Kaiserslautern Persönlich kennengelernt
Neue Kontakte knüpfen und Menschen anderer Kulturen kennenlernen – dieser Brückenschlag war Ziel des Begegnungsfests mit Flüchtlingen, das die Neue Arbeit Westpfalz (NAW) und die Evangelische Stadtmission Kaiserslautern am Sonntag ausgerichtet haben.
Im Hof der Evangelischen Stadtmission ging es bunt zu. Auf den langen Bänken rutschten die Besucher zusammen, nebenan spielten Kinder, am Keyboard haute ein junger Mann in die Tasten. Dazwischen herrschte ein Kommen und Gehen, das Karl-Richard Albus, Vorsitzender der Stadtmission Kaiserslautern, mit einem Dauerlächeln quittierte. „Dass die Resonanz auf das Begegnungsfest so groß ist, übertrifft meine Erwartungen. Ich freue mich sehr.“ Gut 250 Besucher aller Generationen und unterschiedlicher Nationalitäten waren der Einladung gefolgt. Die kulturelle Vielfalt spiegelte sich auch in dem Mittagsbüffet wider, das auf mehreren Metern Speisen aus aller Welt präsentierte. Zum großen Teil war es Mahmoud Abo Alnar, gelernter Koch aus Aleppo, zu verdanken. Bereits am Vortag hatte er sich daran gemacht, Gerichte aus seiner syrischen Heimat zuzubereiten. „Aber auch Mitglieder aus unserer Gemeinde haben Speisen mitgebracht“, sagte Albus. „Das hat schon Tradition. Denn an jedem zweiten Sonntag im Monat essen wir im Anschluss an den Gottesdienst gemeinsam zu Mittag, und jeder steuert etwas dazu bei.“ In nahezu jedem Stockwerk des Friedrich-Krieg-Hauses waren die Tische besetzt, selbst im Hof war kaum noch ein Platz zu finden. Überall gesellten sich die Menschen zueinander und kamen in lockerer Atmosphäre ins Gespräch. „Das ist genau das, was wir mit dem Fest beabsichtigt haben“, bestätigte Gabi Schellhammer, Geschäftsführerin der Neuen Arbeit Westpfalz (NAW) im Ökumenischen Gemeinschaftswerk Pfalz. „Es soll dazu beitragen, dass sich die Flüchtlinge, die hier wohnen, und ihre Nachbarn besser kennenlernen.“ Also ein Schritt zur Integration, der auch für die Asylbewerber, die quasi um die Ecke im Hotel Zepp in der Pariser Straße wohnen, wichtig ist. Angemietet von der Stadt, dient das 39-Zimmer-Haus seit Februar als Flüchtlingsunterkunft. Beauftragt mit der Organisation des Hauses und der Betreuung der Bewohner ist die NAW. „Zurzeit sind 26 der insgesamt 54 Plätze belegt. Unter den Bewohnern sind auch Familien mit Kindern und eine alleinerziehende Mutter“, berichtet Schellhammer. „Sie versorgen sich selbst, führen sozusagen ihren eigenen Haushalt. Trotzdem brauchen sie in Etlichem Unterstützung, deshalb sind immer Mitarbeiter vor Ort.“ Die kümmern sich darum, dass die Menschen nach ihrer Ankunft alles Nötige bekommen, von Kleidung bis zu Geschirr. „Außerdem helfen wir ihnen, wenn es um Arztbesuche oder Behördenangelegenheiten geht, machen Termine für sie und sind für alle Fragen offen“, beschreibt die Hauswirtschafterin Cornelia Nasshan-Köhler das Angebot. „Und wir fördern die Kontaktaufnahme untereinander und nach außen hin“, ergänzt Sozialarbeiterin Katharina Rewin. „Gerade dabei sind wir gefragt. Denn anfangs ziehen sich viele zurück, um zu verarbeiten, was sie auf der Flucht erlebt haben. Wenn sie bereit sind, unter Menschen zu gehen, brauchen sie Unterstützung.“ Diese will auch die Stadtmission bieten, unter anderem mit Deutschkursen. Denn Sprache ist der beste Schlüssel zur Integration. Das weiß auch Khaled. Er ist mit seinem Sohn und seinen beiden Schwiegersöhnen im Oktober vergangenen Jahres aus Damaskus geflohen. Zwischen ihrem Aufbruch und der Ankunft in Deutschland im November lagen Wochen der Gefahr und Angst. Vor allem auf der Überfahrt von der Türkei nach Griechenland, in einem voll besetzten, nur acht Meter langen Schlauchboot. „Darauf drängten sich 40 Personen, darunter auch kleine Kinder“, berichtete der 53-jährige Syrer am Sonntag in erstaunlich gutem Deutsch. „Das Meer war unruhig und die Wellen schlugen so hoch, dass sie in das Boot schwappten. Wir mussten immer wieder Wasser schöpfen.“ Es war eine riskante Fahrt, doch für Angst habe er selbst keine Zeit gehabt. „Ich war viel zu sehr damit beschäftigt, aufzupassen, dass meinen drei Jungs nichts passiert.“ Mit ihnen wohnt er seit Dezember in Erfenbach. Zurückgelassen hat er seine Frau und seine beiden Töchter – die er hofft nachholen zu können – sowie seinen Job als Reisebürodirektor. Nun steht er vor einem Neuanfang. Die Kontakte zu anderen Menschen erleichtern ihm diesen. Deshalb ist Khaled offen für neue Begegnungen. Die Chance zur Begegnung haben viele Besucher an diesem Sonntagnachmittag genutzt, so wie Tim, der an der Technischen Universität studiert. „Ich habe persönlich noch keine Flüchtlinge kennengelernt. Hier komme ich mit vielen ins Gespräch und erfahre, was sie hierher gebracht hat und was sie bewegt. Das interessiert mich.“ (juf)