Handball Plötzlich ruft der Bundestrainer an

Trägt das Nationaltrikot: Michel Fiedler.
Trägt das Nationaltrikot: Michel Fiedler.

Für Michel Fiedler hat sich ein großes Ziel erfüllt, das er sich für dieses Jahr gesteckt hatte: Martin Heuberger lud den 19-Jährigen zum Lehrgang der U21-Nationalmannschaft ein. Vier Tage lang war der Torwart des TuS Dansenberg am Bundeswehrstützpunkt in Warendorf, lernte viel, weiß aber auch, dass er noch viel arbeiten muss, wenn sich sein nächstes großes Ziel erfüllen soll: ein Einsatz bei der Heim-WM im nächsten Jahr.

Von 20. Juni bis 2. Juli startet die U21-Weltmeisterschaft in Deutschland und Griechenland, und Michel Fiedler, 19-jähriger Torhüter des TuS Dansenberg, könnte, wenn alles gut läuft, dabei sein. Auf Einladung von Bundestrainer Martin Heuberger war er bis Mittwoch beim Lehrgang der U21-Nationalmannschaft in Warendorf. Dabei ging es unter anderem um Taktik, Abwehr, Angriff, Umschaltspiel, Passen, Blocken. Ziele und mögliche Gruppenkonstellationen.

Fiedler ist einer von vier Torhütern, von denen bis zu drei zur WM fahren werden. Außer ihm dabei: Lasse Ludwig (VfL Potsdam, Füchse Berlin), David Späth und Mats Grupe, beide (Rhein-Neckar-Löwen). Alle vier starten mit in die Vorbereitung. In Warendorf waren Fidler und Grupe dabei, beim nächsten Lehrgang sind die anderen beiden an der Reihe. Fiedler und Späth dürfen dann im März wieder ran. „Der Trainer wird abwechseln, bis er die zwei oder drei gefunden hat, die mitfahren werden und endgültig im Kader sind“, erklärt Fiedler. Der zugibt, dass der Lehrgang anstrengend war. Zwei Trainingseinheiten standen pro Tag an, plus zusätzliche Programmpunkte. Beispielsweise ein Torhütertest. „Wir haben an einer Studie von Oldenburg teilgenommen, haben neben dem Training per Laptop 144 Wurfszenen gesehen und mussten kurz bevor der Abwurf war antizipieren, in welche Ecke der Ball geht. Die Szene hat geendet – es waren reale Spielszenen von der A-Nationalmannschaft und von der U21. Du konntest dann anklicken, ob er im Tor links oder rechts oben oder unten landen wird.“ Der Hesse fand die Übung interessant, „aber auch relativ anstrengend“.

Emotionen und Ehrgeiz

Dabei sind genau solche Szenen seine Stärke. „Mein Magdeburger Trainer hat mal gesagt, dass ich dafür einen Instinkt habe.“ Was Michel Fiedler sonst gut kann: reagieren und schnell sein. Und was ihn noch ausmacht: „Ich komme viel über die Emotionen und über den Ehrgeiz.“

Genau dieser Ehrgeiz war es auch, der ihn mit damals noch 18 Jahren nach Dansenberg geführt hat. Fiedler wollte Spielpraxis bekommen, „bei einem Drittligaverein auf Topniveau“, auch wenn sein Kindheitstraum mal war, in Magdeburg in der Zweiten Liga zu spielen.

Die Rechnung – oder wie er es sagt das Pokerspiel – ging auf: Er fühlte sich in Dansenberg sofort wohl, wurde von der Mannschaft mit offenen Armen empfangen. Und auch vom Trainer. „Er war für mich einer der Gründe, warum ich dorthin gekommen bin“, sagt Fiedler. Für ihn war das Verhältnis zu Frank Müller fast ein väterliches. „Er hat genauso wie ich für Handball gebrannt. Er lebt Handball, ähnlich wie ich das auch tue.“ Als Müller verkündete, dass er den Verein verlassen werde, habe ihn das schwer getroffen. „Ich habe die ein oder andere Träne verdrückt“, gibt er zu.

