Kaiserslautern
Nicole Spanier-Baro über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf beim Fraunhofer IESE
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist eines der Kriterien, nach denen Arbeitnehmer ihren Beruf aussuchen. Dabei bleiben die Bedürfnisse, die die Arbeitnehmer haben, nicht immer gleich. Das Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software-Engineering IESE geht viele verschiedene Wege, um seine Mitarbeiter je nach Bedarf flexibel zu unterstützen und wurde nun von Europas größter Organisation für angewandte Forschung mit dem Fraunhofer-Familien-Logo ausgezeichnet. Julia Luttenberger hat sich darüber mit Verwaltungsleiterin Nicole Spanier-Baro unterhalten.
Das IESE hat einen großen Bedarf an qualifizierten Fachkräften. Welche Rolle spielt dabei die Vereinbarkeit von Familie und Beruf?
Wir sind stolz auf den vorderen Plätzen der gängigen Arbeitgeberrankings zu stehen und wollen die „Besten“ bekommen und sie dann auch halten können. Da muss das IESE in Kaiserslautern mit den Ballungsräumen wie Stuttgart oder München konkurrieren können. Ein flexibles Modell, um Familie und Beruf zu vereinbaren, kann dabei hilfreich sein. Wenn sich Privatleben und Arbeit gut miteinander verbinden lassen, kann das ein Argument für den Standort Kaiserslautern sein.
Der Altersschnitt der Mitarbeiter im IESE liegt etwa bei 37 Jahren, da ist das Thema Familienplanung sicher sehr wichtig. Welche Modelle bietet das IESE?
Es gibt viele Möglichkeiten. Eine davon ist, dass Eltern ihr Kind und eine Betreuungsperson mit auf Dienstreise nehmen können. Weiter gibt es einen sogenannten Familienservice, über den Kinder tageweise, aber auch über Nacht betreut werden können, wenn die Eltern beruflich unterwegs sind. Zudem gibt es ein Eltern-Kind-Büro, das schön eingerichtet ist und in das Eltern ihre Kinder mitnehmen können, während sie arbeiten. Etwa an Brückentagen, wenn die Kindertagesstätten geschlossen sind. Für die Kinder ist es meist ein großes Highlight, wenn sie mit Mama oder Papa zur Arbeit dürfen und die Eltern sind beruhigt, weil sie ihre Kinder betreuen können. Das funktioniert zum Vorteil aller.
Wie sieht es mit Arbeitszeitmodellen aus?
Führung in Teilzeit ist bei uns möglich. Sicherlich ist das nicht immer einfach, aber wir suchen nach flexiblen Lösungen. Das richtet sich nicht nur an die Mütter, sondern auch an die Väter: Die Elternzeit ist kein Karriereknick.
Etliche ihrer Mitarbeiter haben ihre Kinder in der Kita Klammeräffchen angemeldet. Die räumliche Nähe ist sicher von Vorteil?
Ja, die Kita Klammeräffchen ist direkt am Fraunhofer-Platz. Das ist sehr praktisch für die Mitarbeiter der Fraunhofer-Institute. Die Kita ist offen für alle und bietet rund 50 Plätze. Derzeit werden dort über 20 Kindern von Fraunhofer-Mitarbeitern betreut. Das ist schon extrem angenehm. Die Wege sind sehr kurz und die Eltern können morgens auf dem Weg zu Kita und Arbeitsstelle noch Zeit mit den Kindern verbringen. Zudem ist man super flexibel. Wenn etwas mit dem Kind ist, ist man sofort da. Das gibt den Eltern ein gutes Gefühl.
Wie sieht es mit Mitarbeitern aus, die aus anderen Gründen ihre Stelle reduzieren wollen?
Wir bieten verschiedene, ganz flexible Teilzeit-Möglichkeiten. Meist wollen Mitarbeiter in einer bestimmten Lebensphase ihre Arbeitszeit reduzieren, jedoch nicht auf Dauer. Etwa, wenn sie Angehörige haben, die sie pflegen möchten. Bei uns können sie in der Regel ganz unkompliziert ihre Stunden reduzieren und jederzeit wieder aufstocken. Wir hatten bisher keinen Fall, in dem es uns nicht gelungen ist, eine Lösung zu finden. Das Verständnis der Arbeitgeber für die Bedürfnisse der Arbeitnehmer wird größer. Es ist extrem viel wert, dass solche Signale gesetzt werden.