Kaiserslautern Neujahrsempfang im Museum Pfalzgalerie
Auch im Kulturbereich boomen inzwischen die Neujahrsempfänge. Wo sich vor etlichen Jahren noch der Alternative Neujahrsempfang des Kulturzentrums Kammgarn allein auf weiter Flur befand, gibt es heute Aktionen zuhauf. Gleich zwei davon waren für den Freitagabend anberaumt: eine im Kunstverein Kunstraum Westpfalz inklusive einer Performance und die andere, weitaus größere, im Museum Pfalzgalerie.
Der dritte Empfang seiner Art war es in dem Haus des Bezirksverbandes, mit besonderer Spannung erwartet wurde dabei die Präsentation des Programms im Jubiläumsjahr des Museums. Das 150-jährige Bestehen des Museumsvereins wollen die Pfalzgaleristen dabei mit einer Neueinrichtung ihrer Ständigen Sammlung würdigen. Daneben stellte Museumsleiter Steffen Egle die folgenden vier Sonderausstellungen vor, die nach einer Umbaupause im Laufe des Jahres zu sehen sein sollen.
Raubkunst und Expressionismus
Neben einer Schau zum Thema Raubkunst und einer Ausstellung zu den Pfalzpreisträgern des Jahres 1975, Franz Bernhard und Maximilian Hutlett (beide ab 11. Mai), soll es eine Ausstellung mit expressionistischer Kunst aus dem Bestand (ab 20. September) und schließlich eine Retrospektive mit Werken der österreichischen Landschaftsmalerin Tina Blau (ab 15. November) geben. Daneben seien diverse Aktionen wie die Teilnahme an der „Langen Nacht der Kultur“ und ein Kunst-Rave im Herbst geplant.
Zur Darstellung des segensreichen Wirkens des Bezirksverbandes Pfalz nutzte dessen stellvertretender Vorsitzender, Lauterns Ex-OB Klaus Weichel, seinen Redebeitrag. Immerhin erfuhr das Publikum dabei, dass der Bezirksverband 39 Millionen seines 102 Millionen Euro schweren Gesamtetats für Kulturaufwendungen ausgebe. Dies entspräche, so Weichel, 38 Prozent des Etats – eine Zahl, von der Kommunen nur träumen könnten. Und in der Tat dürfte der Anteil für die Kultur am städtischen Budget auch unter einem OB Weichel die Drei-Prozent-Hürde nicht gerissen haben. Immerhin drei Millionen Euro kämen aus dem Bezirksverbandsetat der Pfalzgalerie zugute, 290.000 Euro flössen dabei in die Umbau- und Renovierungsmaßnahmen des Jahres 2025. Überhaupt kämen 33 Millionen des 39 Millionen starken Kulturbudgets Einrichtungen der Stadt Kaiserslautern zugute, schloss Weichel seine Laudatio.
Boden der Tatsachen
Auf den Boden der Tatsachen zurück holte danach Bettina Bachem, Vorsitzende des rührigen Vereins der Museumsfreunde, das Publikum. Sie prangerte die Kulturausgaben des Landes mit lediglich 11,36 Euro pro Einwohner an, damit sei Rheinland-Pfalz traditionell Schlusslicht im Länderranking. Bereits das Saarland gebe 19,32 Euro pro Kopf für die Kultur aus, Sachsen stolze 51,38 Euro.
Neben Zahlen und Fakten stand der Empfang im Zeichen diverser Aktionen: So waren die vier Künstler der viel beachteten Ausstellung „Betze, K-Town, Pfaff“ bei Signierstunden und Künstlergesprächen am Start. Kurator Sören Fischer brachte den Kunstfreunden mit einfühlsamen Führungen die Liebermann-Ausstellung nah. Eine kleine „Pfaff-Oper“ stellten Sängerin Sandra Hartmann und Multiinstrumentalist Oliver Prechtel vor. Ihre Klangcollage zwischen Geräusch und sphärischen Klängen verdichtete sich dabei zum Klangteppich, der durch die Ausstellungsräume waberte. Einen leise groovenden und doch atmosphärisch eindringlichen Schlusspunkt setzte der Auftritt des Rappers TYREXX, begleitet nur von Gitarrist Eddy, beide übrigens Mitglieder des Lautrer Kulturvereins Sukura. Ein erstaunlich junges Publikum verfolgte begeistert den Auftritt.
Dass es Egle und sein Team neben der Öffnung des Hauses hin zu neuen Besucherschichten auch mit dem Thema Partizipation ernst meinen, bewies nicht zuletzt eine Aktion, bei der die Besucher mittels Punkten, die sie an die Exponate der Ständigen Sammlung verteilen konnten, deren Verbleib in der Neupräsentation sichern konnten. Auch dies ein pfiffiger Einfall, der die Vorfreude auf das Wiedereröffnungswochenende am 10. und 11. Mai steigert.
Termin
Nächster Neujahrsempfang in Sachen Kunst am Montag , 20. Januar, 18 Uhr, im Stadtatelier in der Lauterer Einkaufsmall.