Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Pionier fürs Medizin-Studium in Ungarn

In Ungarn werden Medizin-Studenten ausgebildet.
In Ungarn werden Medizin-Studenten ausgebildet.

Ab dem Herbst werden Nachwuchsmediziner für die „Alte Welt“ und die Westpfalz in Ungarn ausgebildet. Eine im Februar ins Leben gerufene Initiative hat Kontakte geknüpft, 16 Studienplätze reserviert und Stipendien ausgeschrieben. Wie sieht der Alltag aus in der Uni in Pécs aus? Hendrik Hagner aus Kottweiler-Schwanden berichtet von arbeitsintensiven Wochen und Monaten, aber auch von einem großen Zusammenhalt und guten Studienbedingungen.

8 Uhr Vorlesung zu Endokrinologie, danach Pause und ein wenig Vorbereitung auf die anschließenden Stunden in der Klinik, wo Kinderheilkunde und Lungenfachabteilung auf dem Programm steht. Dann heim und weiter an der Diplomarbeit schreiben. Hendrik Hagners Tag ist ausgefüllt. Der 26-Jährige aus Kottweiler-Schwanden studiert Medizin an der Uni im ungarischen Pécs, er ist im fünften Jahr und vollendet im Sommer sein zehntes Semester. „Der Zeitplan ist schon stramm“, berichtet er im Gespräch mit der RHEINPFALZ, schiebt allerdings sofort hinterher, dass er nirgendwo anders zum Mediziner ausgebildet werden möchte. „Ich finde es absolut klasse hier.“

Als der junge Mann die zehnte Klasse besuchte, rückte der Studienwunsch Medizin zum ersten Mal in den Fokus von Hagner. Voraussetzung für ein Studium: erstmal Abitur. Also ging Hagner nicht nach der zehnten Klasse ab, schlug den Weg in die Oberstufe ein und machte seinen Abschluss. „Ich wusste, dass es vom NC in Deutschland nicht reichen würde für ein Medizinstudium“, blickt Hagner zurück. Also suchte er nach Alternativen. Eine einfache Google-Recherche brachte ihn auf die Spur nach Ungarn. Die Uni in Pécs, einer überschaubaren Stadt mit rund 160.000 Einwohnern, bot ein Medizinstudium an, dessen Zugangsvoraussetzungen Hagner erfüllen konnte. Obendrein findet die Lehre dort in Deutsch statt. Nach einem dreitägigen Besuch gemeinsam mit seinem Vater war Hagner sicher: „Das passt.“

Schauspieler helfen bei der Ausbildung

Hagner ist quasi ein Pionier, was die Ausbildung des medizinischen Nachwuchses für die Region bedeutet. Mitte Februar präsentierten die Führungsköpfe der Landkreise Kusel, Bad Kreuznach, Kaiserslautern, Südwestpfalz, des Donnersbergkreises und der kreisfreien Städte Pirmasens, Kaiserslautern und Zweibrücken eine gemeinsame Initiative, mit der junge Menschen aus der Region zu Ärzten für die Region ausgebildet werden können. Als Partner konnte eben jene Universität in Pécs in Ungarn gewonnen werden, ebenfalls im Boot sind das Westpfalz-Klinikum und der Verein Zukunftsregion Westpfalz.

Hagner berichtete aus erster Hand, wie ein Studium in Ungarn abläuft. Besonders hob er den engen Kontakt zu den Dozenten hervor, die quasi „Tag und Nacht für uns Studenten erreichbar sind“. Auch die Studierenden fänden schnell Kontakt zueinander. „Der Zusammenhalt ist groß, jeder kennt jeden.“ Aber Studieren in einem fremden Land? Dessen Sprache nun auch nicht jedermann so nebenbei erlernen kann? „Es erweitert den Horizont“, findet Hagner. Er habe schon als Kind mit seinen Eltern einige Ecken der Welt bereist, Berührungsängste mit der Fremde habe er daher kaum gehabt. Die Unterrichtssprache sei zwar Deutsch, im ersten Jahr stehe aber auch Ungarisch auf dem Stundenplan. Denn: Bei der Ausbildung in den Krankenhäusern vor Ort müsse die Verständigung mit den Patienten klappen. Zuvor werde daher mit Testpatienten trainiert. „Das sind ausgebildete Schauspieler“, berichtet Hagner.

15.000 Euro Studiengebühren pro Jahr

Ein Teil des medizinischen Nachwuchses für die Region soll nun ab dem Herbst an der Uni Pécs ausgebildet werden. „Ich hätte mich gerne darauf beworben“, sagte er über die neuen Möglichkeiten, die sich angehenden Medizinern in der Westpfalz nun bieten. 16 Studienplätze, zwei pro Gebietskörperschaft, sollen dort künftig für Bewerber aus der Westpfalz freigehalten werden. Bewerbungen nimmt ein eigens dafür gegründeter Verein („Ärzte für die Westpfalz“) entgegen, gleichzeitig wird der Verein auch über die Vergabe von Stipendien entscheiden. Denn: Das Studium in Ungarn ist nicht umsonst, pro Jahr fallen Gebühren von 15.000 Euro an. Finanziert werden sollen diese über Spenden, grob gerechnet kostet die Finanzierung von 16 Vollstipendien pro Jahr rund 240.000 Euro.

Und dafür haben die Studierenden einiges zu tun, das Studium ist straff organisiert, von 8 bis 15 Uhr regelten vorgegebene Stundentafeln den Betrieb. Womit Hagner beim einzigen Negativpunkt des Studiums in Pécs anlangt: „In Deutschland ist das Studium freier gestaltbar.“

Studiert im fünften Jahr Medizin im ungarischen Pécs: Hendrik Hagner.
Studiert im fünften Jahr Medizin im ungarischen Pécs: Hendrik Hagner.
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