Kaiserslautern
Neues Solo-Album von David Asphalt
An diesem Freitag erscheint mit „Leben und Sterben im Hotel“ David Asphalts drittes Solo-Album. Die RHEINPFALZ hat sich die (nicht ganz alltägliche) Rap-Produktion vorab angehört. Allein der Titel lässt aufhorchen. Ein Hotel birgt doch immer reges „Leben“ in sich: Gespräche an der Rezeption, Stimmengewirr beim Mittagessen, Musik im Fahrstuhl. Da hat der Tod doch keinen Platz, oder?
Der Protagonist in Asphalts Konzeptalbum jedenfalls erlebt im Rahmen einer fortlaufenden Geschichte durchaus Seltsames. Nach einem Autounfall irrt er zunächst ziellos über die Felder, erreicht schließlich ein merkwürdiges Hotel ohne Personal und funktionierende Technik. Auch der Supermarkt in der Nähe ist menschenleer. Jeglicher Kontakt zur Außenwelt erscheint unmöglich. Nur das Radio (aus dem man ab und zu zusammenhängende Nachrichten und Sendersuchlauf- Geräusche hört) gibt Lebenszeichen von sich und fungiert dabei als einzige Brücke zum Rest der Welt.
Gelöstheit und Beklemmung
Umgesetzt wird der Inhalt mit seiner zwischen angenehmer Gelöstheit und greifbarer Beklemmung angesiedelten Stimmung in nicht weniger als 20 Titeln. Durchaus genretypisch konzentrieren sie sich weniger auf abwechslungsreiche Rhythmen denn auf aussagekräftige Texte.
Von der einführenden Basis-Nummer („Deine kleinen Pläne“) geht es über den Track mit dem Albumtitel hinein in vielerlei Nachdenkliches, Philosophisches, mit Ironie angereichertes Gesellschaftskritisches und Politisches („Das beste Deutschland aller Zeiten“). Eine besondere Stellung nimmt der vorab releaste Titel „Meine kleine Dunkelheit“ ein: Er wurde in Zusammenarbeit mit der Stiftung Deutsche Depressionshilfe veröffentlicht. Der Song beschäftigt sich kritisch mit dem Umgang mit betroffenen Menschen und den (oft oberflächlichen) gut gemeinten „Ratschlägen“, die ihnen zum Umgang mit ihrer Erkrankung erteilt werden.
Ein echter Multikünstler
Zunächst kaum einzuordnende Stücke wie „Meine Strahlenpistole“ oder „Alles brennt so schön“ geben nach und nach Hinweise auf das bis dahin nur vage zu interpretierende Geschehen. Ganz am Ende klären „Der Anfang von Etwas“ und insbesondere (das im Titel so harmlos daherkommende) „Zum Wetter“ endgültig und ziemlich deutlich auf, was da eigentlich 19 Titel lang gerade passiert ist - oder vielleicht auch nicht. Großen Anteil an dem Projekt und dessen Qualität hat der musikerfahrene Produzent Daniel Vierling, mit dem der vielseitige Multikünstler aus Kaiserslautern schon im Jahr 2022 bei „Kids mit Knarren“ zusammengearbeitet hat. Denn hier stimmt wieder einmal die künstlerische Chemie, hier hat die Kooperation einmal mehr etwas Bemerkenswertes hervorgebracht.
Als hörens- und nachspürenswert zeigen sich die Asphalt’schen Texte mit ihrer inhaltlichen Tiefe. Da merkt man die langjährigen literarischen Erfahrungen des Künstlers. Alles in allem: Besonders empfehlenswert für (aber nicht nur) Fans des Rap-Genres, die auch einmal etwas außerhalb der üblichen Pfade das Ungewöhnliche suchen.
Info
David Asphalts aktuelles Album „Leben und Sterben im Hotel“ kann man als physische CD unter www.mehralsmusik.com bestellen oder auf den gängigen Internet-Portalen streamen.