Kaiserslautern Paris, London, Kaiserslautern
Humor in Zeitlupe – das ist seit 30 Jahren das Erfolgsrezept von Rüdiger Hoffmann. Und genau das gibt es auch bei seinem Jubiläums-Streich mit dem Titel „Ich hab’s doch nur gut gemeint …“. Am Donnerstag amüsierte er damit das Publikum im Kasino der Kammgarn.
Bevor die Frage kommt: Ja, er hat! Er hat ihn gesagt! Diesen einen, unverwechselbaren Begrüßungssatz, mit dem er seit 30 Jahren seine Programme eröffnet. Auch an diesem Abend wurde im Kasino mit dem obligatorischen „Ja, hallo erstmal …“ der erste Lacher durch den Raum getrieben. Auf sein Gastspiel in Kaiserslautern hat sich Rüdiger Hoffmann besonders gefreut. Dafür hat er sogar seine wöchentliche Mau-Mau-Runde mit Kumpel Gisbert abgesagt. Der hatte vollstes Verständnis, denn selbst die Bekannten aus Australien seien neidisch: „Wenn sie mal nach Europa kommen sollten, dann heißt die Route: Paris, London, Kaiserslautern.“ Nachdem er die Barbarossastadt eben mal kurz in die Reihe europäischer Metropolen aufgenommen und sich beim Publikum bestens „eingeschleimt“ hatte, ging es los mit tragisch-komischen Alltagsgeschichten. Bei ihm müssen es eben nicht immer Kaviar und Champagner sein, „manchmal reicht ein laktosefreier Getreide-Cracker ohne Salz“. Genauso wie es nicht immer ein Fünf-Sterne-Luxusresort auf Mallorca sein muss, manchmal reicht auch netter Camping-Urlaub mit Erzieherin Monika, ihrem „Redefisch“ und dem gequälten Gatten Hans-Peter. Und das in einem Zelt zwischen „stark frequentiertem Hundeklo und Minigolf-Anlage mit Zirkus-Thema“. Man muss es einfach mit Humor nehmen. Zugegeben: Bei der Themenwahl hat Hoffmann sein Publikum nicht gerade mit Innovation verwöhnt – es ging wie schon so oft um die Abhängigkeit der Jugend vom allwissenden Smartphone, die kulinarischen Querelen zwischen Fleisch- und Pflanzenfressern und die bewährten Nachbarschaftskriege, bei dem die laut quakenden Frösche im Teich des Nebenmanns nur knapp einem Ausflug in ein Spezialitäten-Restaurant im Elsass entgingen. Aber dann: ein tiefer Schnaufer, ein noch tieferer Seufzer – schon ging der Rest des Gags im schallenden Gelächter der Zuschauer unter. Dazu noch ein Liedchen am Klavier über das Eimersauf-Verbot auf Mallorca – et voilà! Der Grund, warum seine Fans ihn lieben. Der zweite Teil der Show driftete in leicht absurdere Gefilde samt Kostümen ab – auch ein ganz typischer „Hoffmann“ eben. Es wurde auf altgediente Kleinkunstunterhaltung zurückgegriffen, darunter eine begrenzt-lustige Bauchredner-Nummer. Die Ausländerfeindlichkeit einiger Mitbürger bot er mit Hut und Schützentracht dar, es folgte eine Zugabe voller unterschwelliger Wortspiele und Kinderlieder, die Hoffmann – wie er zugab – eigentlich nur für sich selbst mache. Um es mit seinen Worten auszudrücken: „Kann man machen, muss man aber nicht.“ Aber schließlich sei es laut Studie gar nicht wichtig, worüber man lacht, wie Hoffmann zu Beginn seiner Show anführte. „Ob lustig oder nicht – scheißegal!“ Gesund mache es trotzdem. „Diese Erkenntnis hat übrigens viele Karrieren meiner Kollegen erst möglich gemacht.“ Oha, da schimmerte er ein bisschen durch, der langatmige Unterhaltungskünstler, der etwas neidisch seine schnelleren Fachgenossen an sich vorbeiziehen sieht. In einem Metier, in dem in der Schnelle oft die Würze liegt, lässt es der Komödiant seit 30 Jahren gemächlich angehen. Hektik ist einfach nicht die Art eines Ostwestfalen. Ja, seine schleppende Art zu sprechen und seine scheinbar beiläufig geschilderten Pointen, die nicht wie Feuerwerkskörper durch die Luft fegen, sondern sich sekundenlang entfalten, mögen heutzutage vielleicht nicht mehr ganz herkömmlich sein. Aber seien wir ehrlich: Die heutige Welt ist schnelllebig genug. Da ist es doch schön, dass sich einer Zeit nimmt und entschleunigt. Nur nach der Show jagte der Komiker mit Tempo durch den Hinterausgang zum bereitstehenden Auto. Er kann also auch anders ...