Kaiserslautern
Opernstar Bernd Weikl liest im Zinkmuseum aus seiner Novelle „Max ist schuld“
Somit hätte die im Juni erschienene Novelle „Max ist schuld“ auch in Kaiserslautern eine größere Öffentlichkeit verdient gehabt: noch nicht einmal 20 Besucher kamen. Ort sowie Zeit (15 Uhr) werfen organisatorische Fragen auf, ebenso wie der Ablauf an sich und die Präsentation des promovierten Wirtschaftswissenschaftlers und erfolgreichen Gesangsprofessor. Immerhin nutzte Kulturreferats-Leiter Christoph Dammann die Gunst der Stunde, um ihn als guten und geschätzten Bekannten – schon aus der Zeit Dammanns an der Kölner Oper – vorzustellen und zu insgesamt zu würdigen – allerdings mit wenig Bezug auf Weikls Verbindung zum Pfalztheater.
Begnadeter Wagner-Interpret
Auch sonst wurde Weikls Ausnahmeerscheinung als begnadeter Wagner-Interpret und seine weltweiten Erfolgsstationen wie Bayreuther Festspiele, Metropolitan Opera in New York, Covent Garden in London, Mailänder Skala sowie die Staatsopern München und Hamburg (um nur einige zu nennen) zu wenig gewürdigt. Eine begleitende, informativere Moderation oder eine Broschüre hätten besser zu der autobiographischen Novelle hingeführt.
Weikls Verdienste als Bariton in verschiedensten Gattungen und Genres (deutsches, italienisches, französisches und russisches Opernfach) ist nicht nur eine Imagepflege für die Stadt, die den 1942 in Wien geborenen Jetsetter in ihre Galerie aufnehmen darf. Weikls internationale Karriere führt direkt zu der Problematik der Novelle hin. Erst gegen Ende der Lesung gab es durch das hartnäckige Insistieren einer Besucherin vage Verbindungslinien zwischen der Hauptfigur der Novelle, Max, und Weikl selbst. Und es wurde sein Dilemma erst zwingend deutlich: Während dieser Max ein Hollywood-Star der Filmbranche wird ist Bernd Weikl ein Opernstar und gefragter Regisseur. Beide – Autor und seine von ihm geschaffene Hauptfigur – lernen nicht nur Glanz und Glamour und Starkult kennen, sondern auch Intrigen oder Ränkespiele und erleben in Anfeindungen auch die Schattenseiten des Starkults.
Die Novelle offenbart auch Weikls episches Talent
In der Novelle zeigt sich auch Weikls episches Talent, wie er die Hauptfiguren in soziale und familiäre Konflikte und gesellschaftliche Spannungen verstrickt. Auf den am Ende gescheiterten Figuren liegt ein Fluch, alles steuert in dieser Familiensaga auf die Katastrophe zu.
Hier ergeben sich auch die wesentlichen Unterschiede zwischen Weikls Biographie und der Novelle: Während Max Spielball von Interessen ist, wirkt der Autor autark. Diese Unterschiede und Gemeinsamkeiten hätte die Veranstaltung mehr herausarbeiten müssen, das erschloss sich selbst nach den Fragen am Ende nur unklar. Insgesamt hätten mehr Informationen zur Werk- und Entstehungsgeschichte und den biographischen Hintergrund den Kontext erhellt: Wie steht der Künstler in einer kosmopolitischen Fachwelt, die dennoch auch noch nationale und vor allem historische Unterscheidungen macht?
Dagegen entsprach Weikls Klarheit und Stringenz der Deklamation mit hoher Textverständlichkeit ganz der von ihm gewohnten stimmlichen Reinkultur. Die war in eingespielten Aufnahmen des Baritons aus dem Liederzyklus von Schuberts „Winterreise“ eindrucksvoll zu erleben.