Kulturzentrum Kammgarn RHEINPFALZ Plus Artikel Ohrenfeindt im Cotton Club: Breite Spur der Begeisterung

Laut und gut: Ohrenfeindt.
Laut und gut: Ohrenfeindt.

Am Freitagabend war das laute Trio Ohrenfeindt aus Hamburg im brechend vollen Cotton Club der Kammgarn zu Gast.

Sie sind zwar „nur“ zu dritt auf der Bühne und mittlerweile auch schon über drei Jahrzehnte (wenn auch in wechselnder Besetzung) dick im Rock-Geschäft, aber von mangelnder Energie ist bei Ohrenfeindt nichts zu spüren. Ganz im Gegenteil: Sie hinterließen eine breite Spur der Begeisterung und ein bis weit nach der Zugabe anhaltendes Hochgefühl.

Dabei begann der Abend erst einmal mit einer kleinen Enttäuschung, denn die angekündigte Supporter-Band Night Laser musste ihren Auftritt krankheitsbedingt absagen. Das wurde nach der offiziellen Ansage von der Bühne herab zwar bedauert, das nun eben unmittelbar einsetzende „Volles Rohr“-Konzert zeigte aber, dass die kleine Band auch ohne Stimmungs-Eisbrecher Großes leisten kann, und das von Anfang an.

Forsche Texte

Das Material und die Fähigkeiten dafür waren reichlich vorhanden. Schon die nach deftigem Motorengedröhn aus dem Off mit aller Macht in die Menge geschleuderte Intro-Nummer „Komm schon und hol’s dir“ hatte es in sich – und konnte in Sachen Stimmung und Begeisterung durchaus als Aufforderung ans Publikum verstanden werden.

Selbiges ging dann auch tatsächlich sofort und anhaltend mit. Forsche deutsche Texte wie in der Nummer „Porschekiller“ (die aus dem Soundtrack eines „Werner“-Film stammen könnte) und das ausdauernd mitgesungene „Auf die Fresse ist umsonst“ sind hier das Fundament. Dabei geht es oft um starke Motoren, die Musiker-Heimat St. Pauli und den Fußball aus jener Region. Daraus macht die Band schonmal so einiges, was in Ohr und Herz geht.

Nah am Original

Den Rest besorgt die Musik des Trios. Die dreht allein schon wegen ihrer deutlichen Orientierung am Repertoire der großen Rock-Heroen von AC/DC während derer Goldenen Zeiten mächtig auf.

Im Vordergrund steht dabei die stimmbandfordernde, exaltierte Stimme von Gitarrist und Gründungsmitglied Chris Laut, der damit allein schon verblüffend nah an den Original-Sound des Vorbilds heranreicht. Den massiven Hintergrund bauen dann der technisch wie showmäßig außerordentlich agile Pierre „Keule“ Blesse an der Gitarre und der unentwegt auch die komplexesten Rhythmen meisternde Robert „Jöcky“ Jöcks hinterm Schlagzeug zu einem massigen Gesamtsound aus. Der könnte dann zwar glatt tatsächlich von AC/DC selbst stammen, nutzt aber gut hörbar auch stets die eigene kompositorische Kreativität.

Mächtig wie ein Küstensturm

So wirkten denn an jenem Abend Stücke wie „Sie hat ihr Herz an St. Pauli verloren“ und „Rock’n’Roll Sexgott“ zwar streckenweise so, als würde gleich der „Highway to hell“-Refrain erklingen, aber jedesmal gab es dann auch einen langen, tragenden „Ohrenfeindt“-Part pur – selten in Richtung Ballade zurückgenommen, jedesmal mächtig wie ein Küstensturm aus dem norddeutschen Herkunftsgebiet der Musiker.

Das ergab insgesamt eine sich intern angenehm reibende musikalische Mixtur, deren Reiz bis zum Schluss dieses Parade-Auftritts aus der aktuellen „Im Namen des Rock“-Tournee der Band anhielt. Und ganz am Ende des langen Abends gab es dann noch aus aktuellem persönlichen Anlass den emotionalen Aufruf des Frontmanns, mit lieben Menschen Kontakt zu halten und mit ihnen zu reden, solange man noch die Gelegenheit dazu hat – ungewöhnlich und dementsprechend auch für einen ungewöhnlichen Moment der Stille im Club sorgend, stark wirkend wie das gesamte Ohrenfeindt-Konzert.

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