Die Bombe platzt

Seinen Kontrahenten Frederick Lüpke, der Zweitligaerfahrung hat, schätzt Fiedler sehr. „Von ihm kann ich nur lernen. Dass er so gut ist, ist perfekt. So pusht man sich gegenseitig immer höher und weiß, wenn man nicht 120 Prozent im Training gibt, ist man hinten dran.“

Dass es für ihn und das Team anfangs noch nicht so gut lief in Dansenberg, wurmte ihn sehr. Michel Fiedler hoffte trotzdem auf den Durchbruch. Dann kam das Spiel bei der HSG Pohlheim, in seiner Heimat. Freunde hatten sich angekündigt, und für Fiedler, der über die Emotion kommt, war klar, dass er da noch mehr brennen wird als vorher. Nach zehn Minuten platzte die Bombe, wie er sagt. Der 19-Jährige lief zu Höchstform auf und machte ein überragendes Spiel. Heute glaubt er, dass genau das auch der Knackpunkt gewesen sein könnte, der letztendlich zum Anruf des Bundestrainers führte. „Im Endeffekt braucht man auch immer ein bisschen Glück“, sagt er und erzählt, dass Heuberger über seinen Schritt nach Dansenberg informiert war, genau die Phase, in der es plötzlich richtig gut lief, mitbekommen hatte.

Lehrgangserfahren

Der Lehrgang in Warendorf war nicht der erste für Michel Fiedler. Er wurde ein paarmal für die U17 eingeladen. Doch ein Bündelriss im Oberschenkel warf ihn zurück und bremste ihn lange aus. „Das war in der Zeit, als ich noch bei Hüttenberg gespielt habe“, berichtet er. Nachdem er von Hüttenberg zur Jugend des SC Magdeburg gewechselt war, war er zunächst nicht mehr im Fokus, wurde aber schließlich vom damaligen Jugendbundestrainer Erik Wuttke zweimal eingeladen zu U19-Lehrgängen. Bis sein Weg nach Dansenberg führte, wurde er ein halbes Dutzend Mal von Martin Heuberger eingeladen. Die Einladung jetzt war die erste, seit er beim TuS ist.

„Mein persönliches Ziel für 2022 war es, wieder in den Fokus der Nationalmannschaft zu kommen und anzugreifen für die Heim-WM. Das habe ich jetzt kurz vor Jahresende gerade noch geschafft“, erzählt er grinsend. Die Einladung sei für ihn gerade in dieser Phase mental wichtig gewesen. Auch wenn er inzwischen weiß, dass es gerade in seinem Alter immer wieder mal Schwankungen im Spiel oder in der Saison gibt. Er gönnt es seinem Kollegen im Dansenberger Tor, dass der gerade extrem stark ist. Aber der Weggang von Müller, der ihm viel mit auf den Weg gegeben hat. schmerzt. „Jetzt kann ich das Jahr gut und positiv abschließen“, sagt Fiedler, der in Kaiserslautern wohnt, Biologie und Sport auf Lehramt studiert, immer wieder zu seiner Familie, seinen Freunden und seiner Freundin in seiner hessischen Heimat pendelt.

Wie es weitergeht

Weihnachten verbringt er in Hessen, im Januar will er in Dansenberg wieder angreifen, mit dem TuS eine gute Rückrunde spielen und von dem profitieren, was er bei den Lehrgängen lernt. „Das sind alles Erfahrungen, die man mitnehmen kann. Ob es am Ende reicht, weiß ich nicht, aber ich kann dann sagen, ich habe alles reingeworfen“, sagt Fiedler, der sich immer hohe Ziele steckt und sehr ehrgeizig ist. „Ich bin einer, der relativ weit nach vorne kuckt, will cleverer sein als die anderen, einen Step voraus sein. Schließlich gibt es viele gute Torhüter, und der Konkurrenzkampf ist sehr hoch.“

Sein neues Ziel ist klar: „Ich will mich festigen in der Nationalmannschaft. Die Nominierung soll kein Zufall sein. Ich weiß von Trainer Heuberger, dass ich mich noch auf zwei, drei Lehrgängen beweisen kann. So ein Länderspiel wäre schon ein Traum...“

Zur Person:

Michel Fiedler

Der 19-jährige Handballtorwart stammt ursprünglich aus Hessen, ist in einem Vorort von Gießen aufgewachsen. Er war für den TV Hüttenberg, die HSG Wetzlar und HSG Wettenberg aktiv, verbrachte seine Jugendzeit beim SC Magdeburg, spielte mit der A-Jugend um die deutsche Meisterschaft und hatte bereits Einsätze in der Dritten Liga, bevor er zum Handball-Drittligisten TuS Dansenberg wechselte, wo er einen Zwei-Jahres-Vertrag unterschrieb. Er studiert Biologie und Sport auf Lehramt und wurde mehrfach zu Lehrgängen der Jugendnationalmannschaften eingeladen.

Stellte sein Können im Tor des TuS Dansenberg unter Beweis.
Stellte sein Können im Tor des TuS Dansenberg unter Beweis.
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