Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Pfalzbibliothek Kaiserslautern: Fotografien von Günther Wilhelm zur Schau „Amipfalz“

Hat nicht nur ein gutes Auge, sondern beherrscht auch ungewöhnliche Techniken: Fotokünstler Günther Wilhelm in der Ausstellung.
Hat nicht nur ein gutes Auge, sondern beherrscht auch ungewöhnliche Techniken: Fotokünstler Günther Wilhelm in der Ausstellung. Foto: Girard

Menschenleer, überwuchert, verrottet und verrostet sind die ehemaligen amerikanischen Militärgebäude und Areale, die der Ludwigshafener Fotokünstler Günther Wilhelm abgelichtet hat. Dies allein würde für die apokalyptische Stimmung seiner Werke ausreichen. Wesentlich verstärkt wird die Wirkung allerdings durch die gefühlvollen Bildkompositionen und durch den Einsatz historischer Fototechniken.

Diese drei Faktoren zusammen verleihen den etwa auf dem alten Flugplatz Sembach oder der Pirmasenser Husterhöhe aufgenommenen Bildern einen surrealen Charakter. So könnten diese Arbeiten als Szenen für düstere Endzeit-Filme dienen. Schwer dräuende, weißlich-graue Wolkengebirge vor einem bleiernen Himmel. Darunter leerstehende, wuchtige Militärgebäude, die Luft schweflig-gelb und toxisch. So mag es aussehen, wenn ein Supervulkan ausgebrochen ist oder in Folge massiver Methanausbrüche die Temperaturen auf der Erde denen des Mars gleichen.

Wässrig blau die Himmel, dünn und zart das hohe Gras

Weitere Werke Wilhelms wirken fast durchscheinend und leicht. Wässrig blau die Himmel, dünn und zart das hohe Gras, das sich an fragil wirkenden Zäunen emporarbeitet. Natur, die menschengemachte Absperrungen ad absurdum führt und sich diese letztlich einverleibt. Vergänglichkeit, die man nicht übersehen kann und die durchaus auch etwas Beruhigendes hat. Da fällt einem vielleicht der alte Berliner Spruch ein: „Nur nich so uffgerecht, wir werden alle in die Grube gelecht.“

Aber Günther Wilhelm ist nicht nur ein begnadeter Fotokünstler, er ist auch Bewahrer althergebrachter Fotografietechniken. Die Verfahren aus der Mitte des 19. Jahrhunderts sind handwerklich aufwendig und kompliziert. Verschiedenste Chemikalien kommen zum Einsatz, belichtet wird oft unter der Sonne und die verwendeten Papiere sind schwer und handgemacht. So entstehen tiefe, reiche Farben in seltener und ungewöhnlicher Ausprägung. Oder monochrome Werke, die man für hundert Jahre alt halten könnte. Eine wirklich seltene Fotoschau, für die man sich Zeit nehmen sollte.

Info

Die Fotografien von Günther Wilhelm sind in der Ausstellung „Amipfalz“ bis Mitte Januar in der Pfalzbibliothek zu sehen. Montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr, samstags von 10 bis 14 Uhr.

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