Kulturzentrum Kammgarn RHEINPFALZ Plus Artikel Philipp Dittberner-Tour: Finale für einen glänzenden Entertainer

Philipp Dittberner sang nicht nur, er hatte auch viel zu erzählen.
Philipp Dittberner sang nicht nur, er hatte auch viel zu erzählen.

Es war das letzte Konzert seiner Tournee, zugleich das Nachholkonzert für das abgesagte Event. Und Philipp Dittberner legte sich dafür noch einmal mächtig ins Zeug.

Dittberners Auftritt im brechend vollen Cotton Club der Kammgarn am Dienstagabend dürfte einer der bemerkenswertesten der gesamten Konzertreise gewesen sein. Bevor der Berliner Singer/Songwriter und seine Band loslegten, gab sich aber erstmal Hanna Rautzenberg die Ehre. Hanna wer? Die junge Künstlerin vermutete zum Anfang ihres Gigs selbst, dass man ihren Namen vermutlich noch nie gehört habe. Das dürfte sich aber ganz schnell ändern.

Nur mit einer perfekt gespielten Gitarre und ihrer ausdrucksvollen Stimme gelang es der zunächst noch etwas nervös wirkenden Musikerin, mit selbst geschriebenen englischsprachigen Titeln irgendwo zwischen Pop- und Indie-Welt das große Publikum ziemlich bald und dann auch anhaltend in Stimmung zu bringen.

Schnuffi macht schlapp

Behilflich war ihr später und dann besonders in rhythmisch treibenden Titeln wie „Halloween“ ein elektronischer Equipments-Gehilfe namens „Schnuffi“. Als der einmal so gar nicht launig, wie es der Name vermuten lassen könnte, mitten im Song einen Aussetzer hatte, war das für Rautzenberg überhaupt kein Problem. Sie startete, inzwischen ganz selbstsicher, das Gerät und den Song einfach stoisch neu und performte das Stück unter dem anerkennenden Applaus des Publikums wirkungsvoll bis zum Ende. Ein echter Profi eben. Im nächsten Jahr startet Hanna Rautzenberg denn auch ihre eigene Headliner-Tournee. Den Namen sollte man sich nicht nur deswegen merken ...

Gefühlvoll sang Philipp Dittberner auch ganz persönliche Songs.
Gefühlvoll sang Philipp Dittberner auch ganz persönliche Songs.

Waren die Lieder von Hanna Rautzenberg zum Teil schon recht persönlich und tiefgreifend, so legte Gitarrist/Sänger Philipp Dittberner danach in dieser Hinsicht sogar noch eins drauf. Zusammen mit seiner fähigen, auch in komplizierten Passagen spursicher agierenden Begleitband – bestehend aus Gitarrist Florian Fleischer, Keyboarder Jonas Krampe, Bassist Chris Rodriguez und Schlagzeuger Andre Wenzlitschke – präsentierte Dittberner moderne, ansprechende deutsche Titel mit Tiefgang.

Themen mit Tiefgang

Die Themen in Liedern wie in „So kann es weitergehen“, „Tretboot“ und dem erfolgreichen Frühwerk „Wolke 4“ sind tiefe Gefühle und einschneidende Erlebnisse: Es geht um wahre Liebe und echte Freundschaft, selbst erlebten drohenden Verlust („Winter“) und um geschätzte liebe Personen wie seine inzwischen verstorbene Oma, die, so erzählt er es anrührend, ihm einst die Welt der Musik eröffnete. Seiner Großmutter widmete er auch den bei ihr als Kind oft gehörten alten Hildegard-Knef-Hit „In dieser Stadt“ in einer neuen, modernisierten Form. Sie kam an diesem Abend beim begeisterten Publikum besonders gut an.

Zu seinem Erfolgsrezept bei Live-Auftritten zählt auch, dass Philipp Dittberner ein glänzender Entertainer ist, der sich nicht „nur“ der reinen Musik widmet. So erzählte er im Cotton Club zwischendrin gerne von den Entstehungsgeschichten seiner Songs, auch berichtete er gut gelaunt von Anekdoten aus seiner nun immerhin schon zehn Jahre währenden Karriere (so etwa einen filmreifen Hosenverlust während seines ersten Live-Auftritts) und ließ publikumswirksam einen eifrigen Jungen ganz vorne an der Bühne den nächsten Titel ansagen. Das kam an.

Outing als Lautern-Fan

Ebenfalls gut kam an, dass er den Namen unserer Stadt (wo er übrigens schon mehrmals gastierte) eleganter als manch andere Musiker in die Ansagen integrierte und sogar in ihrer Kurz- und Koseform „Lautre“ korrekt artikulierte. Wen wundert's: An einer Stelle des Abends bekannte er freimütig: „Ich habe mich ein bisschen in eure Stadt verknallt“ – man glaubte es ihm durchaus.

Seine Show kam bestens an: Philipp Dittberner im brechend vollen Cotton Club.
Seine Show kam bestens an: Philipp Dittberner im brechend vollen Cotton Club.

Noch ein paar launige Bemerkungen zu seinem angeblich schwer zu merkenden Namen (der schon ungezählte Male verballhornt wurde), ein flottes Gewinnspiel und ein Duett mit seiner Supporterin Hanna Rautzenberg – es fehlte wahrlich an nichts an diesem Abend, was diese letzte Station der Tour für die Künstler und das in mehrfacher Hinsicht unterhaltsame Konzert an sich für die offensichtlich zufriedenen Fans zu einem runden Erfolg machte.

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