Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Pfälzer Designer will mit Mini-Camper durchstarten

Martin Paul Hoffmann mit dem von ihm entwickelten Zelt- und Campinganhänger.
Martin Paul Hoffmann mit dem von ihm entwickelten Zelt- und Campinganhänger.

Verändert ein Mini-Camper aus Kaiserslautern den Markt? Martin Paul Hoffmann hätte sicher nichts dagegen. Wie sein Produkt ankommt, müsse man aber abwarten, sagt er. Mit einem Kollegen hat er einen Anhänger samt Zelt entwickelt, bei dem er sicher ist: Er könnte „ein Riesenproblem“ lösen.

Er ist gut 2,90 Meter lang, 1,70 Meter breit und zugeklappt 98 Zentimeter hoch, hört auf den Namen Booba. Aufgeklappt bietet er innen zwei Leuten Platz zum Schlafen, dazu einen kleinen Sitzbereich. Im Anhänger befindet sich ein Zelt, das sich innerhalb von wenigen Minuten drum herum aufbauen lässt. Für „jemanden, der die Natur ungefilterter erleben will“, hat Martin Paul Hoffmann das alles entwickelt. Für den Wochenendausflügler, „der mit dem Rad in der Vorderpfalz unterwegs ist“ oder ein Weinfest besucht, für die Übernachtung aber kein teures Hotel buchen will, zum Beispiel. Oder für Outdoor-Begeisterte, die bei einer Rundreise einige Tage unabhängig sein wollen, ihn ausleihen können, erklärt er.

Das alles, weil er als Produktdesigner schon zu viele gleiche Produkte gesehen habe, alle Hersteller „haben eigentlich eine identische Zielgruppe, alle ab 40, gut betucht, die das Campen schon immer lieben“. Ein „Riesenproblem“ sei, „dass nur das Premium-Segment bei den Campinganhängern so richtig bedient wird“. Doch Hoffmann ist überzeugt: „Wir können doch nicht alle auf großem Fuß leben.“ Mit dem Zeltanhänger will er zusammen mit seinem Geschäftspartner Thomas Offenbeck ein „Vernunftprodukt in schöner Verpackung“ dagegensetzen.

Für alle, die „raus aus dem Alltag“ wollen

Sein Wunsch: Mit dem Hänger etwas entwickelt zu haben, das Leute dazu bewege, „dass man mit weniger auch glücklich sein kann“. Glaubt er den Reaktionen vieler Menschen, die das Gefährt bei der letzten Reise- und Freizeitmesse free gesehen haben, könnte es „die Zukunft“ sein. Das habe jedenfalls einer der Besucher im Februar gesagt. Auch die Jury des Designpreises Rheinland-Pfalz, der vom Wirtschaftsministerium vergeben wird, hat der Anhänger überzeugt.

Hoffmann und Offenbeck haben vor gut drei Jahren urbanoid gegründet, eine Firma, die mit neuen Produkten im Freizeitbereich „im urbanen Umfeld“ Fuß fassen will.

Noch steht das Zelt in einem Kaiserslauterer Hinterhof. „Einfach kurz raus aus dem Alltag“ ist das Motto, das hinter der Konstruktion steckt. Hoffmann ist gebürtiger Lauterer, lebte als Produktdesigner lange Jahre im Ausland: in London, in der Schweiz. „Ich habe viel im Outdoor- und Sportbereich gearbeitet“, erzählt er. Auch selbstständig mit eigener Firma war er schon. Die Affinität zu solchen Produkten sei seit langem da gewesen. „Und ich habe schon immer gerne den Markt beobachtet, geschaut, welche Produkte es gibt und mich gefragt, was eigentlich noch fehlt.“

Kunstlehrer, Tüftler, Produktentwickler

So kam „die Idee bestimmt schon vor zwölf Jahren“, einen Anhänger zu bauen, der mit wenig Aufwand und recht geringem Energieverbrauch ermöglicht, in die Natur zu fahren, gleichzeitig eine „bequeme Übernachtungsmöglichkeit“ bietet, ein wenig Komfort dazu. „Für ein Publikum, das sowieso viel draußen ist.“ USB-Anschlüsse hat der kleine Wagen, ein Kühlfach ist integriert, dazu ein Tischchen, an dem am Laptop gearbeitet werden kann. Es gibt weitere Staufächer, für Bettwäsche beispielsweise. In zwei stillgelegten Auspuffrohren ist eine Kaltwasser-Außendusche – der Anhänger verfügt über einen Wassertank – und ein Landstromanschluss ist integriert.

„Nebenher“ und „am Wochenende“ tüftelten Offenbeck und Hoffmann für ihre Firmengründung an den verschiedenen Funktionen, erdachten die Form, frästen und konstruierten den aus Glasfaserverstärktem Kunststoff bestehenden Anhänger und das Zelt, das sich durch Luftschläuche per Knopfdreh aufstellt. Befreundete Handwerker halfen mit, ein Schweißer, ein Lackierer, andere stellten ihre Werkstatt zur Verfügung. Nur so sei es möglich gewesen mit vergleichsweise wenig Geld – etwa 20.000 Euro – bei der Entwicklung auszukommen. Nun steht der Prototyp im Hof von Hoffmanns Haus. „Um Geld zu verdienen“ arbeitet er als Vertretungslehrer für Bildende Kunst am Burggymnasium. Denn mit dem Start-up „verdienen wir seit drei Jahren kein Geld, null“, sagt er.

Auch Kleinwagen können den Anhänger ziehen

Kann der Anhänger samt Zelt nach den Mühen der Entwicklung den Campingmarkt verändern, vielleicht sogar revolutionieren? So weit würde Hoffmann nicht gehen. „Ich bin nicht der Typ dafür“, sagt er. Doch „wir halten uns mit Sicherheit für sehr innovativ damit“. Davon, „das richtige Produkt zu haben“ sind sie überzeugt, „auf jeden Fall“. Aber die Wahrheit sei nun einmal „auf dem Platz“, oder wie im Falle der Produktdesigner auf der Messe im nächsten Februar. Ab da soll der Mini-Camper made in Kaiserslautern bestellbar sein. Für 10.900 Euro pro Stück, sagt Hoffmann. Etwa 50 müssten bestellt werden, damit die Produktion starten könne. Gefertigt wird der Hänger dann in Polen, das Zelt kommt aus China.

Für Hoffmann macht seinen Anhänger aus, dass man ihn „mit einem Elektroauto und Kleinwagen ziehen kann“, ein Fiat 500 beispielsweise habe damit kein Problem, sagt er und spielt ein Video ab, das das Auto samt Hänger bei der Überfahrt über eine Brücke zeigt. Ob seine Idee den Markt erobern werde oder nicht, „muss sich zeigen“. An sein Produkt glaubt Hoffmann in jedem Fall, doch der Camping-Trend sei vielleicht auch nicht mehr ganz so stark wie zu den Corona-Jahren. „Wir werden sehen“, sagt er.

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