Kaiserslautern „Natürliche Geräuschkulisse hat etwas Magisches“

Einstige Attraktion: Bis in die 1930er Jahre zieht die Freilichtbühne am Falkenstein – unser Bild zeigt eine historische Aufnahm
Einstige Attraktion: Bis in die 1930er Jahre zieht die Freilichtbühne am Falkenstein – unser Bild zeigt eine historische Aufnahme aus dem Heimatmuseum Sickingerhöhe – viele Besucher in den Queidersbacher Wald. Jetzt soll an alter Stätte auf den Felsen wieder gespielt werden.

«Queidersbach.»An die Freilichtbühne am Falkenstein in Queidersbach erinnern sich nur noch ältere Einwohner. Das will Rajko Schäfer ändern. Er hat einen Verein zur Wiederbelebung der alten Spielstätte, die von 1928 bis 1940 in Betrieb war, gegründet. Unsere Mitarbeiterin Tamara Germann hat sich mit über das Projekt unterhalten.

Herr Schäfer, Sie wollen die Freilichtbühne in Queidersbach wiederbeleben. Wie kam Ihnen die Idee, wieder Theateraufführungen am Falkenstein zu veranstalten?

Ich fand es schon immer toll zu hören, was die Freilichtbühne für ein großes Ereignis war und habe mir deshalb gewünscht, am Falkenstein eine eigene Inszenierung auf die Beine zu stellen. Der Funke ist aber erst so richtig übergesprungen, als sich mein Bruder und meine beste Freundin bereiterklärt haben, mit mir einen eigenen Verein zu gründen und gemeinsam an das Projekt heranzugehen. Ich fand es einfach schade, etwas so Beeindruckendes der Zeit zu überlassen und es damit in Vergessenheit geraten zu lassen. Besonders reizt mich am Spiel im Freien aber die unvergleichbare Atmosphäre, die natürliche Geräuschkulisse der Natur hat einfach etwas Magisches. Ich meine, wer sitzt an einem lauen Sommerabend nicht gerne draußen und genießt ein paar schöne Stunden (lacht)? Der Verein ist mittlerweile gegründet. Haben Sie auch schon ein Stück gewählt, das zur Freilichtbühne passt und das heuer gespielt werden soll? Grundsätzlich kann man natürlich alles spielen, auch draußen. Ich habe mich dieses Jahr aber für das Stück „Pfälzer Höllen- und Himmelfahrt“ von Heimatdichter Paul Münch entschieden. Ich fand das Werk sehr passend, da es in Mundart und im Versmaß geschrieben ist. Außerdem bin ich von Münchs Dramaturgie überzeugt, die hat Hand und Fuß und erzeugt beim Zuschauer direkt Bilder im Kopf. Grob gesagt geht es darum, dass zwei Pfälzer in der Hölle sind und den Teufel überlisten wollen, um schnellstmöglich von dort ausbrechen zu können. Tatsächlich gelingt es den beiden, wieder in den Himmel zu kommen. Doch dort warten ein paar Schwierigkeiten auf sie. Ich will jetzt aber auch nicht zu viel verraten, sonst ist ja die ganze Spannung weg. Wie stellen Sie das Ensemble für so eine Inszenierung zusammen und was müssen die Schauspieler für ein derartiges Heimatspiel an Fähigkeiten mitbringen? Ja, für das Ensemble habe ich tatsächlich jetzt schon das Grundgerüst gefunden. Glücklicherweise haben sich einige Interessierte bei mir gemeldet, manche Spieler habe ich aber auch selbst angesprochen. Ich habe immer ein Gefühl dafür, welche Rolle zu welchem Darsteller passen könnte. Trotzdem bin ich aber der Meinung, dass jeder Bühnenkünstler innerhalb gewisser Grenzen jede Rolle spielen kann. Besonders spannend finde ich, das Publikum mal durch eine unerwartete Rollenbesetzung zu überraschen. In diesem Jahr überlege ich die Rolle von Petrus ein bisschen unkonventionell zu besetzen. Die meisten stellen sich ihn als imposante Figur mit einem langen, weißen Bart vor – umso interessanter fände ich einen kleineren, schmächtigen Mann. Ich finde, genau das befeuert nämlich die Fantasie der Anwesenden. Worauf legen Sie ein besonderes Augenmerk bei Ihrer Arbeit als Regisseur? Das ist auf Anhieb gar nicht so einfach zu beantworten (lacht). Für mich ist es wichtig, dass authentisch gespielt wird. Das erreicht man am besten durch Improvisation zu Beginn der Proben, denn nur durch spontane Reaktionen können die Rollen untereinander eine Beziehung zueinander entwickeln. Dadurch hat auch der Spieler aktiv einen Anteil an dem, was entsteht, und kann sich in seiner Rolle einfinden. Aus diesem Grund proben wir auch vor der Premiere in voller Montur. Ich finde, nur dann ist Theater wirklich gut und wird vom Betrachter als richtig wahrgenommen. Deshalb achte ich auch darauf, dass nur echte Requisiten verwendet werden. Ich würde niemals ein aufgemaltes Bücherregal in den Himmelszenen verwenden, sondern immer eins aus Holz, das mit richtigen Büchern bestückt ist. Mein Dozent (Schäfer hat ein Jahr lang Theaterpädagogik in Heidelberg studiert, Anm. d. Red.) sagte immer zu mir, dass schon die kleinsten Requisiten das ganze Spiel verändern können. Was gilt es noch vor der Premiere zu organisieren und zu planen? Da liegen noch einige Meilensteine vor uns sozusagen. Begonnen hat alles mit unserer Eintragung als Verein für die Förderung der Mundart und der Naturbühne in Queidersbach. Dahinter steckt natürlich schon mal einiges an bürokratischem Aufwand. Kostüme und Requisiten müssen gekauft oder gebastelt werden und das bezahlen wir größtenteils aus eigener Tasche. Und bevor es mit den Proben losgeht, plane ich einen Eröffnungs-Workshop mit allen Spielern. Dabei soll es um Schauspielerisches gehen, aber auch darum, dass sich die Gruppe untereinander ein bisschen besser kennenlernt. Schließlich muss die Truppe ja recht viel Zeit gemeinsam verbringen. Insgesamt denke ich da so an zwei Proben in der Woche. Schließlich muss das Ganze ja auch noch mit dem Berufsleben vereinbar sein. Welche Resonanz haben Sie von den Queidersbachern erhalten? Überraschenderweise waren Jung und Alt gleichwohl begeistert. Natürlich sind wir uns dem historischen Auftrag bewusst, dennoch wollen wir die Freilichtbühne zwar wiederauferstehen lassen, aber auch mit neuen Ideen füllen. Es ist nicht das Ziel, 300 Bäume abzuholzen und genau das, was 1928 war, nochmal zu rekonstruieren. Besonders freue ich mich aber, den Mann zur Premiere des Stückes „Pfälzer Höllen- und Himmelfahrt“ begrüßen zu dürfen, der die Rechte an dem Stück hat. Eben dieser Herr (Franz Pelgen, Anm. der Red.) war nämlich 1935 bei der Aufführung von Goethes „Götz von Berlichingen“ anwesend. Kontakt und Termin —Der Verein Naturbühne Am Falkenstein ist im Internet auf Facebook präsent. —Die Premiere des Stücks „Pfälzer Höllen- und Himmelfahrt“ soll am Samstag, 18. August, stattfinden. —Dafür werden noch Helfer in den Bereichen Auf- und Abbau, Technik, Vorbereitung der Spielstätte und Verkauf gesucht.

Rajko Schäfer
Rajko Schäfer
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