Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Neue CD von Marcel Adam und Sohn Yann Loup

Inzwischen ist er zarte 70: Marcel Adam und Sohn Yann Loup bei einem gemeinsamen Auftritt 2015 in Ramstein.
Inzwischen ist er zarte 70: Marcel Adam und Sohn Yann Loup bei einem gemeinsamen Auftritt 2015 in Ramstein.

Liedermacher Marcel Adam hat gemeinsam mit seinem Sohn Yann Loup eine neue CD herausgebracht. Das Doppelalbum „Adam chante Aznavour et les 4Bs Brel, Brassens, Bécaud, Béart“ wurde bei einem Konzert in Saarbrücken live aufgenommen. Es ist einer der schönsten Tonträger des Lothringer Künstlers. Und ein Schmuckstück für jedes CD-Regal.

„Wir waren jung, wir waren verrückt, wir lebten in der Luft der Zeit.“ So singt Charles Aznavour in einem seiner berühmtesten Songs. Bei ihm ist das Glück nur von kurzer Dauer und die Liebe oft ein Fluch. Offensichtlich gibt es zwischen diesem Chansonnier und dem Liedermacher Marcel Adam gewisse geistige Verbindungen − zumal sich Adam mit diesem Silberling im zarten Alter von 70 Jahren einen Jugendtraum erfüllt hat. Beide eint das Zweifeln, die Überwindung, auf die Bühne zu gehen und in den Texten sein Innerstes nach außen zu kehren; aber auch eine gewisse Wehmut, die beide in Neugier verwandelt haben.

So hat Marcel seine eigene Forderung, nur qualitativ Hochrangiges abzuliefern, keine Schludrigkeiten zu dulden, in diesen beiden CDs voll und ganz erfüllt. Routine lässt sich mit einer solchen Disziplin nicht vereinbaren. Auftreten heißt für ihn, alles auf eine Karte zu setzen, volles Risiko einzugehen. Ergebnis: 140 Minuten Hörgenuss. 35 Titel ohne Pause.

140 Minuten Hörgenuss

Jedes einzelne Chanson eine Wucht. Als Hörer kann man gar nicht genug davon bekommen. Adams Mitteilungsbedürfnis, gemischt mit seiner künstlerisch-menschlichen Aufrichtigkeit, hat er sich auch mit 70 Jahren bewahrt. Nie war er so gut wie hier.

Sein Gesangsstil ist lebensbejahend und zupackend. Seine Darbietung wirkt zukunftsgewandt und unverblümt. Seine Haltung kündet von Überzeugungskraft und Spontaneität, Entscheidungsfreude und Unmittelbarkeit. Seine Verehrer wickelt er mit unwiderstehlichem Charisma ein, gewinnt sie im Handumdrehen und weckt die elementaren Gefühle in ihnen.

Ausflüge in die Melancholie gestattet er sich nur selten, doch wenn, dann auf umso unvergesslichere Weise − wie in Jacques Brels „Ne me quitte pas“ oder Nenas „Wunder gescheh’n“.

Kein Angst vor Sentimentalität

Stattdessen jongliert er mit raffinierter Wortakrobatik („Les copains d’abord“ von Brassens, „C’est après que ça se passe“ von Béart), um sich dann in Brels „Amsterdam“ in einen mitreißenden Sog zu steigern und schließlich wieder ungemein zarte Worte für das Alter („Le moribond“ von Brel) und die Zerbrechlichkeit der Liebe („Nathalie“ von Bécaud) zu finden.

Auch scheut er nicht die Sentimentalität („Bleib mein Freund“). Mit musikalischer Feinfühligkeit und ungekünstelter Intensität intoniert Adam außerdem Chansons, die sonst auf Deutsch selten zu hören sind wie „Du lässt dich gehen“ (Aznavour).

Der Apfel fällt nicht weit

Da der Apfel nicht weit vom Stamm fällt, darf man auch seinem Sohn Yann Loup großes Künstlertum attestieren. Da spürt man die jahrelange Erfahrung als Singer/Songwriter, beider perfektes Gefühl für Pointen, Pausen und Timing, ihre mitreißenden Stimmen. Ergänzt hat Marcel Adam eigene Dauerbrenner, die ihn als humorvollen Liedermacher, Mundartdichter und sogar als Sprachkünstler zeigen.

Im Rücken haben Vater und Sohn eine fantastische Band, die den Liedern die gewisse Pariser Musette-Färbung verleiht. Vor allem Akkordeonist Christian Di Fantauzzi reißt mit hypnotisierenden Ostinati und virtuosem Spiel immer wieder mit, während sich Oliver Abt und Christian Conrad (beide Gitarre und Bass) perkussiv immer wieder gegenseitig zu übertreffen versuchen. Elmar Federkeil scheint − für ihn völlig ungewohnt − das Schlagzeug schier zu streicheln.

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