Rockenhausen RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Doppelausstellung im Museum für Kunst

Spannende Gegenüberstellung: Meike Porz und Sophie Casado (rechts) , im Hintergrund Porz’ Arbeit „Silence“ und Casados „Sables"
Spannende Gegenüberstellung: Meike Porz und Sophie Casado (rechts) , im Hintergrund Porz’ Arbeit »Silence« und Casados »Sables« (rechts).

Zwei unterschiedliche Handschriften zeigen Meike Porz und Sophie Casado in ihrer Ausstellung. Und doch finden sie zu einem gemeinsamen Nenner.

„Es geht nicht um Kunst“, zitierte Matthias Strugalla die Choreografie-Legende Pina Bausch, „es geht um das Leben und darum, für das Leben eine Sprache zu finden.“ Das Gespräch, das der Speyerer Künstler anstatt einer Laudatio mit seinen Kolleginnen Meike Porz und Sophie Casado führte, bot am Sonntag im Museum für Kunst Übersetzungshilfe in Anbetracht zweier sehr verschieden anmutender Bildsprachen – die vielleicht nur Dialekte ganz ähnlicher Ausdruckswelten sind. Der Titel der neuen Ausstellung des Kahnweiler-Kreises „Lignes de Vie“ (Lebenslinien) deutet hin auf das Gemeinsame.

Beide Künstlerinnen haben vor vielen Jahren schon ausgestellt im alten Kahnweiler-Haus. Mit Meike Porz zeigt sich zudem eine Heimkehrerin mit neuen Arbeiten: In Jakobsweiler geboren, ist sie auf dem Untergerbacherhof aufgewachsen und in Rockenhausen zur Schule gegangen. Heute lebt und arbeitet sie wie Sophie Casado, die in Frankreich aufgewachsen ist, in Landau – mit einer künstlerischen Handschrift, die gar nicht so einfach zu entziffern ist. Ihre Mixed-Media-Arbeiten mit oft collagierten Motiven und den so prägenden Wachs-Akzenten teilen mit der stillen Wasser- und Pflanzenpoesie Sophie Casados das meditative Moment, den Zug ins Abstrakte, nicht zuletzt die grafischen Ausgangspunkte, das Ausforschen des Spannungsfeldes von Linie und Fläche, wie die Gesprächsrunde Strugallas mit den beiden Kreativen aus Landau hervortreten ließ.

Stille Wasser

Linie und Fläche: In Sophie Casados Malerei ist das etwa das auffällige Miteinander still ruhender Wasseroberflächen mit dem chaotischen Liniengewölle von Ufervegetationen, von Schilf, Wiesenflächen, mangrovenartigen Formen von Wachstum. „Wenn ich auf dem Wasser bin, bin ich anders, bin ich ruhiger“, sprach Sophie Casado die atmosphärische Wirkung von Flüssen und Seen – auch von Wäldern – an, die einnehmende Stille, das Zur-Ruhe-Kommen in der gefühlten Zeitenthobenheit. Viel sei sie mit dem Kajak unterwegs, zeichne sogar vom Boot aus – was nicht einfach sei. Ihr Blick sei immer vom Wasser zum Ufer gerichtet, das Wasser also der bergende Ruhepol, der Mittelpunkt der Welt.

Mal tritt eine einzelne Pflanze in Kontrast zu einem ruhenden Wasserspiegel („Roseaux“), oft laufen Wasser und Ufervegetation in zumeist flach gehaltenen Formaten parallel zueinander her wie scharf getrennte Zonen, wobei Sophia Casado sich mitunter tief einlässt auf das Gewirr von Blättern und Zweigen – bis zu fast fotorealistischer Genauigkeit („Les Herbes“). Doch das Chaos der Vegetation wird seinerseits, indem es sich visuellem Rauschen annähert, zur zeitlosen Ruhezone, Züge in die Abstraktion, zu reduzierter Farbigkeit verstärken dieses Moment noch. Ihren Ansatz setzt die Künstlerin auch um in Objekte, etwa in „Rive“, worin Schilfstrukturen aus gerolltem Seidenpapier nachempfunden werden. Casado spricht von Poesie, vom Mysterium des Vegetativen, das sie zu einzufangen versuche. Diese Wirkung naturwüchsiger Formationen wolle sie fühlbar machen in ihrer Kunst.

Im Paraffin-Nebel

Ganz anders wirken zunächst die an den Wänden des Obergeschosses verteilten Bilder von Meike Porz, reduzierte Ritzzeichnungen auf milchigem Untergrund, Objekte, Bildcollagen aus Fotografien, Drucken, Zeichnungen, nicht selten mit Kunstzitaten versetzt. Das Besondere sind Wachsschichten, die das Miteinander der Motive zu organisieren scheinen und Grafisches und Malerisches ineinander verschwimmen lassen. Das eingesetzte Paraffin vernebelt darunter liegende Motive, lässt sie unscharf werden und bietet zugleich eine Oberfläche für Zeichnungen mit der Kaltnadel. Die eingeritzten Rillen – etwa in den vielen, kleineren Arbeiten der Serie „translucide“ – werden wie bei einer Radierung mit Farbe getränkt und ausgewischt, oft in Rot, woraus die symbolhaften Motive eine verfremdende Aura erhalten, eine fast geisterhafte Vagheit. Anders als bei Casado sind oft Menschen zu sehen, zumeist in wenigen Linien, nicht selten gesichtslos, Schemen, die über schattenhaft abgetönten Bildelementen auftreten und verschwinden – wie im flüchtigen Miteinander des alltäglichen Lebens, verdeutlichte Meike Porz im Gespräch.

Der Ansatz lässt auch Meditationen entstehen zu ganz unterschiedlichen Themen, beispielsweise zu Schönheit und Lebensalter wie in den Arbeiten „Peau rose“ oder „Ephémère“: ein Druck eines Aktes in lasziver Pose, der faltige Hals eines alten Menschen und unter einer Wachsschicht Rodins „Eva“ als klassisches Schönheitsideal – schon wie durch den Schleier der Zeitenferne gesehen, undeutlich, ein vages Bewusstseinssediment. So gibt das Paraffin Raum für Hintergründe, Tiefen, lässt ferne Zeitebenen durchschimmern oder spielt an auf Unbewusstes.

Nur eine Woche nach der Eröffnung der Ausstellung von Shabnam Parvaresh war diese neuerliche Vernissage wieder bestens besucht, auch Kunstinteressierte aus der Südpfalz oder Kaiserslautern hatten den Weg nach Rockenhausen gefunden. „Wir haben das vom Konzept her umgestellt, und das Tolle ist: Wir haben jetzt so viel Wechsel hier drin, so viel Publikum, das macht echt Spaß“, freute sich Stadtbürgermeister Vettermann bei der Begrüßung über jüngste Entwicklungen im Haus, die neue Reihe „Kultur Extra“ und das Wirken des Kahnweiler-Arbeitskreises, der auch in seinem 40. Jahr geführt wird von Luise Busch.

Info

Meike Porz / Sophie Casado: Lignes de Vie: Ausstellung im Museum für Kunst, Rockenhausen, Speyerstraße 3; bis 18. Januar 2026, dienstags bis sonntags, 14.30 bis 17.30 Uhr.

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