Talentschuppen
Papa Marco als Vorbild – und Manuel Neuer
Manchmal wiederholt sich Geschichte eben doch: Als Jonny mit sechs Jahren bei der SG Eintracht Kaiserslautern seine ersten Gehversuche auf dem Fußballplatz unternahm, brach sich im Training, nach einem Torschuss von ihm, der etatmäßige Torwart den Arm. Ersatz musste gefunden werden. Aber Jonny? Ausgerechnet er? Im nächsten Spiel stand er im Tor – und blieb. Ganz ähnlich erging es Vater Marco, der ebenfalls im Feld startete und wegen einer Verletzung des Stammkeepers eher zufällig zwischen die Pfosten kam.
Reflexe auf der Linie
Überhaupt spielt sein Vater eine große Rolle in der Karriereplanung des zwischenzeitlich 18-Jährigen, der im Sommer eine Ausbildung zum Karosseriebauer begann. Marco Rheinfrank ist Vorbild und Ratgeber – und will ihn vor Fehlern bewahren, die er vielleicht selbst früher gemacht hat. Über Jahre hinweg galt Marco Rheinfrank als einer der besten Torhüter in der Region, seine Reflexe auf der Linie waren legendär. Natürlich sind auch der VfR und der VfL Kaiserslautern respektable Fußballvereine, aber wer über derart großes Können verfügte wie er, hätte locker ein paar Klassen höher spielen können. Und eigentlich auch müssen.
Ein Familienmensch
Aber es kam anders: Das eigene Zaudern und das Warten auf den richtigen Moment verhinderten die ganz große Karriere. Dass sich nicht auch noch diese Geschichte wiederholt, darauf setzt man im Hause Rheinfrank. Und Jonny ist zuversichtlich: „Er sagt mir auch, was ich vielleicht anders machen kann als er selbst“, freut sich der Filius über die Unterstützung und Rückendeckung seines Vaters. Ohnehin ist Jonny ein Familienmensch, gemeinsam mit seinen Eltern und seinen drei Geschwistern verbringt er so viel Zeit wie möglich.
Auch jetzt, nachdem der Fußball in die vorgezogene Winterpause geschickt wurde, schöpft er Kraft aus der Nähe zu seinen Liebsten. Und das nicht nur beim gemeinsamen Lauftraining. Jonny trainiert täglich Kraft und Ausdauer, will in den nächsten Wochen auch an seiner Sprungkraft feilen. Der Fan von Borussia Dortmund, der Manuel Neuer sein Vorbild nennt, weiß nur zu genau, wo ein 1,83 Meter großer Torwart auch dem zweifellos vorhandenen Talent vielleicht noch ein bisschen auf die Sprünge helfen muss.
Auf dem Bolzplatz
Dieses Talent entdeckte Heinz Halter bereits vor etlichen Jahren auf dem Bolzplatz des Jugendzentrums. Lag Jonnys Mannschaft zurück, wechselte er ins Feld, wollte retten, was noch zu retten ist. Mit jeder Faser seines Körpers lebt er Fußball, sieht seine Stärken selbst als guter Fußballer in der Spieleröffnung und auf der Linie. Eine Einschätzung, die sein Trainer teilt: „Sein Talent hat sich in hohem Maße bestätigt“, lobt ihn Heinz Halter. Und ergänzt: „Wenn er sich nicht verletzt, wird er eine sehr gute Zukunft als Torwart haben.“
Eine Säule des Teams
In den ersten Spielen der Bezirksliga sei er von seinen Vorderleuten auch ein ums andere Mal „im Stich gelassen“ worden, hat Halter beobachtet. Jonny Rheinfrank ist in der Wortwahl deutlich vorsichtiger. „Ich kam etwas schwer in die Runde, aber mit den letzten Spielen vor der Pause war ich sehr zufrieden.“ Und natürlich will er so schnell wie möglich wieder auf den Fußballplatz. Sich beweisen. Seinen Ehrgeiz ausleben. „Der Junge ist 18, marschiert bei allen Läufen vorneweg und ist bereits jetzt eine Säule des Teams“, schwärmt Trainer-Dino Halter von seinem Keeper. Ganz so, als habe es diese Verwunderung im Sommer überhaupt nicht gegeben.
Die Serie
In unserer Serie „Talentschuppen“ stellen wir Nachwuchssportler vor, die durch besondere Leistungen bereits in jungen Jahren auf sich aufmerksam machen. Sportler, die in einer wichtigen Phase ihrer sportlichen Laufbahn durch die Pandemie kurzzeitig ausgebremst wurden, aber den Traum an eine erfolgreiche Karriere weiterleben.