Kaiserslautern Optimistische Notizen

Rund 250 Besucher strömten am Samstagabend mit einem glücklichen Lächeln im Gesicht aus dem Weilerbacher Bürgerhaus. Denn selbst nach über drei Stunden (mit Pause) war das Konzert mit Marcel Adam und seiner Band zu keiner Sekunde langweilig. Im Mittelpunkt stand das aktuelle Album des Lothringer Liedermachers mit dem lapidaren Titel „Merci“ (wir berichteten).
Auf der Bühne stand ein Marcel Adam, wie man ihn seit Jahren kennt. Und doch erschien er um eine Spur verändert. Lockerer. Charmanter. Und die ganze Facettenhaftigkeit seines bewegten Lebens spiegelte sich in der Unterschiedlichkeit seiner Lieder. Was macht seinen unvergleichlichen Charme aus? Er hält Blickkontakt mit seinem Publikum, fixiert bestimmte Personen und hat dabei stets ein liebenswürdig gewinnendes Lächeln. Mit seiner charismatischen, variationsreichen Stimme gibt er jedem Song, jedem Chanson eine emotionale Ausdruckskraft ohne jede Exzentrik. Zudem baut er in den bestens arrangierten Nummern konzentrierte Spannung auf. So wird jeder Song eine Predigt ohne Prediger, eine Notiz mit viel Optimismus.
Zudem bereichert Adam seine Lieder mit humorvollen Anekdoten und haut auch schon mal einen kecken, hammerharten Spruch raus. „Die Deutschen brauchen Walzer“, lästert der Sänger mit dem schönsten Stirnband und dem längsten Haarzopf zu Guy Béarts Chanson „C’est après que ca se passe“. Selbstironisch bemerkt er zu „Lolitas Spleen“: „Wenn ihr den Text nicht versteht, schreibt mir keine Briefe, ich versteh ihn auch nicht.“ Und zur „Wilden Marilou“ konstatiert er: „Das ist eine starke Frau. Jeder bewundert starke Fraue, awwer kenner will so enni hann!“
Adam bringt aber auch durchaus ernsthafte Chansons zu Gehör. Denn „man kann auch in Mundart ernsthafte Themen anfassen.“ So klagt er in „Judith und die blinde Wut“ die Gewalt in der Ehe an, und die Betroffenheit im Saal lässt sich direkt greifen. Ohne Pathos kommt unendliche Melancholie auf bei Liedern wie „Die Rose“, Nenas „Wunder gescheh’n“ oder „Der Clown“, das Heinz Rühmann bekanntgemacht hat. Aber gleich drauf folgt mit trügerischer Leichtigkeit „Die krumme Lanke“, das „Geischderhus“ als Blues oder „Maman, je suis amoureux“ als Rock’n’Roll. Und mit jedem Lied zieht der Mundart-Liedermacher sein Publikum tiefer in einen Sog.
Selten hat sich das Sprichwort „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“ so bewahrheitet wie bei Marcel Adam und seinem Sohn Yann Loup. Dessen selbst geschriebener Song „La bas“ war mit ein Höhepunkt des Abends, zumal der Filius mit beeindruckender Stimme intonierte und sich dabei virtuos auf der Gitarre begleitete. Wie bei Papa ist sein Gesang von menschlichem Ausdruck und von einer natürlichen Seelenaussprache geprägt. Bestens beim Publikum an kam auch sein Song „New York Country“, den er bei einem Aufenthalt in den USA geschrieben hatte. Überhaupt waren auch die Wechselgesänge zwischen Vater und Sohn mit die Höhepunkte des Abends.
Einzigartig machte das Konzert, dass sechs Musiker auf der Bühne standen, die ausschließlich zur Promotion der -CD zusammen fanden. Immer wieder begeisterte Christian Di Fantauzzi mit halsbrecherischem Akkordeonspiel. Äußerst sensibel, dabei virtuos begleitete Dirko Juchem auf Querflöte und Saxophon, und Yann-Loup, Christian Conrad sowie Guido Allgaier bestachen mit rasanten, zum Teil perkussiven Läufen auf akustischer und E-Gitarre in den Uptempo-Nummern, während sie in den ruhigen Stücken Intimität und Weite ausstrahlten. Das riss die Zuhörer von den Sitzen. Vier Zugaben.