Kaiserslautern
Olga Rerich spielt Orgel und Klavier in der Trauerhalle
1995 kam Olga Rerich aus Kasachstan nach Deutschland. Drei Jahre später begann ihre Tätigkeit als Organistin bei Beerdigungen. Nicht nur auf dem Hauptfriedhof ist sie im Einsatz, auch in den Ortsteilen. Die 66-Jährige arbeitet freiberuflich als Klavierlehrerin. In Deutschland angekommen, absolvierte sie zusätzlich eine Ausbildung am Kirchenmusikalischen Seminar in Kaiserslautern. Sie spielt in verschiedenen Gotteshäusern die Orgel – zum Beispiel seit 1997 in der Abteikirche Otterberg.
Als sie angefragt wurde, bei Beerdigungen zu spielen, sagte sie gerne ja, denn sie schätzt die Orgel der Aussegnungshalle, deren Klang gut zu Trauerfeiern passe. Sie demonstriert die feinen Register, die von Flötentönen über Nachthorn und Zimbel bis zum Principal reichen. Ein großer Vorteil: Olga Rerich braucht sich nur auf der Bank umzudrehen und hat auf der anderen Seite ein E-Piano vor sich stehen, auf dem sie ebenso in die Tasten greifen kann.
Inzwischen mehr weltliche Musik
Welche Musik bei einer Trauerfeier gespielt wird, das besprechen die Hinterbliebenen meist mit dem Beerdigungsinstitut, das die Wünsche dann weitergibt. Doch die Anzahl der Trauerfeiern habe stark nachgelassen: „Früher waren es etwa 60 Beerdigungen im Monat, heute sind es etwa 30.“ Damals hätten die Pfarrer ihr meist gesagt, welche Musik sie spielen solle – „und es war immer Kirchenmusik“. Heute hingegen übermittelten die Angehörigen ganz andere Wünsche, es werde häufig weltliche Musik gewünscht – vom Evergreen bis zum Schlager. Außerdem sei die Organistin nicht mehr so gefragt: Viele brächten die Musik auf einem Stick mit, der dann über die Anlage der Trauerhalle abgespielt werde.
Wenn sie im Einsatz ist, sitzt die 66-Jährige auf der Empore hoch über den Teilnehmern einer Trauerfeier – die meisten sehen sie gar nicht. Nur selten gebe es persönliche Begegnungen. Trotzdem wählt Olga Rerich immer passende Kleidung, dem traurigen Anlass entsprechend.
Ihren Einsatz an Orgel oder Klavier versteht sie als ganz persönlichen Beitrag zu einer Beerdigung. Die Angehörigen können nicht nur aussuchen, welche Stücke oder Lieder sie spielen soll, sondern auch zwischen Orgel und Klavier wählen. Moderne Stücke spielt sie meist auf dem E-Piano – je nachdem, wo es besser klingt.
„Ich kann alles spielen, was gewünscht wird“
Nicht mehr so häufig wie früher sei gewünscht, dass die Trauergemeinde gemeinsam singt und sie die Lieder begleitet. Bei einem Gespräch mit dem Pfarrer würden in solchen Fällen die Angehörigen auswählen, was gesungen werden soll. Die Organistin erzählt auch von einem Pfarrer, der gerne a cappella singe – oder sie begleitet den Geistlichen bei seinem Solo-Gesang.
Während es früher „Klassiker“ wie das Ave Maria gegeben habe, das immer sehr emotional für die Teilnehmer der Trauerfeier sei, stehen auf einer Liste mit modernen Stücken, die sie bei solchen Anlässen spielt, mittlerweile beispielsweise auch „Amoi sehen wir uns wieder“ von Andreas Gaballier oder „Irgendwas bleibt“ von Silbermond. „Ich kann alles spielen, was gewünscht wird, ich brauche nur die Noten“, versichert die 66-jährige Pianistin.
Beruf und Hobby zugleich
Wenn die Angehörigen wollten, sei sie bei jeder Beerdigung da. Und sollte es doch einmal Terminschwierigkeiten geben, springe ihre Tochter Elmira Metzger ein, die in ihre Fußstapfen getreten ist. Als Organistin ist diese unter anderem in der Apostelkirche tätig.
Ihre Arbeit bei Beerdigungen sei ihre Hauptbeschäftigung, erzählt Olga Rerich im Gespräch mit der RHEINPFALZ, außerdem gebe sie noch Klavierunterricht. Solange es gehe, wolle sie die Arbeit weiterführen, denn sie mache ihr Spaß. „Es ist Beruf und Hobby zugleich“, sagt die 66-Jährige. Und wenn sie in eine Kirche komme, in der sie noch nicht gespielt habe, sei sie immer wieder aufs Neue gespannt, welche Orgel dort auf sie wartet.
Info
Der Einsatz der Organistin bei einer Trauerfeier ist in den Kosten für die Nutzung der Trauerhalle in Höhe von 122,30 Euro enthalten.
Die Serie
Ein besonderes Jubiläum kann in diesem Jahr der Kaiserslauterer Hauptfriedhof feiern: Er wird 150 Jahre alt. Aus diesem Grund betrachten wir das riesige Gelände im Osten der Stadt einmal genauer, berichten in loser Folge über Daten, Fakten, und Besonderheiten – von A wie Aussegnungshalle bis W wie WCs.
Zuletzt erschienen ist der Teil über den französischen Garnisonsfriedhof.