Kaiserslautern
Nicht nett – aber lustig! Vier Comedians begeistern in der NightWash-Reihe der Kaiserslauterer Kammgarn
Hach ja, es weihnachtet schon sehr im Lande – und ganz besonders im Kölner Comedy-Waschsalon NightWash. Mit einer Deluxe-Show kamen vier Gesandte des Salons am Donnerstag ins Kasino und präsentierten allerhand Tipps und Tricks für eine besinnliche Weihnachtszeit und originelle Geschenke für die Liebsten: von Gutscheinen für Genitalquetschungen, interessanten Weihnachtsliedern, Fake News und „Penis-Memory“.
Geschneit hat es nicht zur komödiantischen Deluxe-Weihnachtssause – dafür hagelte es Pointen. Den ersten Hagelschauer feuerte Moderator Simon Stäblein ab. Der „Kölsche Jung’“ ist erst so halb im Weihnachtsmodus. Ein Last-Minute-Geschenke-Typ durch und durch – am 22. Dezember lässt er noch schnell für die Mutter ein Tuna-Sandwich bei Subway einpacken und legt es unter den Weihnachtsbaum. Immerhin kreativ.
Ein Herr aus der ersten Reihe war da schon etwas weiter: Er verschenkt ein FCK-Trikot. „Spielen die noch?“, fragte der Kölner und heimste sich die ersten patriotischen „Buh“-Rufe des Abends ein. Naja, zu Weihnachten schenkt man sich eh nur noch „Mist“ – nix mehr mit einem „verdammten Porsche oder einem Kilo Kokain!“ Man schenkt selten das, was sich der andere wünscht, „weil es einfach zu teuer ist. Ich würde auch gerne meinem Opa schenken, was er sich wünscht. Aber wisst ihr, wie teuer so ein originaler NS-Mantel ist?“ Bei seinen Geschenken zieht er aber auch öfters Nieten. Stäblein sei nämlich ein „krasser Tollpatsch“, der aber trotzdem jedes Jahr Jochen-Schweitzer-Gutscheine geschenkt bekommt.
Von Fallschirm und Bungee-Jumping
Vor drei Jahren war er deshalb Fallschirmspringen – Genitalquetschungen inklusive: „Ich bin ins Allgäu gesegelt mit meinem Sack unter der rechten Rippe. Diesen Schmerz verstehst du nur wenn du Eier hast.“ Der Bungee-Jumping-Gutschein war auch eher ein Reinfall – im wahrsten Sinne des Wortes: „Du wirst wie eine Bergziege an Füßen und Hüfte zugeschnürt, musst nach vorne watscheln … und ich bin einfach runter gefallen. Die haben mich am Ende wie ein totes Schwein 200 Meter hochgezogen. Versuch da mal irgendeine Aussicht zu genießen.“
Friedemann Weise – einigen vielleicht als der zauselige Intellektuelle mit gelbem Hemd und lila Sakko aus der „Heute Show“ bekannt – hatte da kreativere Weihnachtspräsente. „Ich war schon mal in Kaiserslautern, aber das war in Paderborn.“ In diesem Tenor leierte sich der satirische Liedermacher aus Köln allerhand „Weisheiten“ aus dem Ärmel. Eigentlich wollte er mit einem Lied einsteigen, das er für seine Tochter geschrieben hatte mit dem zarten Titel „Ich fi... deine Mutter“ aber das sei für das Lautrer Publikum „zu hart“ gewesen. Und täte auch sicher seiner Vaterschaftsklage nicht gut, für die er aus lauter Unsicherheit die Speichelprobe vom Hund seiner Nachbarn eingereicht hat. „Im Nachhinein keine gute Idee, ich zahle mittlerweile Alimente für acht Dobermannwelpen.“ Er sieht zwar so fertig aus, dass, wenn er Medikamente für seine Freunde holt, die Apothekerin ihm „Gute Besserung“ wünscht und ältere Damen in der Bahn bei seinem Anblick aushauchen: „Das werden auch immer mehr!“ Sei’s drum, ein Rockstar kennt keinen Schmerz.
Lustig-lakonische Liedchen
Und so trällerte er quasi als Retourkutsche lustig-lakonische Liedchen an der Gitarre mit vorfreudig-weihnachtlicher Botschaft wie „Sieh’s doch auch mal negativ, es ist nicht alles gut“ oder „Komm’ wir geh’n an die Ampel und lachen SUV-Fahrer aus“. Und die hatten so ansteckend flotte „Vibes“, dass alle im Kasino mitsangen – ohne zu wissen, dass sie damit an einem Sozialexperiment teilnahmen: „Ich wollte nur mal zeigen, wie leicht es ist, so ’ne populistische Bewegung loszutreten.“ Oder er rezitierte einige selbstverfasste Weihnachtsgedichte wie „Lispelnde Magersüchtige haben gleich zwei Essstörungen“ oder „Ungesättigte Fette sind am Buffet nicht gerne gesehen.“
Phil Laude – deutsch-österreichischer Schauspieler, Sänger, Youtuber und talentierter Stimmenimitator – rappt solche Gedichte lieber. Der Deutschrap-Fan erklärte dem Kasino-Publikum, dass er so deutsch sei, dass er beim Überqueren einer Straße ohne Zebrastreifen und mit einem auf ihn zufahrenden Auto das Für und Wider des deutschen Verkehrsrechts abwägt: Wenn er überfahren worden wäre, hätte dann der Autofahrer oder er selbst Schuld? „Ich habe also meinen eigenen Tod in Betracht gezogen, nur um im Recht zu bleiben.“ Mehr Deutsch-Sein geht nicht. Im zweiten Set eröffnete er auch noch Einblicke in seine Mobbing-Schulzeit: „Wer hat sich eigentlich Völkerball ausgedacht? Hitler?“ Vielleicht der gleiche Typ, der auch Donald Trump erfunden hat, von dem Laude immer noch glaubt, dass er „Fake News“ ist – nicht nur als Präsident, sondern auch als Exemplar der menschlichen Spezies: „Welcher echte Mensch, den ihr kennt, hat einen entspannten Gesichtsausdruck wie ein Kleinkind, das sich den Kopf gestoßen hat, aber noch nicht weint?“
Hausbesichtigung und Low-Carb-Snacks
Nicht zum Weinen, aber bestimmt zum Lachen wird das Weihnachtsfest bei der Frauenpower der NightWash-Brigade: Nicole Jäger – alias die selbsternannte „Arschloch Prinzessin“ oder „Prinzessin Arschloch“. Sie bekommt zu Weihnachten auf ihren Online-Dating-Portalen sicher wieder Intim-Bilder von Männern geschenkt, die sie dann gerne für ihre „Penis-Memory“-Kollektion sammelt. Nicht so gerne geht die kurvige Komödiantin aus Hamburg dagegen zu den Ü-30-Hauspartys ihrer Freunde, die sie jedes Mal zu einer ausgiebigen Hausbesichtigung zwingen und Low-Carb-Snacks anbieten.
Natürlich gab es auch dieses Mal den komödiantischen Zeigefinger gegenüber Klimawandel-Leugnern, Helikopter-Eltern und Veganern. Und – wie könnte es in der Pfalz auch anders sein – Saarländern: von dem Hinweis, beim nächsten Fallschirmsprung übers Saarland mal ein ordentliches Paket abzuschei... äh, schießen (Stäblein) bis zur Empfehlung, jeden Morgen einfach mal zu pfeifen, „weil man nicht im Saarland geboren ist“ (Weise). Naja, für Nettigkeiten sind die NightWash-Kasper auch selten bekannt. Lustig war es trotzdem.