Kaiserslautern
Plakataktion „Kunst bleibt“ jetzt in der Eisenbahnstraße
Die ellenlange Schaufensterfront hat ja schon die ganze Zeit schier nach einer Verschönerung geschrien. Gehört hat es nur Brenner, der jetzt die dritte Serie seiner Kunstaktion darin zeigt. Damit wertet er die seit Jahren unschöner und unattraktiver werdende Eisenbahnstraße mächtig auf.
Überhaupt hätte sich schwerlich ein besserer Platz finden können. Denn Kunden von Gemüseläden, Apotheken und Metzgereien gibt es genug. Dazu die vielen Passanten aus und in Richtung Bahnhof. Die sich bisher am Ex-C&A eine gehörige Portion Tristesse abholen durften.
Nun aber sehen sie ein vielfältiges Spektrum an Kunstplakaten, Musikern, die per QR-Code zum Musikhören einladen, Werken verschiedenster bildender Künstler, Architekten und Galerien.
So zeigt etwa der ägyptische Fotograf Hamdy Reda eine zauberhafte Aufnahme. Blutrot, floral und lyrisch. Suchte der Frühling nach einem Werbeplakat, er würde dieses nehmen. Volker Tintis grafisches Meisterwerk besticht durch prägnante Farbgebung und rhythmische Anordnung grafischer Elemente. Eine bildnerische Mahnung kommt von RHEINPFALZ-Fotograf Reiner Voß: Ein vertrocknetes Baumgerippe setzt sich fast schmerzhaft gegen einen malerischen, pastellfarbenen Abendhimmel ab. Vielleicht auch ein Wink in Richtung „vertrocknende Eisenbahnstraße“.
Autor und Pfalzpreisträger Christoph Justinger zeigt leider keinen Text. Dafür eine ansprechende gespiegelte Grafik. Gekonnt wie seine Schriften. Einen aufwendigen Stein/Stahl-Druck auf Büttenpapier sieht man auf dem Plakat von Reiner Mährlein. Darin vereint er formsicher Homogenität und Vergänglichkeit.
Eine Interpretation des Rocktitels „Brown Sugar“ hört man über den QR-Code des sich hinter seiner Gitarre versteckenden Konzertgitarristen Martin Haberer. Und wer sich richtig Zeit nimmt, kann unter den 45 Plakaten noch so manches andere künstlerische Kleinod entdecken.
Dass dieser Teil der Aktion „Kunst bleibt“ jede Menge Publikum finden wird, steht außer Frage. Sicher darunter auch einige Zeitgenossen, die bisher einen weiten Bogen ums Ex-Geschäft gemacht haben. Eine Wirkung, die aus eigenem künstlerischen Wollen entsteht und sicher auch eine Leuchtturmfunktion haben wird.
Mit Ideen und Engagement kann man sehr viel erreichen. Wenn man nur will. Mit ähnlichen Ideen könnten die zuständigen Verwaltungsstellen in Zukunft gleichfalls zu einem positiveren Stadtbild beitragen. Da kann man gespannt sein. Im weitesten Sinne Kunst gibt’s in Lautern ja zuhauf. Man muss sie nur nutzen wollen.
Info
Ab dem 2. März hängen außerdem wieder 45 Motive in den Leuchtkästen der Werbefirma Wall.