Kaiserslautern Pepe hat’s nicht eilig

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Viele Hunde, viele Herrchen und das große Ziel: Beim Hunderennen des HSC Siegelbach am Samstag ging es um die Siegermedaille. Doch nicht jeder Teilnehmer hatte das auch wirklich verstanden.

Auf die Plätze, fertig, los! Johannes Laible springt auf und ab. Rudert mit den Armen. Winkt mit einem Stoffkaninchen. „Los, Pepe! Koooomm!“ Unsicher tapst Pepe die Rennstrecke entlang. Hinter dem Zaun, wo die Zuschauer stehen, wird es immer lauter. Klatschen, Pfeifen, Bellen. Noch wenige Meter. Fast geschafft. Da ist die Ziellinie, da gibt’s Leckerli, doch der zwölf Wochen alte Mops, kaum größer als sein Plüschkaninchen, bleibt stehen. „Auf, Pepe, weiter!“ Laible klatscht und rennt nach hinten. Endlich. Pepe wackelt auf sein Herrchen zu. Runde eins geschafft. Es ist das sechste Hunderennen des HSC Siegelbach. In Gruppen treten Welpen, Senioren und Junghunde gegeneinander an. In den Rennkanal müssen sie alleine gehen. Lichtschranken messen da ihre Geschwindigkeit. Hundemama oder Hundepapa muss hinter dem Ziel warten. Nur Anfeuern, Kuscheltiere und Würstchen sind erlaubt. Marla ist die Jüngste, zehn Wochen alt. Mischling aus Border Collie, Labrador, belgischem Schäferhund und ganzer Stolz von Halterin Michelle Weber. Bald ist sie an der Reihe. Neben ihr tollt die Konkurrenz herum. Aber Marla interessiert das nicht. Lieber liegt sie im Klee und lässt sich den Nacken kraulen. Warum Stöckchen holen, wenn man für Fotos posieren kann? Stolz streckt sie die schwarze Schnauze nach oben. Ihre Knopfaugen starren selbstbewusst in die Linse. „Die 29“, ruft Stefan Schmitt in das Mikrofon. Marlas Startnummer. Letzte Streicheleinheiten und dann ab auf die Rennstrecke. Dort hält Sascha Schneider sie fest in seinen Armen. Frühstart? Unmöglich. Lange Sekunden vergehen. Auf die Plätze, fertig, los! Grazil tänzelt sie durch den Kanal. Eine Pfote nach der anderen. Elegant, wie auf einem Laufsteg. Nur noch ein kurzes Stück − Ziel erreicht. 5,34 Sekunden. Fünfter Platz von sechs. Nur Pepe mit seinen 23 Sekunden war langsamer. Aber ein Lauf kommt noch. Nadja Schneider schließt jetzt schon ein Metallgehege auf. Dort hinten im Schatten, das ist Isaac, breit gebaut, bullige Statur und groß. Ein American Akita-Rüde, eine exotische Rasse. Er ist im Rennen der gemischten Altersklassen dran. Plötzlich springt er heraus. Bäumt sich auf. Fletscht die Zähne. „Isaac, sitz!“, schreit Schneider – und er gehorcht. So ganz entspannt, wirkt sein Gesicht nicht mehr bedrohlich. Es gleicht eher einem Teddybären. „Ursprünglich wurden American Akitas als Bärenjagdhunde gezüchtet. Sie sind allein in den Wald gerannt und haben die Bären verjagt.“ Isaac aber verbringt seine Zeit am liebsten mit Kuscheln und Schlafen. Als Baby war er bei den Menschen sehr beliebt. Warum sie heute bei seinem Anblick die Straßenseite wechseln, will er nicht verstehen. Er tut ihnen ja nichts. Nummer sechs ist dran, Isaac. Wie die Ruhe selbst trottet er zum Start. Jetzt ein Rennen gewinnen? Der vorletzte Platz würde Schneider schon genügen. Auf die Plätze, fertig, los! „Isaac, hiiiiieeeer“, ruft sie. Ein gemütlicher Dauerlauf, und schon ist er auch fertig. Doch gegen den Border Collie mit dem glänzenden Fell kommt er wohl nicht an. Der kann aber auch rennen wie kein zweiter. Pepe bekommt davon nichts mehr mit. Er ist schon längst in den Armen seines Halters eingeschlafen. |saze

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