Kaiserslautern Neuer Namen und erweitertes Angebot

„Ökumenisches Gemeinschaftswerk Pfalz“ ist der neue Name, mit dem das Gemeinschaftswerk für Menschen mit Behinderungen GmbH seit August firmiert. Für Karl-Hermann Seyl ist die Namensänderung eine logische Konsequenz aus dem erweiterten Angebot des Gemeinschaftswerks. Im Gespräch mit der RHEINPFALZ erläutert der Geschäftsführer die Namensänderung, vermittelt einen Einblick in das breite Angebotsspektrum für Menschen mit und ohne Behinderungen und betont die Bedeutung des Gemeinschaftswerks als Wirtschaftsfaktor der Region.
Mit der Verabschiedung der UN-Behindertenrechtskonvention sei die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen bekräftigt worden, erinnert Seyl. Begriff „Behinderung“ sei zunehmend als unpassend empfunden worden. Auch habe die bisherige Bezeichnung „Gemeinschaftswerk für Menschen mit Behinderungen“ eine Hürde dargestellt, vorbehaltlos Dienste des Gemeinschaftswerks in Anspruch zu nehmen, erläutert Seyl. „Wir wollen Menschen weder stigmatisieren noch etikettieren.“ Des Weiteren habe die kontinuierliche Erweiterung des Angebots eine Namensänderung erforderlich gemacht. So sind der Integrationsbetrieb Simotec und die Neue Arbeit Westpfalz, die seit Januar 2014 dazugehört, auch Betriebsstätten für Menschen, die keine Beeinträchtigung haben und deren Unterstützungsbedarf sich auf andere Bereiche erstreckt. Die Integrative Kindertagesstätte „Arche Noah“ wird beispielsweise auch von Regelkindern besucht. Der Zusatz „ökumenisch“ ist für Seyl ein Zeichen für die Verortung des Gemeinschaftswerks in kirchlicher Trägerschaft, verweist er auf die Initiative des Caritasverbandes der Diözese Speyer und der Evangelischen Heimstiftung Pfalz, die die Einrichtung 1968 gründeten. Damals hieß der Name noch „Gemeinschaftswerk für Behinderte“. Das Gemeinschaftswerk ist der Vorläufer der Ökumenischen Sozialstation, die wenige Jahre später ins Leben gerufen wurde. Christliche Werte spielen im caritativ-diakonischen Auftrag des Werkes eine zentrale Rolle. „Die Liebe zum und der Dienst am Nächsten stehen im Mittelpunkt“, so Seyl. Das Gemeinschaftswerk, das seinen ursprünglichen Sitz von Ludwigshafen nach Landstuhl verlagerte, ist vor allem in der Pfalz tätig. Auch diese Tatsache findet sich in dem neuen Namen wider. In Kaiserslautern ist die Einrichtung mit den Westpfalzwerkstätten in Siegelbach, einer Außenstelle der Dipro, der Neuen Arbeit Westpfalz, der Simotec GmbH mit dem „Kochwerk“ und einer Außenstelle des Sozialpädiatrischen Zentrums vertreten. Neben dem neuen Namen ziert ein neues Logo das Unternehmensbild in der Öffentlichkeit. Als visuelles Zeichen wurde ein Schiff, das Sinnbild für Ökumene, gewählt. Das Segel des Schiffs ist farbig: Rot als Grundfarbe der Caritas, Blau als Grundfarbe der Diakonie. Die Farben Gelb und Grün stehen zusammen mit Rot und Blau für die Buntheit und Vielfalt des Angebots der Einrichtung. Eine nicht unbedeutende Rolle spielt das Ökumenische Gemeinschaftswerk Pfalz als Wirtschaftsfaktor der Region. Es beschäftigt eintausend Mitarbeiter mit den unterschiedlichsten Professionen, vom Fahrer über den Handwerker, von der Sekretärin bis zum Arzt. So vielfältig wie die Arbeitsfelder sind auch die 40 beruflichen Ausbildungsplätze. Hinzu kommen 160 sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse bei Simotec. Zunehmend werden Arbeitsplätze in Betriebe außerhalb der Einrichtung verlagert. So stellen Freudenberg und Corning Arbeitsplätze in ihren Werkstätten zur Verfügung. Seyl: „Wir suchen ständig Arbeit für Menschen. Arbeit lässt Menschen am Leben teilhaben.“ Der Jahreshaushalt des Gemeinschaftswerks beläuft sich auf 70 Millionen, die Bilanzsumme auf 111 Millionen Euro. Der jährliche Umsatz der betriebseigenen Werkstätten liegt nach Angaben des Geschäftsführers bei zwölf Millionen Euro. Durchschnittlich investiert das Gemeinschaftswerk pro Jahr drei Millionen Euro. Was Seyl in Zukunft beschäftigen wird, ist die Inklusion mit Angeboten zu einem weitgehend selbstbestimmten Leben. „Die gesellschaftliche Inklusion körperlich und geistig beeinträchtigter Menschen nehmen wir sehr ernst.“ Im Blickwinkel hat Seyl auch die demografische Entwicklung. „Auch dazu müssen wir zeitgemäße Antworten finden.“