharniere der Klotür so schrecklich. „Mon muss sich bi dir schrecklich geniere, mon traut sich nit, ’s WC zu okkupiere. Man muss mit sinnem Blasedruck jongliere, mon spiert de Druck bis witt iwwer die Niere“ sang er, und etliche Gäste trällerten Wort für Wort mit, während Christian Conrad auf seiner Gitarre das Quietschen simulierte. „Dieses Lied dreht sich um einen jungen, gut aussehenden Mann“, erläuterte der Lothringer „Schwaduddler“ ein Chanson von Charles Aznavour, „der seinen Keks sonst irgendwo reintunkt“. Es waren aber nicht nur Witz und Ironie, mit denen er sein Publikum begeisterte. Mehr noch mit seiner Stimme und mit den wunderschönen Liedern wie „Liebe ist wie wildes Wasser“, Nenas „Wunder gescheh’n“, Heinz Rühmanns „Der Clown“, der keinen in sein Herz hineinschauen lässt, verstand er es zu bezaubern. Dann wurde er ernst und tiefsinnig. Ab und zu sollte man durchaus im Neuen Testament lesen, meinte er, bevor er Bonhoeffers unsterbliches Lied „Von guten Mächten“ sang. „Dann käme man nicht auf die Idee, Angst zu haben vor so armen Fremden, die einem angeblich was wegnehmen wollen.“ Respekt haben vor allen Leuten, das sei geboten, egal, ob sie Christen, Juden oder Muslime seien. Seine emotionale Direktheit, die musikalische Feinfühligkeit und die ungekünstelte Intensität seiner Stimme gingen dabei tief unter die Haut. In Hochform präsentierten sich auch Christian Conrad an Gitarre und Bass sowie Christian di Fantauzzi. Die Entdeckung des Abends aber waren Eloise & les Passeurs de rêves. Eloise Maas führte das Publikum mit ihrem Quartett und ihrer zauberhaften Stimme wahrhaftig zu einer Traumreise und umschmeichelte es mit Chansons, Pop, Folk und Weltmusik. Ihre Stimme und ihr Ausdruck waren zu erfühlen: der Klang von Melancholie und Passion, von Kummer und Sentiment, aber auch von Fröhlichkeit und Leidenschaft. Ihr Singen hatte Poesie und Gefühlstiefe. Verstärkt wurde diese zauberhafte Atmosphäre durch die virtuose Perkussion (Leo Ortega), Gitarre (Eric Maas) und den Luxemburger Ady Zeimet (Sitar). Gerade die Sitar, die Zeimet in der klassischen Haltung auf dem Boden sitzend spielte, erzeugte mit ihren schleifenden, sanften Portamenti eine magische Stimmung, wobei Eloise mit dem Song „Magical Moments“ von einer Reise nach Indien sang. In dem in altgriechischer Sprache gesungenen Lied „Onar anti oneiratos“ („Ein Traum ging in einen anderen Traum über“) griff die Philosophie-Lehrerin aus Lothringen selbst zur indischen Langhalslaute. Da ließ der Zuhörer sich wahrhaft zum Träumen verführen. So wurde der Abend selbst nach drei Stunden und drei Zugaben nie langweilig und für die Zuhörer zu einem unvergesslichen Erlebnis.