Kaiserslautern Nicht nur Mord und Totschlag, auch Fantasie

Schaurig schön ging es am Donnerstag im Foyer des Polizeipräsidiums Westpfalz zu. Dort lasen Christina Bacher und Monika Geier aus ihren aktuellen Krimis, „Amuse Gueule“ und „Die Hex ist tot“. Nicht nur dank eines interessanten Rahmenprogramms fand die Veranstaltung in einer herzlicheren Atmosphäre statt, als man zunächst erwartet.
Was haben eine Jahre lange Konkurrenz zweier Gaststätten am Unterhammer, auf mysteriöse Weise geöffnete Kanaldeckel am Kotten und ein Vater-Tochter-Treffen am Kaiserslauterer Hauptbahnhof gemein? Sie alle stehen im Zusammenhang mit Morden und Kriminalfällen der neuen Werke von Christina Bacher und Monika Geier, namentlich „Amuse Gueule“ und „Die Hex ist tot“. Die bekannte Kulisse verleiht den vorgestellten Auszügen eine enorme Lebendigkeit und Realitätsnähe. Und den Unterschied zwischen Fiktion und Letzterem erörtern die beiden Autorinnen zusammen mit Angela Walz von der Polizeipressestelle bei einer Lesung. Die Verbindung von Belletristik und Forensik bildet den Leitfaden der Veranstaltung. Bacher hat für den Entstehungsprozess ihres Buches jedoch nicht nur auf die Hilfe der Polizei gebaut. Die Wahl-Kölnerin besuchte die Pfalz viele Male und machte Streifzüge durch den Pfälzerwald. „Man kann im Wald gut literarische Leichen verstecken“, erklärt sie. Zwar baut sie mit ihrer Art zu lesen, der langsamen und tiefen Stimme für narrative Passagen und der an die Charaktere angepasste Intonation viel Spannung auf, doch sind es Sätze wie „Der Haken war das Messer in seiner Hand“, die die Stimmung lockern. Neben dem gut platzierten Sarkasmus zählt sie dabei auch auf den einen oder anderen Tusch von Pianist Peter Glanzmann. Das Besondere an „Amuse Gueule“: Es ist erstmals an Erwachsene gerichtet und spielt in der Region. Bacher ist hier geboren und hat viele Jahre ihres Lebens hier verbracht. Sie habe mit Leidenschaft an dem Werk ihres Lieblingsgenres gearbeitet: „Wenn ich versuche, eine Liebesgeschichte zu schreiben, wird es immer ein Krimi.“ Monika Geier setzt – wie Bacher auch – auf ein Spiel mit dem schwarzen Humor. Dieses äußert sich in ihrem Buch „Die Hex ist tot“ mit Sätzen wie: „Er wirkte so umwerfend körperlich, da konnte er nicht auch noch vergeistigt aussehen.“ Auch bei ihr hören alle gebannt zu und lachen an den richtigen Stellen, was aber keineswegs gestellt wirkt. Passend zum Veranstaltungsraum werden auch Polizisten Teil des Geschehens, auf Papier und auf der Bühne. Geier macht eine Ermittlerin zu ihrer Protagonistin, Bacher schildert mit Liebe zum Detail die Arbeitsprozesse hinter der Aufklärung von Mordfällen. Sie zeigen auch, dass eine Kooperation der Kripo mit Autoren nichts Ungewöhnliches ist. Zum Beispiel habe sich ein Telefonanschluss in Berlin nur für Recherchen während des Schreibens lange Zeit großer Beliebtheit erfreut, erklären die langjährigen Freundinnen. Darüber hinaus hat Monika Geier einen Kriminalhauptkommissar in der Familie, der ihr mit Rat und Tat zur Seite stand. Wie die Runde ist auch das Rahmenprogramm von Humor erfüllt: Als Einleitung gibt Glanzmann „Killing Me Softly“ zum Besten und Walz erklärt, warum der Termin auf einen Donnerstag gefallen ist: wegen ihrer Furcht vor Freitag, dem 13. Die Lesung zeigt, dass der Beruf des Ermittlers nicht nur aus Mord und Totschlag besteht, sondern auch Raum für Fantasie und Unterhaltung lässt.