Kaiserslautern
Neues Abenteuer: „Lilly und Nikolas“ ermitteln in Kaiserslautern
Die Liebe zum Reisen begleitet die Autorin, Dolmetscherin und Übersetzerin schon sehr lange. Genauer seit dem Sommer 1983, als sie mit 13 Jahren zum Dank für ihre Teilnahme bei einer Russisch-Spracholympiade eine Reise von der damaligen DDR-Führung nach Moskau geschenkt bekam. Mit der russischen Sprache ist die gebürtige Berlinerin quasi aufgewachsen, später kamen Bulgarisch und Tschechisch hinzu. Und mit den Sprachen kam die Reiselust – „am liebsten in Länder, deren Sprachen ich auch spreche“, sagt sie. Europa hat sie fast schon komplett durchwandert. Als 15-Jährige hat sie bereits – „so halb offiziell“, sagt sie – kurze Stadtführungen durch Berlin für Russischsprachige angeboten. „Später habe ich das dann auch wirklich offiziell gemacht.“ Und während des ersten Lockdowns hat sie „ausschließlich Reisebücher gelesen – vor lauter Eskapismus-Drang“.
In der Pfalz waren die beiden Helden noch nie
Sprachen, Reiselust, Stadtführerin: Dass sich Carola Jürchott vor diesem Hintergrund ans Schreiben von Städtereisebüchern für Kinder und Erwachsene gewagt hat, scheint nur logisch. Und dass sie sich nun auch in die Reiseabenteuer von Lilly und Nikolas begeben hat – von denen sie vorher schon einige lektoriert hat – wirkt nahezu perfekt. Denn kaum eine andere Kinderbuch-Reihe entführt Kinderseelen so bildhaft in die deutsche Landschaft wie die des Biber & Butzemann-Verlags.
Rund siebzig „Lilly und Nikolas“-Bände gibt es mittlerweile. Alle spielen in einem anderen Ort, einer anderen Stadt, einer anderen Landschaft, aber immer mit den zwei Charakteren Lilly und Nikolas. Die Pfalz und Kaiserslautern waren noch nie vertreten – bis jetzt. „Ich war schon öfter in der Pfalz unterwegs und wusste schon vor dem Buch, dass ich das Land und die Traditionen sehr schön finde – zum Beispiel die sagenumwobenen Elwetritsche“, erzählt die Autorin. „Die Landschaft, die Kultur, die Kleinstädte, die Burgen und die Weinberge – aus Großstadtsicht wirkt das sehr hübsch und charmant. Und im Hambacher Schloss in Neustadt begann schließlich die moderne deutsche Geschichte.“
„In K-Town, tief in Western Germany ...“
Die Bezeichnung „K-Town“ für Kaiserslautern kennt Carola Jürchott übrigens auch schon viel länger als manche „K-Towner“ selbst. Und das wieder dank einer Reise nach Moskau, dieses Mal eine im Jahr 1992. „Da saß ich im Zug von Berlin nach Moskau – eine 36 Stunden-Fahrt. Und dort saß auch zufällig ein Mädchen aus Kaiserslautern. Zwei Jahre zuvor war der Song ,Alle Soldaten woll’n nach Haus’ von Reinhard Mey erschienen. Und der beginnt mit: ,In K-Town, tief in Western Germany ...'. Ich wusste aber nie, was K-Town bedeutet und wo es liegt. Bis mich jenes Mädchen im Zug aufklärte.“
Mittlerweile hat Jürchott selbst starke Bande nach Kaiserslautern: „Eine gute Freundin von mir lebt in der Stadt. Ich kenne sie schon seit dreizehn Jahren.“ Diese Freundin war maßgeblich daran beteiligt, dass die Berliner Autorin ihr „Lilly und Nikolas“-Abenteuer nach Kaiserslautern verlegte. „Bei einem Besuch haben wir uns gemeinsam die Rumpf-Brunnen in der Pfalz angesehen. Und meine Freundin sagte: ,Achte mal auf die Mäuse!'“ Gemeint sind die opulenten Brunnen des Lautrer Bildhauers Gernot Rumpf, die sich in vielen Pfälzer Städten befinden. Rumpf hat häufig inmitten der komplexen Wasserspender kleine Mäuse aus Bronze versteckt – auch im Kaiserbrunnen am Mainzer Tor in Lautern.
„Meine Freundin erklärte mir, dass es einem Ur-Pfälzer ganz sicher auffallen würde, wenn die Mäuse plötzlich weg wären“, berichtet Jürchott. Und so kam es, dass diese kleinen Nager im Zentrum der „Mäusejagd in der Pfalz“ stehen. Ganz plötzlich und spurlos verschwinden sie, in Kaiserslautern und ebenso in Speyer, Deidesheim, Neustadt, Bad Bergzabern und Edenkoben.
Das Rätsel spickte die Schriftstellerin mit sehr vielen Märchen-, Fabel- und Fantasy-Akzenten – ganz das Metier der bis heute begeisterten Märchen-Leserin. Entstanden ist ein Kinder-Reise-Krimi, der so „fabelhaft“ ist wie die Rumpf-Brunnen selbst. „In den Brunnen entdeckt man viele märchenhafte Elemente und Fabeltiere. Jedes Element hat seine eigene Bedeutung. Alles lädt Kinder dazu ein, in die Kostüme zu schlüpfen, auf die Tiere zu klettern und zu forschen.“ Das Buch soll quasi nebenbei auch Lust machen, die Pfalz zu erforschen. Dazu dienen bildhaft beschriebene Wanderungen, Burgbesuche und Ausflüge auf die Elwetritsche-Jagd.
Ein echter Lautrer Bub ist auch dabei
Jürchott hat auch den Sohn ihrer Kaiserslauterer Freundin im Buch verewigt – mit einem Charakter namens Fabian, dem Freund des jungen Detektiv-Duos Lilly und Nikolas. Fabian führt die beiden durch die Barbarossa-Stadt und erzählt ihnen von den legendären Mäusen. Die wären auch im wahren Leben eine Menge wert. „Darauf brachte mich auch meine Freundin“, sagt Carola Jürchott. „Sie erzählte, dass es sich durchaus lohnen würde, die Rumpf-Figuren zu klauen, da sie bei Auktionen für einige Tausender weggingen. Aber dazu wollen wir die Kinder nun wirklich nicht animieren“, betont die Autorin lachend. Dann doch eher zum Erforschen und Erkunden – von Speyer über Deidesheim bis nach „K-Town“.