Kaiserslautern
Neugier auf mehr: Legobauer planen fürs zehnte Jahr auf der Gartenschau
Ob bis zur Gartenschaueröffnung, für den 1. April geplant, alle neuen Modelle fertig werden? Martin Schild, der Vorsitzende von Lauter Steine, ist da vorsichtig. Dabei sprudeln die Ideen nur so aus ihm heraus. An diesem Montagnachmittag öffnet er die Tür zum Lager, dem Bauplatz der Legobegeisterten, die hier stunden- und monatelang an ihren Projekten arbeiten. Hier stehen kleine und große Modelle – der „Battle of Hoth“ aus dem Star-Wars-Film „Episode V: Das Imperium schlägt zurück“ zum Beispiel. Etwa eine halbe Million Steine werden verbaut sein, wenn die Rebellenbasis auf dem Eisplaneten einmal fertig ist, erzählt Schild. „Das Modell sollte schon vergangenes Jahr in unsere Ausstellung ziehen, mal schauen, ob es jetzt klappt“, sagt er. Einzelne Teile lassen sich aus dem Modell herausnehmen, ermöglichen einen tieferen Blick in die Star-Wars-Welt hinein.
Grüne, blaue, rote, gelbe, rosafarbene Steine, genauso wie graue, weiße und viele mehr, warten hier und an anderer Stelle darauf, verbaut zu werden. Dazwischen stehen die fertigen Modelle der Trierer Porta Nigra, des Hambacher Schlosses und des Brandenburger Tors. Immer wieder gehen diese Legomodelle auf Reisen. „Wir sind immer wieder auf Ausstellungen vertreten, wurden letztes Jahr zum Tag der Deutschen Einheit nach Schwerin eingeladen, und waren gleichzeitig auch in Berlin vertreten“, berichtet Schild. Im September folgte dann zum ersten Mal in Landstuhl eine Fanausstellung mit eigenen Modellen und jenen befreundeter Vereine.
Aus sechs Wochen werden zehn Jahre
Rückblick ins Jahr 2015: Es sind die Anfänge der Kaiserslauterer Legoausstellung. In der Blumenhalle der Gartenschau wird gewerkelt und gebaut. Martin Schild ist damals der Initiator und Hauptbaumeister. Sechs Wochen lang öffnet in der Gartenschau zum ersten Mal eine Legoausstellung in Kaiserslautern in Zusammenarbeit mit der iKL, der Gemeinnützigen Integrationsgesellschaft Kaiserslautern, ihre Tore. „Wir hatten im Herbst zuvor zum Weltspartag ein kleines Modell, das mein Sohn und ich gebaut hatten, in Landstuhl ausgestellt“, erzählt Schild. Eine kleine Straßenszene, mehr sei es gar nicht gewesen. Doch Lebenshilfe-Geschäftsführer David Lyle bekam dies mit, und ihm gefiel die Idee, den Gartenschaubesuchern die Bauwerke, die viele aus dem eigenen Kinderzimmer kennen, zu präsentieren. Es gab „am 5. November 2014 ein Gespräch zwischen David Lyle und mir“, ab da nahm die Idee „eine kleine Ausstellung und einen kleinen Verkauf“ in Kaiserslautern zu machen, nach und nach sichtbare Form an.
Den Stiftsplatz hatte sich Schild zusammen mit befreundeten Luxemburger Legobauern vorgenommen. Das Volksbank-Gebäude, das Hotel Saks, das Gebäude der früheren Stadtsparkassen-Geschäftsstelle, all das entstand in stundenlanger Detailarbeit – und zog etliche Besucher an.
Aus einer Ausstellung, die nur für wenige Wochen geplant war, sind mittlerweile zehn Jahre geworden. Im Verein Lauter Steine schlossen sich im Herbst 2015 ein gutes Dutzend begeisterte Legobauer zusammen, um ihre Projekte gemeinsam umzusetzen und auszustellen. 100 Mitglieder hat der Verein laut Schild heute. Sie sind zwischen dreieinhalb und 86 Jahre alt, der Verein sei außerdem inklusiv, habe auch Mitglieder in seinen Reihen, die im Rollstuhl sitzen. Aktuell „arbeiten wir noch an ein paar neuen Modellen“, erzählt er, damit sich auf den gut 800 Quadratmetern Ausstellungsfläche bis zur Öffnung der Gartenschau auch für die neue Saison noch etwas tut.
Neues Stadtviertel wird wohl bald zu sehen sein
„Ich kann noch nicht zu viel verraten, aber wir bauen gerade an einer Lauterer Kirche“, erzählt Schild. Wann genau das Modell zu sehen sein wird, sei aber noch nicht absehbar. Außerdem werde an Straßenmodulen gearbeitet, „wir werden die Stadt in der Ausstellung partiell umbauen, ein neues Stadtviertel dazunehmen“, erzählt er.
Schild, der am Pfalztheater arbeitet, widmet sich außerdem aktuell der Landstuhler Burg Nanstein. „Ich habe dafür vor fünf Jahren angefangen, Steine zu sammeln, vor etwa einem Jahr mit dem Bau begonnen.“ In verschiedenen Grau-Stufen stehen der Bergfried und einige Außenmauern auf den zusammengestellten Tischen im Lager. Drei auf vier Meter soll das Modell einmal groß sein, etwa 250.000 bis 300.000 Steine fassen und dabei so nah wie möglich an das Original herankommen. „Es gibt aber nur sehr wenige Bilder von der Burg im Ursprungszustand“, das mache den Bau schwierig, gebe aber an einigen Stellen auch „künstlerische Freiheit“. Auch an diesem Modell lassen sich Türen öffnen, einzelne Module herausnehmen, „man muss ja auch immer schauen, dass es für Kinder interessant ist“, sie etwas zu gucken haben, so Schild. Für den Innenhof der Burg hat er schon Ideen, einen Turnierplatz würde er dort gerne errichten, vielleicht eine Schmiede, auf jeden Fall so, dass in der Burg des einstigen Raubritters Franz von Sickingen ordentlich Leben einzieht.
Das zehnjährige Bestehen des Vereins und der Legoausstellung in diesem Jahr will der Vorsitzende nutzen, um einige „Sonderaktionen“ zu organisieren. Was genau, da lässt er sich noch nicht in die Karten gucken. Im vergangenen Jahr gab es mehrere Bauworkshops für Kinder und Jugendliche, „die sehr gut ankamen“, auch Ende Dezember waren die Legobauer bei einem Kinder-Event in der Gartenschauhalle dabei. „Wir nutzen die Workshops auch, um neue Mitglieder zu gewinnen“, erzählt Schild. Zum 750. Jubiläum der Stadt Landau 2024 „haben wir das größte Mosaik aus Lego in Rheinland-Pfalz gebaut“, berichtet er. Zwei mal fünf Meter sei es groß gewesen. In mehreren Workshops bauten Schulklassen und mehrere tausend Besucher daran mit. Ob sich das im zehnten Jahr des Vereins noch einmal toppen lässt?