Kanu RHEINPFALZ Plus Artikel Paddlergilde holt Gold und Bronze

Lisa Plötz bei einer Portage im Nationaltrikot.
Lisa Plötz bei einer Portage im Nationaltrikot.

Die Paddlergilde-Starter haben die Deutsche Meisterschaft im Kanu-Marathon exzellent bewältigt, haben Gold, Bronze, einen Platz fünf und viel Erfahrung mit nach Hause gebracht. Doch vorher mussten sie erst mal zittern – wegen Corona.

Sport ist viel mehr als nur die Muskeln zu beanspruchen und auf Kondition zu bauen. Sport ist in Zeiten von Corona auch mal die Sorge, plötzlich im Risikogebiet zu stecken. Die Sorge der Paddlergilde-Truppe, die sich auf den Weg nach Rheine an der Ems gemacht hatte, war am Ende unbegründet. Die Ampel ging nicht auf Rot, der Sport blieb im Vordergrund. Der verlangte den Marathonteilnehmern ohnehin so richtig was ab. Die mehr als lange Strecke war für die meisten eine völlig ungewohnte Kanu-Disziplin, die Portagen waren mehr als eine Herausforderung, und das Gerangel im Wasser bislang ein Fremdgefühl.

Sieh’ zu, wo du bleibst

Im normalen Kanu-Rennsport hat jeder eine Wasserbahn von neun Meter für sich, beim Marathon gilt dagegen, „das Wasser gehört mir, sieh’ zu, wo du bleibst“. Justus Vollrath und David Ungemach, in der Juniorenklasse auf insgesamt 19,1 Kilometer mit drei Portagen unterwegs, konnten diese Enge direkt beim Start spüren. Schon nach wenigen Schlägen schossen verschiedene Boote kreuz und quer. Einige der Bootspitzen drehten sich nach Kontakt mit anderen zur Seite, das Fahrwasser war blockiert.

Nichts wie durch

„Ich hab’s gemacht, wie es der Trainer gesagt hatte. Paddel fester greifen und nichts wie durch, immer weiter und immer weiter“, berichtet Justus Vollrath von seinen ersten Metern im Wasser. Der Trainer Jörn von zur Mühlen hatte den Kanuten auch mit auf den Weg gegeben: „Ihr müsst damit rechnen, dass trotz der langen Wettkampfstrecke die ersten 2000 Meter gefahren werden, als wären es die letzten“.

Über den Kunststoffrasen

Der Trainer behielt Recht, bei allen Starts ging die Post ab. Die erst 13-jährige Liv-Grete Köntopp hielt bei ihrem Start dennoch mit, nistete sich in der Spitzengruppe ein und blieb dran. Die Portage, das raus mit dem Boot aus dem Wasser, über einen blauen Kunststoffrasen, dann über einen echten Rasen und wieder zum Steg laufen, Boot ins Wasser und weiterfahren, kostete dem Paddlergilde-Talent einen Platz weiter vorne. Sie hatte beim Aussteigen zu viel Wasser im Boot, musste beim Laufen stoppen, das schwere Boot erleichtern, und dabei zog eine der Konkurrentinnen an ihr vorbei – auf dem Landweg, nicht im Wasser. Nach 10,3 Kilometer fuhr Liv-Grete Köntopp einen super fünften Platz bei ihrer ersten Deutschen Meisterschaft ein und war dabei die Drittschnellste ihres Jahrgangs.

Durchhalten ist Ehrensache

Emil Flohr (Schüler A) und Felix Bienroth (Jugend) behaupteten sich im Mittelfeld ihrer Klasse genau wie die Juniorenfahrer Justus Vollrath und David Ungemach. Ein super Ergebnis, auf das der Trainer mehr als stolz ist. „Alle sind durchgefahren, alle haben die ungewohnten Herausforderungen gemeistert, und keiner ist gekentert, obwohl es mehrere Gelegenheiten dazu gegeben hätte. Und alle haben durchgehalten, strikt dem Motto der Lauterer Kanu-Truppe folgend, „Durchhalten ist Ehrensache“, stellte Jörn von zur Mühlen auch mit Blick auf den kleinen Trainings-Gelterswoog fest. Wer dort 20 Kilometer trainieren wolle, der werde beim Kringel fahren ja „meschugge“!.

Zwillinge mit Talent

Seit diesem Jahr fahren die 22-jährigen Mainzer Zwillinge Lisa und Clara Plötz, bislang im Boot der Kanu-Freunde Mainz-Mombach, für die Paddlergilde. Auch sie waren in Rheine bei der DM dabei. Als gewiefte Marathonfahrerinnen, sicherten sie sich den Sieg (Lisa) und den Bronzeplatz (Clara) in der Leistungsklasse. Die Zwillinge trainieren unter ihrem Vater Peter Plötz im Mainzer Hafen und sind beide seit drei Jahren im Einsatz für die Nationalmannschaft, unter anderem auch im K2 gemeinsam in der Erfolgsspur. Mit Lisa, Studentin der Elektro- und Luftfahrttechnik, und Clara Plötz, einer Bäckerin, hat die Paddlergilde zwei Kanutinnen im Team, von denen sicher bald noch mehr zu hören sein wird.

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