Kaiserslautern
Pfalzphilharmonie feiert Johann Strauss
Der Walzerkönig Strauss wurde vor 200 Jahren geboren. So bot sich der Pfalzphilharmonie unter Leitung von Generalmusikdirektor Daniele Squeo ein Neujahrskonzert als klingende Hommage an den damals wie heute international geschätzten „Walzerkönig“ geradezu an. Es würde den vielfältigen Finessen wie Leichtigkeit und Eleganz sowie Rasanz nicht gerecht, täte man die Ouvertüren (etwa zur Operette „Zigeunerbaron“) oder brillanten Bravournummern (wie die „Tritsch-Tratsch-Polka“) als vermeintlich leichte Muse ab.
Denn virtuose Soli der Holzbläser, bezaubernde Kantilenen vom Solocello, perfekte Synchronisation im Streicher-Pizzicato-Spiel (bei einer Polka für Streicher gezupft) bewiesen vor ausverkauftem Haus, dass hinter dem eleganten und flüssigen Notenflug Schwerstarbeit steckt. Filigrane melodische Linien, nahtlose Übergänge sowie Squeos fordernd packender gestalterischer Zugriff ließen die Klassiker der Gattungen Konzertwalzer, Polka und Galopp niemals abgespielt wirken.
Das war viel, aber ...
Das lag auch an herausragenden Solisten und Stimmführern, allen voran die Soloflötistin. Dazu feinsinnig und filigran gestaltende Solisten im Register von Klarinette und Fagott, alle inspiriert vom Dirigenten. Nicht minder vom sehr engagiert alles angehenden Konzertmeister Ivan Knezevic. Moderator und Chefdramaturg Andreas Bronkalla führte informativ durchs Programm. Er vermittelte nicht nur Hintergrundwissen über diese Ära und ihre Komponisten, sondern konnte auch das Lebensgefühl und Flair durchschimmern lassen.
Summa summarum ist das schon sehr viel an spielerischer Klasse und Selbstdarstellung - und doch für ein Neujahrskonzert heute im Vergleich zu anderen Veranstaltern bei weitem nicht genug. Inzwischen sind solche Veranstaltungen nicht nur klassische, konventionelle Konzerte mit schablonenhaften Ablauf.
Walzerseligkeit ohne rechten Schmäh
Vielmehr könnten sie eine „Spielwiese“ bieten, auf der sich neue zündende Ideen tummeln. Als da sind: Gags, Sketche und Verkleidungen des Moderators (wie Tags zuvor etwa in der Fruchthalle nebenan). Für ein Theater wäre das eine Chance zur Selbstdarstellung von vielen ineinandergreifenden Sparten, auch Tanz, Schauspiel oder hier der fehlende Sologesang. Immerhin hätte allein der waschechte Wiener Komponist, Kabarettist und Musiker Georg Kreisler viele textliche und musikalische Steilvorlagen geliefert.
So blieb es leider bei einer Abfolge von Kompositionen ohne Wiener Schmäh, also ohne humoristische Einlagen und noch nicht mal ein Bühnenbild von Wien (als Projektion etwa). Wer könnte dem Pfalztheater mit Fantasie und Kreativität und Experimentierlust auf die Sprünge helfen und eine interdisziplinäre Vernetzung der Sparten bei solchen Projekten auf die Beine stellen? Vielerorts perlen bei solchen Konzerten nicht nur die Sektbläschen. Es sprudeln durchaus auch neue Ideen wie Überraschungseffekte sowie Situationskomik, nicht selten wird gerade in Wien und Salzburg Humor mit der Brechstange geboten. Als Kontrast zu einer minimalistischen Theaterauffassung beim Pfalztheater.
Info
Das Neujahrskonzert mit der Pfalzphilharmonie wird am morgigen Samstag, 19.30 Uhr, im Großen Haus des Pfalztheaters Kaiserslautern wiederholt.
Karten sind unter Telefon 0631 3675-209 erhältlich.