Kaiserslautern
Neues Kompetenzzentrum Komatra erforscht Arbeit mit Blick auf die Praxis
Fünf Jahre: Das ist die Zeitspanne, die Komatra hat, um soweit heranzuwachsen, dass es auf eigenen Füßen stehen kann. „Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert Kompetenzzentren der Arbeitsmarktforschung“, erläutert Vanessa Kukeb. Sie ist zusammen mit Delia Schröder für die operative Projektleitung bei Komatra zuständig – das als ein solches Kompetenzzentrum zum 1. Januar 2023 in Kaiserslautern an den Start ging. „Die Planung lief ungefähr ein halbes Jahr früher an“, verrät sie.
Doch Komatra will nicht nur in der grauen Theorie forschen, sondern es geht darum, Erkenntnisse auf ihre Praxistauglichkeit zu testen. Das macht Komatra mit zwei Arten von Partnern: Erstens Projektpartnern, die aus Forschung und Entwicklung kommen, und zweitens mit „Unternehmenspartnern, die unsere Ideen umsetzen“.
Automobil- und Medizinbranche stellvertretend im Fokus von Komatra
Regional beschränkt sich die Forschung des Kompetenzzentrums Komatra auf „Teile von Rheinland-Pfalz und das Saarland“. Inhaltlich hat sich Komatra auf zwei Projektthemen konzentriert und danach die Unternehmenspartner ausgesucht: die Automobilbranche und die Medizin. „Seitdem Ford sich aus dem Saarland zurückgezogen hat, ist dort die große Frage für viele Automobil-Zulieferer: Wie werden wir zukunftsfähig?“, berichtet Kubek. Die Medizin-Branche steht hingegen vor ganz anderen, aber nicht geringeren Herausforderungen: „Sie ist sehr innovativ, aber ihr fehlen die Fachkräfte.“ Gemein ist laut Kubek beiden, dass sie vor einem besonders großen Veränderungsprozess stehen und entsprechenden Druck spüren.
Dabei will Komatra unterstützen, also herausfinden, wie man diesem Druck begegnet und die Erkenntnisse in den sechs Unternehmen der Projektpartner ausprobieren. „Für uns stehen die Werte im Fokus“, betont Kubek. Daran orientiert werden die Prozesse überprüft. „Junge Leute haben heute ganz andere Erwartungen an die Arbeit: Sie wollen mehr Selbstbestimmung, mehr Freiheit, weniger Hierarchie als früher“, zählt Kubek einige auf. Der Frage nach dem Sinn ihrer Arbeit und der Geschäftstätigkeit ihres Unternehmens sowie der Forderung nach mehr Work-Life-Balance könnten sich die Arbeitgeber nicht mehr verschließen. Doch sie profitieren auch, betont Kubek: „Wenn ich meinen Mitarbeitern mehr Entscheidungsspielraum gebe, dann bekomme ich beispielsweise statt von drei Abteilungsleitern Ideen von 100 Mitarbeitern. Das fördert deren Know-how und eröffnet Potenzial.“ Die Veränderungen im Arbeitsprozess bedeuten jedoch auch mehr Belastung, „und unser Ziel ist es, Wege zu finden, damit die Mitarbeiter trotzdem gesund bleiben“.
Auch der Umweltaspekt in der Produktion wird erforscht
Die Werteorientierung umfasst aber auch den Umweltaspekt. So steht die Kreislaufwirtschaft, also nachhaltige Produktion, bei Komatra im Fokus. „In der Medizin beispielsweise werden viele Wegwerfartikel gebraucht. Die Frage ist: Wie kann ich diese vermeiden und umweltfreundlicher produzieren? Darin können wir die Unternehmen unterstützen.“
Die durch Komatra gewonnenen Erkenntnisse sollen nicht auf die sechs Unternehmenspartner beschränkt bleiben, deshalb gelten diese als „Stellvertreterunternehmen“: „Wir planen Veranstaltungen, in denen sich Unternehmen austauschen und voneinander lernen können.“ Aber auch die Projektpartner aus der Forschung seien beauftragt, das Wissen nach außen zu tragen, „die Universitätsmedizin Mainz und Saaris, die Wirtschaftsförderungsagentur fürs Saarland, sind Transferpartner“. Weitere Projektpartner haben spezielle Aufgaben: „Die Rheinland-Pfälzische Technische Universität RPTU die Erwachsenenbildung, der Umweltcampus Birkenfeld den Umweltaspekt, das ITA, Institut für Arbeit, die arbeitswissenschaftliche Perspektive“, listet Kubek auf.
Vom in Kaiserslautern ansässigen ITA kommen etliche der Komatra-Gründerinnen und Gründer, wie Kubek und Delia Schröder, die auch weiterhin bei ITA tätig sind. Wissenschaftlicher Leiter ist Matthias Rohs, Professor an der RPTU, und weiterer Komatra-Sprecher ist Matthias Vette-Steinkamp, Professor am Umwelt-Campus Birkenfeld.
„Das Konsortium an Partnern und die beiden inhaltlichen Bereiche werden so bleiben“, macht Kubek die Perspektive von Komatra klar, „aber wir wollen möglichst viele Adressaten erreichen, indem die Erkenntnisse auf andere Branchen übertragen werden.“ Das versucht Komatra schon mit seiner öffentlichen Auftaktveranstaltung am Dienstag, 21. März, auf dem Betzenberg, bei der sich das Kompetenzzentrum vorstellt und nach Impulsvorträgen zum Austausch einlädt. Arbeitsminister Alexander Schweitzer eröffnet den Fachkongress.
Info
Auftaktveranstaltung von Komatra am Dienstag, 21. März, von 13 bis 17 Uhr im Fritz-Walter-Stadion. Der Fachkongress ist offen für jeden, aber eine Anmeldung erbeten. Im Anschluss ist eine Stadionführung möglich.