Kaiserslautern
Neues Entwässerungskonzept für die Leipziger Straße
Der Abwasserkanal in der Leipziger Straße sei hoch ausgelastet, schildert Jörg Woll, Sachgebietsleiter für die generelle Entwässerungsplanung bei der Stadtentwässerung. Um den Kanal zu entlasten, werde voraussichtlich ab Herbst dieses Jahres parallel zum bestehenden Mischwasserkanal ein neuer Kanal für Oberflächenwasser verbaut. Während in dem bestehenden Mischwasserkanal weiter das Abwasser in die Kläranlage abgeleitet wird, soll das saubere Oberflächenwasser, das bei Regenfällen auf der Straße anfällt, durch den neuen Kanal in Regenrückhaltebecken geleitet werden. Dort versickert es im Boden.
„Auf diese Weise trennen wir das Oberflächenwasser vom Schmutzwasser“, erklärt Woll. Dies stellt eine Entlastung der Kläranlage dar. Gleichzeitig biete die Lösung den Vorteil, dass die Regenwassermengen, die in diesem Gebiet anfallen, nicht mehr im Kanalsystem der Innenstadt ankämen. Somit werde das Kanalsystem der Innenstadt entlastet und der neue Kanal trage zur Überflutungsvorsorge in der Leipziger Straße und in der Innenstadt bei.
Drei Regenrückhaltebecken geplant
Die Regenrückhaltebecken sind im unteren Bereich der Leipziger Straße geplant. Es handelt sich um drei Rückhaltebecken, in denen sich das Regenwasser sammeln und versickern kann. Zwei Becken werden kaskadenartig entlang der Leipziger Straße entstehen, das dritte soll im Einmündungsbereich von Leipziger und Hohenecker Straße angelegt werden. Die Versickerungsleistung des Bodens sei an diesen Stellen günstig, schildert Woll. Auf diese Weise werde das Regenwasser direkt dem natürlichen Wasserkreislauf zugeführt, ohne den Umweg über die Kläranlage nehmen zu müssen.
Bei den Becken handle es sich um offene, begrünte Erdbecken, an denen Wege entlangführen. Die Gesamtfläche für Becken und Wege werde circa 4000 Quadratmeter betragen, sagt Eugen Wiesner, technischer Angestellter bei der Stadtentwässerung Kaiserslautern. Die Waldfläche, in der die Becken ausgehoben werden, werde die Stadtentwässerung vom Landesforst und der Stadt Kaiserslautern erwerben. Im Herbst sollen die notwendigen Rodungsarbeiten beginnen.
Begrünte Böschungen
Die Becken werden in das vorhandene Gelände bestmöglich eingepasst oder werden sich wie im Bereich der Hohenecker Straße, später wie langegestreckte, flache Mulden in die Landschaft einfügen, beschreibt Woll. „Die Böschungen der Becken werden mit Rasensaat ausgekleidet und die Sohlen werden begrünt“, schildert er. Weiter werde es eine Randbepflanzung geben. Sobald die Baumaßnahmen abgeschlossen seien, werden die in der übrigen Waldfläche entnommenen, nicht standortgerechten Bäume, hauptsächlich Fichten, mit klimagerechten Baumarten aufgeforstet. Damit trage die Baumaßnahme zum klimagerechten Waldumbau bei, da die Bäume, die dort derzeit stehen, diese Anforderung nicht erfüllen.
Die Becken werden in deutlichem Abstand zu den nächst stehenden Gebäuden angelegt. Da die Häuser mehrere Meter höher als die Becken stehen, gehe von dem gestauten Wasser keine Gefahr für die Grundstücke aus, es werde keine Vernässung von Gebäuden oder Kellern geben.
Die Ausführungsplanung für die Maßnahme sei fast fertig, berichtet Wiesner. Sobald die Genehmigung erteilt sei, werde die Baumaßnahme ausgeschrieben. Die Bauarbeiten könnten im Herbst 2021 beginnen. Die Bauzeit werde ein bis eineinhalb Jahre dauern und rund 1,5 Millionen Euro kosten. Vorübergehende Straßensperrungen werden sich während der Bauzeit nicht vermeiden lassen, so werde der untere Teil der Leipziger Straße hin zur Hohenecker Straße teilweise voll gesperrt werden müssen. Hierzu werde im Vorfeld ein Konzept erarbeitet, so dass die Zufahrt zum Wohngebiet weiter gegeben sein werde. Der Radweg, der derzeit parallel zur Hohenecker Straße verlaufe, werde während der Baumaßnahme verlegt und laufe künftig oberhalb des Beckens weiter. Nach Ende der Baumaßnahme sei er wieder befahrbar.
Beispiel für künftiges Vorgehen
Die Baumaßnahme sei ein Beispiel dafür, wie die Stadtentwässerung zukünftige Projekte angehen werde, schildert Woll. Anstatt anfallendes Regenwasser wie bisher üblich gemeinsam mit dem Schmutzwasser abzuleiten, soll es direkt dem natürlichen Wasserkreislauf wieder zugeführt werden. Dies diene dem Überflutungsschutz, entlaste die Kläranlage und die Kanäle und stelle gleichzeitig die erforderliche Anpassung an das veränderte Klima dar.