Kaiserslautern
Neunmalkluge Fünferbande: Homburger Frauenkabarett zu Gast in Ramstein
Die Mutter trägt das Kind für ihre eigene Tochter und deren Mann aus. Denn die beiden haben keine Zeit dazu. Schon der Fötus wird täglich geistig stimuliert, bei seiner Geburt verfügt das Neugeborene bereits über das ganze Wissen des Internets. Im Alter von zwei Jahren erklärt Samantha, so heißt das Kind, bei der Kommunion dem Priester, „wie das Jesuskind in de Bauch vun de Maria eninkomm is“. Mit drei wird sie eingeschult, mit sechs Jahren ist sie bereits Doktor Doktor der Biologie. Für ihre Mutter konstruiert Samantha einen ganz speziellen Computer, der ihr, Samantha, zum Verwechseln ähnlich sieht. Per Ferndiagnose vermag „Samantha II“ festzustellen, ob die Mutter Bluthochdruck hat, ob sie auf die Toilette muss. Der natürlichen Dummheit müsse endlich Einhalt geboten werden durch die künstliche Intelligenz.
Wie diese fünf Damen − eine Sozialarbeiterin, eine Lehrerin, eine Sprecherzieherin und zwei Frauenärztinnen − die Entwicklungen der Zeit aufs Korn nehmen, ist sensationell. Sie erklären die komplizierten Entwicklungen nicht nur so, dass sie jeder versteht, sondern verpacken sie in einen so saftigen, zuweilen sogar derben Humor, dass sich die Balken biegen.
AKK und die Bundeswehr
Ihr Humor ist praktisch der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt. Das erkennt man deutlich, wenn sich die „Fünferbande“ auf das Glatteis der Politik begibt. „Ja, ja, die AKK“, meint Birgit, „wie die durchgestartet ist, muss man bewundern“. „Wir im Saarland sind schon stolz auf sie“, konstatiert Gisela. „Wir haben aber auch Sorge, ob die das alles packt, so’n Saarbrücker Mädsche. Allez hopp! Bei der Bundeswehr kann die nimmie so viel kaputt mache.“
Diffiziler wird’s schon, wenn’s um die AfD geht: Ein Wachtmeister erscheint auf dem Amt und beantragt „zwangsweise Unterbringung“ für einen Störenfried, der auf dem Marktplatz herumschreie. Einen farbigen Ausländer habe er an den Haaren gezerrt und ihn angeschrien. „Das ist eindeutig ein Fall von Paranoia“, stellt die Beamtin fest, „der leidet an psychischen Störungen, in deren Mittelpunkt Wahnbildungen stehen.“ Wie der Kerl denn heiße, will sie noch wissen. Das weiß der Wachmann nicht so genau: „Ich muss bei dem Namen an ein Kamel denken. Ah ja! Höcker heißt er.“ Rauschender Applaus.
Fremdschämen für die Männer
Auf die Schippe nehmen die fünf Damen auch die „externe Beratung“ verschiedener Ministerien, wofür die Bundesregierung im vergangenen Jahr über 500 Millionen Euro ausgegeben hat. „Hochprofessionelle Parteienberatung“ bieten sie daher auch. Die AfD möchte beispielsweise eine Partei-Hymne. „Wir werden wieder völkisch, werden wieder deutscher“, singen sie in zackigem Marschrhythmus, „und kämpfen gegen die Ausländerflut“. Auf leise Proteste im Publikum reagieren sie mit dem Satz: „Wir sind alt, wir brauchen das Geld.“
„Wir schämen uns, wenn sich unsere Männer wieder für gar nichts schämen“, rufen sie. „Wir schämen uns für 25 Prozent aller Kleriker. Wir schämen uns, wenn uns jemand für so alt schätzt, wie wir wirklich sind.“ Die Kabarettistinnen machen es nicht nur sich selbst leichter, mit den Unzulänglichkeiten des Lebens zurecht zu kommen. Ihr Humor macht es auch leichter, versöhnlich auf die Schwächen der Mitmenschen zu schauen.
Schauspielkunst und Galgenhumor
Wie diese fünf Damen aus der Saarpfalz ihre Kritik an der Gesellschaft in saftigen Humor verpacken und auf die Bühne bringen, ist einfach grandios. Sie zerpflücken, spitzen zu, langen hin, hauen Skurriles und Komisches mit jeder Menge Galgenhumor raus. Jedes Detail sitzt, jede Geste, jede Bewegung. Schauspielkunst mit jeder Menge Sinn für Ulk und Klamauk. Mit treffsicheren Pointen und starken Liedern steuern sie das Zwerchfell ohne Umwege an. Fazit nach zweieinhalb Stunden: Das Homburger Frauenkabarett ist besser als je zuvor. Zwei Zugaben. Applaus im Stehen.