Kaiserslautern
Neuer Unipräsident übernimmt das Steuer
Leinen los, hieß es, als die bisherige Doppelspitze an den neuen Kapitän übergab. Mit Bildern wurde bei der feierlichen Amtsübergabe nicht gespart, um zu veranschaulichen, wie ein Team zusammen seine Ziele erreicht. Das Orchester wurde ebenso bemüht wie ein Uhrwerk – und das Segeln, von dem der Profi-Segler und Motivations-Coach Tim Kröger berichtete. So fügte sich sogar der Chor der RPTU, der die Veranstaltung umrahmte, ins Bild.
Einen Pluspunkt der Fusion der Universitäten Kaiserslautern und Landau hob Wissenschaftsminister Clemens Hoch hervor, der statt des verhinderten Ministerpräsidenten Alexander Schweitzer ein Grußwort sprach. „Herr Drescher, Sie wurden am 1. Oktober schon mal in Landau ins Amt eingeführt, heute hier in Kaiserslautern. Das ist der Vorteil einer Universität mit zwei Standorten, man kann immer zweimal feiern.“ Er erinnerte an die Skepsis bei den Gesprächen zur Fusion, zog jetzt jedoch, an die bisherige Leitung, gerichtet das Fazit: „Sie haben viel erreicht.“ Allein in der Lebenszeit des 49-jährigen Drescher habe es 70 Fusionen oder Eingliederungen von Hochschulen in Deutschland gegeben.
„Wir waren doppelt spitze!“
Gabriele Schaumann von der Uni Landau, die in den vergangenen beiden Jahren die neu gegründete RPTU zusammen mit Poetzsch-Heffter leitete – „Ich glaube, Arnd, wir waren doppelt spitze!“ –, bleibt Vize-Präsidentin. Ihr Lauterer Amtskollege steht als Seniorprofessor der neuen Leitung weiter beratend zur Seite. Sie machte dem Publikum aus Wissenschaft, Politik und Stadtgesellschaft der beiden Standorte deutlich, dass es in Landau schon viel früher als in Kaiserslautern stürmische Zeiten gab, weil die Uni Koblenz-Landau zwischen Trennung und Zusammenwachsen hin- und hergerissen wurde, bis 2019 schließlich das Land die Fusion mit Kaiserslautern anordnete. „Wir haben gelernt, wie man mit Steinen im Weg ein Haus bauen kann“, zeigt auch sie sich inzwischen versöhnlich mit der Zusammenlegung.
Der 66-jährige Arnd Poetzsch-Heffter blickte auf seine Einführung ins Präsidentenamt der damaligen TU vor vier Jahren zurück, „im fast leeren Hörsaal – coronabedingt“. Trotz des „viralen Angriffs“ habe man die Lehre digital fast vollständig aufrecht erhalten können. Er betonte, dass die Studierenden – deren Anzahl bundesweit sinkt – von den Hochschulen nicht nur auf das wissenschaftliche oder berufliche, sondern auch auf das gesellschaftliche Leben vorbereitet werden müssen. „Mein Herz schlägt nach 40 Dienstjahren immer noch für die Uni als Ort der Bildung“, zeigte er sich zudem dankbar für die Demokratie. Rund 1000 Termine und 12.000 Mails pro Jahr habe er zusammen mit seiner Assistenz erfolgreich abgearbeitet, rechnete der Informatiker und Mathematiker vor, bevor er von sehr langem Applaus begleitet die Bühne verließ.
Ein Segler als Festredner
Dass sowohl der alte als auch der neue Unipräsident in Kiel geboren sind, ist Zufall. Keinerlei Zufall war, dass der Segler Tim Kröger als Festredner geladen war. „Es hat sich offenbar herumgesprochen, dass ich gern segle“, mutmaßte Drescher zwinkernd nach Krögers Vortrag. Kröger berichtete von seinen internationalen Wettkämpfen, den Widrigkeiten auf hoher See und dass es letztlich auf die koordinierte Zusammenarbeit der gesamten Crew ankomme, um erfolgreich zu sein. „Das ist wie ein Uhrwerk: Die großen Zahnräder sehen toll aus, aber ohne die kleinen können sie nicht.“ Auch von Niederlagen wie einem Mastbruch dürfe man sich nicht entmutigen lassen, sondern müsse seine Aufgabe zu Ende bringen. „Fehler passieren“, sagte er deutlich, und die müsse man eingestehen, um daraus zu lernen. Offene Kommunikation sei dabei sehr wichtig, so dass sich jeder einbringen kann und damit für das Gelingen der Aufgabe verantwortlich ist.
Ob Tradition noch wichtig sei, darüber sinnierte Poetzsch-Heffter – mit dem Schluss, dass die Amtsübergabe „ohne Talar, aber mit leichtgewichtiger Amtskette“ vonstatten ging. Lehrerin Andrea Prinz hatte ihrer Goldschmied-Klasse an der Meisterschule für Handwerker die Aufgabe gegeben, mit dem Leitbild der RPTU eine Amtskette zu entwerfen. Aus den 14 Entwürfen wählte das Leitungsteam jenen von Amelie Hunsicker aus: An 29 Kettengliedern und 32 Zwischenösen aus Sterling-Silber hängt ein „U“ für die RPTU, auf dessen Rückseite das Wappen von Rheinland-Pfalz prangt.
Mit dieser neuen Amtskette geschmückt trat Drescher ans Rednerpult für seine Antrittsrede. Bei all den wissenschaftlichen Ergebnissen wie Publikationen und Patenten sei eine Gruppe „das wichtigste Produkt: die Absolventen“. Die jüngste Shell-Studie habe gezeigt, dass die Jugend etwas Sinnstiftendes machen wolle. Besorgniserregend sei dagegen, dass „nur noch 31 Prozent der Menschen mit formal niedriger Bildung der Wissenschaft vertrauen“, gab er aus dem aktuellen Wissenschaftsbarometer wieder. „Die RPTU will kein Elfenbeinturm sein!“, lautet seine Devise. Die beste Antwort auf die derzeitigen Polykrisen sei die „Stärkung von Bildung“. Die Künstliche Intelligenz revolutioniere nicht nur alle Lebens-, sondern auch alle Wissenschaftsbereiche, doch letztlich sei Wissenschaft die Interaktion von Wissenschaftlern, betonte er. Er ließ jedoch im Beisein des Ministers auch nicht unerwähnt, dass „die Hochschulen bundesweit einen Sanierungsstau von 70 Milliarden Euro haben“.