Kaiserslautern Neue Gesichter zeigen
Glanz und Jubel auf der Ludwigshafener Parkinsel: Maria Furtwängler ist am Samstag mit dem Schauspielpreis des Festivals des deutschen Films geehrt worden. Am Abend zuvor feierte der Hauptsponsor BASF : „Experiment 150“, Thomas Grubes Dokumentation zum 150-jährigen Unternehmensbestehen, wurde uraufgeführt.
Im Wettbewerbsfilm „Das Wetter in geschlossenen Räumen“ gibt Maria Furtwängler eine gescheiterte Entwicklungshelferin, „eine extrem einsame Person, eine Hülle ihrer selbst“, beschreibt sie es selbst: ein Wagnis für sie. Die Figur zu spielen, habe Überwindung gekostet, offenbart die 49-Jährige – blendend gelaunt nach tosendem Empfang ihrer vielen weiblichen Fans – im RHEINPFALZ-Gespräch: „Mich hat gereizt, dass es eine völlig andere Rolle ist als bisher, eine Antiheldin. Aber mir war der Alkoholkonsum dieser Frau zu viel, und die Abwärtsspirale war so düster.“ So musste Regisseurin Isabelle Stever sie erst überzeugen. „Ich habe viel an mir gearbeitet, ich habe versucht, durchlässiger zu werden“, sagt Furtwängler und liefert eine hübsche Definition des beim Festival gezeigten Kunstkinos mit: „Es ist anspruchsvoll, mit Isabelle Stever zu drehen. Sie macht Arthaus-Filme – keine Filme, bei denen man schnell weiß: ,Aha, das soll ich jetzt denken!’ Es ist ein komplexer Film, nicht so ein Unterhaltungsfilm, wie auch ich das sonst gewöhnt bin.“ Und sie sei stolz darauf. Zumal sie „noch nie so einhellig positive Reaktionen bekommen“ habe. „Das hat mich sehr sehr sehr glücklich gemacht. Und natürlich dieser Preis, der wäre ohne diesen Film wohl nicht denkbar gewesen.“ Dem „Tatort“ werde sie aber nicht abtrünnig, beteuert die Münchnerin, die beim Autogrammeschreiben auch mal ganz bajuwarisch klingt. „Die Charlotte Lindholm liebe ich sehr, und ich werde sie nicht im Stich lassen.“ Doch bei nur einem Dreh im Jahr bleibe genug Zeit, andere Projekte zu entwickeln. Die künftig vielleicht ebenfalls anspruchsvoller werden, wobei Furtwängler die Brücke zum Publikum wichtig bleibt, betont sie auch angesichts der begeisterten Fans auf der Parkinsel. „Es ist eine Verantwortung, vielleicht auch Inspiration zu sein, das nehme ich ernst. Mit den Geschichten, die wir erzählen, hin und wieder eine Lösung aufzuzeigen oder eine Parallelität zum eigenen Leben herstellen zu können: Das ist ja das, was Kunst kann. Kunst kann, im besten Fall, etwas im Außen darstellen, was wir diffus im Inneren spüren.“ Neue Wege zu gehen und sich einmal von einer ganz anderen Seite zu zeigen, ist auch Thema des Films „Experiment 150“, den der renommierte Dokumentarist Thomas Grube im Auftrag der BASF gedreht hat. Einen Auftrag, über den der Macher von „Rhythm Is It!“ erst lange nachdenken musste, bis er seine Protagonisten traf: die engagierten Menschen hinter dem Firmennamen. Sein Film, für den ihm die BASF freie Hand ließ, porträtiert das Jubiläumsprojekt „Creator Space“, in dem es um die Zusammenarbeit mit ganz neuen Partnern geht, mit Nichtregierungsorganisationen, Künstlern, Zukunftsforschern, ökologisch orientierten Stadtplanern, um verantwortungsvolle Projekte – und Produkte – zu erarbeiten. Etwa eine bessere Wasserversorgung für die Slums von Mumbai. Kompostierbare Mulchfolie für von Plastikrückständen unfruchtbar gewordene Böden in China. Oder der Wiederaufbau eines flutgebeutelten Viertels in Brooklyn. Grubes Film zeigt beseelte Menschen und möchte – auch über die durchaus manipulative Musik – im Zuschauer ebenfalls Begeisterung auslösen für diesen Einsatz für mehr Miteinander. Das gelingt ihm auch bisweilen. Es macht Spaß zu sehen, wie viele Frauen in Führungspositionen offenbar gerade in Indien agieren. Widersprüchlichkeiten deutet Grube eher nur an, den nicht geringen ökologischen Fußabdruck der aufwendigen Projektkonferenzen weltweit etwa. Deutlich zeigt der Film aber, dass es der BASF nicht um pure Wohltätigkeit geht: Am Ende sollen innovative Produktlinien stehen, die Gewinn abwerfen. Was aber bei einem Wirtschaftsunternehmen auch nicht verwundert. Einige der nachhaltigen Umweltprojekte sollen nun auch umgesetzt werden, beteuerte BASF-Vorstandschef Kurt Bock nach der Uraufführung: „Wir geben dafür jetzt Geld aus, auch ernsthaftes Geld.“ Termine —„Das Wetter in geschlossenen Räumen“ läuft noch heute; „Projekt 150“ heute und Freitag —Lesen Sie mehr im RHEINPFALZ-Filmblog unter bewegtebilder.rheinpfalz.de